Ge­richt

Jun­ge Män­ner müs­sen sich we­gen Waf­fen­be­sit­zes ver­ant­wor­ten

Mittelschwaebische Nachrichten - - Aus Der Heimat - VON ADRI­AN BAU­ER

Günz­burg Ei­ne Luft­druck­waf­fe hat drei jun­gen Män­nern ei­nen Pro­zess am Günz­bur­ger Amts­ge­richt ein­ge­brockt. Ein 18-Jäh­ri­ger hat­te die Pis­to­le ge­kauft und an ei­nen heu­te 20 Jah­re al­ten Kum­pel wei­ter­ge­ge­ben, der sie wie­der­um zur Ver­wah­rung ei­nem 17-Jäh­ri­gen über­ant­wor­te­te. Bei ihm wur­de die Waf­fe ge­fun­den. Den klei­nen Waf­fen­schein, den man braucht, um die Pis­to­le in der Öf­fent­lich­keit da­bei ha­ben zu dür­fen, be­saß kei­ner der drei Ju­gend­li­chen.

Für den 18 Jah­re al­ten Käu­fer war es nicht der ers­te Ter­min vor Ge­richt. Bis­lang hat­te er vor al­lem mit Dieb­stäh­len ne­ga­tiv auf sich auf­merk­sam ge­macht. Für sei­ne letz­te Tat hat­te er ein Jahr und acht Mo­na­te Haft oh­ne Be­wäh­rung er­hal­ten – al­ler­dings läuft hier noch ein Be­ru­fungs­ver­fah­ren. Im vor­lie­gen­den Fall hat­te er in ei­nem Waf­fen­ge­schäft im Land­kreis nach Luft­druck­waf­fen ge­fragt, sei­nen Aus­weis vor­ge­legt und ei­ne Pis­to­le Mar­ke Be­ret­ta ge­kauft. Ei­nen Grund für die In­ves­ti­ti­on – et­wa 100 Eu­ro – hat­te er nicht: „Ich war ein­fach neu­gie­rig“, sag­te der An­ge­klag­te.

Die Pis­to­le nahm er mit nach Hau­se, zu ei­ner Ju­gend­hil­feein­rich­tung im Land­kreis. Dort zer­schoss er zwei Fens­ter. Dass da­durch je­mand ver­letzt wer­den könn­te, dar­über ha­be er sich kei­ne Ge­dan­ken ge­macht, sag­te er. „Das zieht sich bei Ih­nen durchs Le­ben, dass Sie nicht nach­den­ken“, gab Rich­ter Wal­ter Hen­le zu­rück. Ei­ne Zu­ver­läs­sig­keits­prü­fung, wie sie für den klei­nen Waf­fen­schein vor­ge­schrie­ben sei, hät­te aus sei­ner Sicht kei­ner der drei An­ge­klag­ten be­stan­den. Auch die bei­den an­de­ren jun­gen Män­ner hat­ten schon Kon­flik­te mit dem Ge­setz.

Der 18-Jäh­ri­ge sag­te, er hof­fe trotz sei­ner fünf Vor­stra­fen, dass er vom Mem­min­ger Land­ge­richt noch ei­ne Be­wäh­rungs­chan­ce be­kommt. Er ha­be ei­ne fes­te Stel­le in Aus­sicht und ar­bei­tet in den nächs­ten Ta­gen zur Pro­be in ei­nem Gastro­be­trieb. Das Ge­richt ent­schied, auf den Rich­ter­spruch aus Memmingen zu war­ten und dann zu ent­schei­den.

Die bei­den an­de­ren An­ge­klag­ten be­ka­men da­ge­gen ih­re Stra­fe so­fort. Die fiel für den 17-Jäh­ri­gen re­la­tiv hap­pig aus, ob­wohl er die Waf­fe nur ver­wahrt und nicht da­mit ge­schos­sen hat­te. Doch er hat schon drei Vor­stra­fen auf dem Kon­to und hat­te zu­letzt die Ter­mi­ne bei der Ju­gend­ge­richts­hil­fe plat­zen las­sen. Da­her ent­schied das Ge­richt, dass er we­gen die­ser pro­ble­ma­ti­schen Ent­wick­lung ei­nen Schuss vor den Bug be­kom­men soll: Er muss ei­ne Wo­che in den Ju­gen­d­ar­rest und 80 St­un­den ge­mein­nüt­zi­ge Ar­beit leis­ten.

Der 20-Jäh­ri­ge, der mit der Pis­to­le zur Pro­be ei­nen Schuss in den Fuß­bo­den ge­feu­ert hat­te, muss eben­falls 80 St­un­den ar­bei­ten. Der Ar­rest bleibt ihm al­ler­dings er­spart, weil er bis­lang „nur“ein­mal we­gen Fah­rens oh­ne Füh­rer­schein ver­ur­teilt wur­de. „Was Sie bei­de ge­macht ha­ben, war ab­so­lu­ter Un­sinn“, be­ton­te der Rich­ter Wal­ter Hen­le. Die bei­den An­ge­klag­ten nah­men das Ur­teil an.

Sym­bol­fo­to: Da­ni­el Ka­mann/dpa

Ei­ne Luft­druck­waf­fe der Mar­ke Be­ret­ta brock­te drei Ju­gend­li­chen ei­nen Ge­richts­pro­zess ein.

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