Land­wirt­schaft

Wie Wild­schwei­ne die Ern­te be­ein­träch­ti­gen

Mittelschwaebische Nachrichten - - Aus Der Heimat - VON ANJA SCHWAB

Krum­bach Jetzt ist Ern­te­zeit. Doch ne­ben dem Wet­ter macht den Land­wir­ten die­ses Jahr auch noch ein an­de­rer un­kal­ku­lier­ba­rer Fak­tor der Na­tur Sor­gen: das Wild­schwein.

Micha­el Wie­de­mann, Kreis­ob­mann des BBV, be­tont, dass vor al­lem Schä­den in Grün­land, Mais und Wei­zen an­ge­rich­tet wur­den. Den Wild­schwei­nen bie­ten sich op­ti­ma­le Er­näh­rungs­ver­hält­nis­se, ein „ganz­jäh­ri­ges Pa­ra­dies auf Er­den“, wie es Wie­de­mann nennt. Die Grö­ße der Wild­schwein­po­pu­la­ti­on un­ter­schei­det sich je nach Re­gi­on. Schwer­punk­te im Land­kreis lie­gen laut Wie­de­mann in Bur­ten­bach oder Müns­ter­hau­sen. Die mil­den Win­ter, in de­nen mehr Frisch­lin­ge über­le­ben kön­nen, tra­gen zum Wachs­tum der Be­stän­de bei. Die ho­he In­tel­li­genz der Tie­re und ih­re Nacht­ak­ti­vi­tät ma­chen es schwer, sie zu ja­gen, so Wie­de­mann wei­ter. Auch die Tat­sa­che, dass das Wild­schwein kei­ne na­tür­li­chen Fein­de hat, be­güns­ti­ge die Ver­brei­tung.

Erich Frey, Vor­sit­zen­der des Jä­ger­ver­eins Krum­bach, hat al­ler­dings nicht das Ge­fühl, dass die Wild­schwein­po­pu­la­ti­on im Alt­land­kreis Krum­bach wächst. Die Be­stän­de blie­ben seit Jah­ren in et­wa gleich. „Je nach­dem wie das Früh­jahr und der Win­ter wa­ren, ver­än­dert sich der Be­stand. Trotz­dem sind die Wild­schwein­be­stän­de bei uns kein Pro­blem“, so Frey. „Das Wild­schwein ist ein Tier, das hier hei­misch ge­wor­den ist und nur weil die Leu­te ein Loch auf ei­ner Wie­se se­hen, heißt das noch lan­ge nicht, dass die Wild­schwei­ne ein Pro­blem dar­stel­len“, er­klärt er. So will der Jä­ger auch nicht von ei­ner „Wild­schwein-Pla­ge“spre­chen. Im Ge­gen­teil: Für den Forst sind die Tie­re so­gar von Vor­teil, da sie den Bo­den auf­lo­ckern und bei­spiels­wei­se Mäu­se fan­gen, was bei­des dem Pflan­zen­wachs­tum im Wald gut tut.

Doch der Wald al­lein ge­nügt den Wild­schwei­nen nicht zum Le­ben. „Sie drin­gen in Mais­fel­der ein, da sie dort Nah­rung und De­ckung fin­den“, so Micha­el Wie­de­mann. Auch der Be­we­gungs­ra­di­us von 40 bis 50 Ki­lo­me­tern pro Nacht er­mög­licht es ei­ner Rot­te auf ei­nem wei­ten Ge­biet Schä­den an­zu­rich­ten. Des­we­gen wer­den so­ge­nann­te Schuss­schnei­sen in Mais­fel­dern an­ge­legt, in de­nen nied­ri­ge­re Ge­wäch­se an­ge­baut wer­den, da­mit die Jä­ger vom Hoch­stand aus freie Sicht ha­ben. Ei­ne wei­te­re Maß­nah­me, wie Land­wir­te ih­re Fel­der bes­ser vor Wild­schwei­nen schüt­zen kön­nen, wä­re laut Wie­de­mann auch, Mais­fel­der nicht in Wald­nä­he zu le­gen, so­fern dies mög­lich ist.

Das Pro­blem er­for­dert ein en­ges Zu­sam­men­ar­bei­ten von Jagd ge­nos­sen schaf­ten und Land­wir­ten. „Wenn ein Land­wirt ei­nen Scha­den be­merkt, soll­te er so­fort bei dem zu­stän­di­gen Jä­ger an­ru­fen“, meint Wie­de­mann.

„Der Scha­den wird dann aus der Schwarz­wild aus­gleichs kas­se des Jä­ger ver­eins, in die al­le Jagd päch­ter und Jagd ge­nos­sen schaf­ten ein­zah­len, be­gli­chen, da sich Land­wir­te nicht ge­gen Wild­schä­den ver­si­chern kön­nen“, so der Vor­sit­zen­de des Jä­ger­ver­eins Krum­bach.

Fo­to: Horst Os­sin­ger, dpa

Den Land­wir­ten sind die wach­sen­den Wild­schwein­rot­ten ein Dorn im Au­ge. Erich Frey, Vor­sit­zen­der des Jä­ger­ver­eins Krum­bach, sieht kei­nen ge­stei­ger­ten Hand­lungs­be­darf: „Nur weil die Leu­te ein Loch auf ei­ner Wie­se se­hen, heißt das noch lan­ge nicht, dass die Wild­schwei­ne ein Pro­blem dar­stel­len.“

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.