Ganz in Schwarz mit ei­nem Blu­men­strauß ...

War­um vie­le Bräu­te bei der Hoch­zeit ein schwar­zes Kleid tru­gen und wie die Far­be Weiß all­mäh­lich do­mi­nier­te. On­line-Ab­stim­mung zu un­se­rer Le­ser­bil­der­ak­ti­on

Mittelschwaebische Nachrichten - - Mittelschwäbische Geschichten - VON ALMUTH SCHMID

Krumbach/Land­kreis Vor­sich­tig zieht Mo­ni­ka Ho­ede den hell­grau­en Kar­ton aus dem Re­gal. Er ist nur ei­ner von vie­len, die hier im Lan­dau­er-Haus in Krumbach un­ter­ge­bracht sind, doch ver­birgt sich in ihm ein ganz be­son­de­rer his­to­ri­scher Schatz. Es ist ein schwar­zes Hoch­zeits­kleid aus dem Jah­re 1880, ge­stif­tet von ei­ner Fa­mi­lie aus dem Land­kreis Günz­burg.

„Es ist ex­trem sel­ten, dass ein Kleid kom­plett er­hal­ten ist. Meist war es frü­her so, dass man aus dem Rock neue Klei­dung für die jün­ge­ren Ge­schwis­ter an­ge­fer­tigt hat“, be­rich­tet die ge­lern­te Trach­ten­schnei­de­rin und Lei­te­rin der Trach­ten­be­ra­tungs­stel­le des Be­zirks Schwa­ben in Krumbach, Mo­ni­ka Ho­ede. Bis zum An­fang des 20. Jahr­hun­derts hei­ra­te­ten Bräu­te der so­ge­nann­ten Mit­tel- und Un­ter­schicht in ih­rem bes­ten Kleid, das ent­we­der schwarz war oder der je­wei­li­gen Re­gio­nal­tracht ent­sprach. Erst durch die in­dus­tri­el­le Re­vo­lu­ti­on war es im­mer mehr auch ar­men Frau­en mög­lich, sich ein wei­ßes Hoch­zeits­kleid zu leis­ten. Der bis da­hin do­mi­nie­ren­de Trend vom ka­tho­li­schen spa­ni­schen Kö­nigs­hof schwar­ze Klei­der zu tra­gen, wur­de da­mit end­gül­tig in Eu­ro­pa ab­ge­legt. „Weiß war ab so­fort das neue Schwarz. Es steht auch heu­te noch für Un­schuld und Rein­heit. Le­dig­lich schwan­ge­re Frau­en muss­ten noch in Schwarz hei­ra­ten, um die Schan­de zu ver­deut­li­chen, die sie über die Fa­mi­lie brach­ten.“

Um 1900 wur­de schwar­ze Klei­dung an­sons­ten nur an höchs­ten Fest­ta­gen oder in Trau­er­zei­ten zum Kirch­gang ge­tra­gen. Sie wa­ren die wert­volls­ten Klei­der­stü­cke, die man be­sit­zen konn­te und wur­den dem­ent­spre­chend mit vie­len De­tails und ei­ner auf­wen­di­gen In­nen­ver­ar­bei­tung ver­se­hen. Seit En­de der 1880er-Jah­re war Schwarz die Mo­de­far­be für Klei­dungs­stü­cke und die „en­ge Mo­de“trat im­mer öf­ter in den Vor­der­grund.

Die Be­to­nung der Län­ge hielt sich als Grund­typ für die Klei­de­r­ober­tei­le über ei­ne lan­ge Zeit. Dies wur­de oft­mals durch ver­ti­kal an­ge­brach­te Be­sät­ze und Bie­sen, mit Re­vers von der Schul­ter bis über die Tail­le und mit Brustein­sät­zen in der vor­de­ren Mit­te er­reicht. „Fast je­des Kleid war da­mals zwei­tei­lig und hat­te ei­nen Steh­kra­gen“, er­zählt Mo­ni­ka Ho­ede, wäh­rend sie das Kleid auf dem Tisch aus­brei­tet. Be­son­ders die al­ten Trach­ten wer­den hier im Lan­dau­er-Haus äu­ßerst be­hut­sam und mit viel Pols­te­rung ge­la­gert. Da­mit auch kei­ne Un­ge­zie­fer Un­ter­schlupf in den Kar­tons fin­den, wer­den sie re­gel­mä­ßig über­prüft und neu ge­la­gert, wenn es sein muss. „Mot­ten kön­nen ei­ne gro­ße Ge­fahr für die Klei­der wer­den. Da ist es wich­tig, von An­fang an gründ­lich zu sein. Das gilt na­tür­lich nicht nur für die Hoch­zeits­klei­der, son­dern für al­le Trach­ten.“

Ih­re Schät­ze sind in Mu­se­en be­gehrt

Das Lan­dau­er-Haus ist äl­ter als die meis­ten Aus­stel­lungs­stü­cke und den­noch ein wun­der­ba­rer Platz für all die­se Kost­bar­kei­ten. Nach ih­rer Leh­re hat Mo­ni­ka Ho­ede noch stu­diert und wur­de schließ­lich Lei­te­rin der Trach­ten­be­ra­tungs­stel­le. „Ich ma­che mei­nen Job äu­ßerst ger­ne. Ge­ra­de ha­ben wir wie­der neue Ex­em­pla­re be­kom­men, die al­le­samt erst ein­mal in Ru­he be­gut­ach­tet und ver­wahrt wer­den müs­sen“, sagt sie. Ih­re Schät­ze „wan­dern“oft­mals in di­ver­se Mu­se­en, in de­nen sie dann für meh­re­re Wo­chen aus­ge­stellt und von je­der­mann be­staunt wer­den kön­nen. Auch zu dem An­lass „Die Schwar­ze Zeit“wur­den schon ei­ni­ge Ex­em­pla­re aus dem La­ger ge­holt und aus­stel­lungs­fer­tig ge­macht, dar­un­ter auch das Hoch­zeits­kleid aus dem Jah­re 1880. Mo­ni­ka Ho­ede ver­lässt das La­ger und macht sich auf den Weg über die schwe­ren höl­zer­nen Trep­pen nach un­ten. „Es gibt noch Men­schen, die sich für ih­re Ver­gan­gen­heit und die ih­res Lan­des in­ter­es­sie­ren und das freut mich je­des Mal wie­der. Es wä­re ein­fach scha­de, wenn all die­se Kost­bar­kei­ten auf dem Dach­bo­den ver­gam­meln oder so­gar weg­ge­schmis­sen wer­den, weil man kei­nen Platz mehr da­für hat. Man­che Men­schen wis­sen oft­mals gar nicht, was sich da noch al­les in Omas al­tem Klei­der­schrank ver­birgt.“

Hoch­zeits­fo­to und Hei­rats­schein do­ku­men­tie­ren die Hoch­zeit von An­ton und Ber­ta Wai­gel (ge­bo­re­ne Kast­ner) aus Ober­rohr.

Fo­to: Samm­lung Erd­le

Fo­to: Fo­to­stu­dio Weiss/Samm­lung Steg­mei­er

Micha­el und Bet­ti­na Steg­mei­er (ge­bo­re­ne Nie­der­wie­ser aus Ober­wie­sen­bach) hei­ra­te­ten am 4. Mai 2016. Eben­so am 4. Mai hei­ra­te­ten die Groß­el­tern des Bräu­ti­gams, Emi­lie und Fried­rich Steg­mei­er aus Wüs­ten­au im Jah­re 1946 (rech­tes Bild). Auch die Groß­el­tern der Braut, Jo­han­na und Ge­org Schnitz­ler aus Ober­blei­chen (Bild in der Mit­te), ha­ben sich an ei­nem 4. Mai im Jah­re 1963 das Ja­wort ge­ge­ben.

Fo­to: Fo­to­stu­dio Baa­der/Samm­lung Jo­as

Ein wei­te­res Hoch­zeits­bild, das zu ei­ner un­ge­wöhn­li­chen Zei­t­rei­se wird: Von Kath­rin Jo­as aus Ebers­hau­sen kommt das Bild ih­rer Ur­groß­el­tern, Fran­zis­ka und Ot­to Kon­rad (ehe­ma­li­ger Bür­ger­meis­ter aus Ober­wie­sen­bach), die am 28. Ju­li 1919 ge­hei­ra­tet ha­ben.

Fo­to: Samm­lung Spie­gel

Ma­ria Sin­ger aus Un­ter­kamm­lach und Adal­bert Spie­gel aus Kirch­has­lach bei ih­rer Hoch­zeit 1948. Für ihn war es die zwei­te Ehe. Sei­ne ers­te Frau war ge­stor­ben. Sie war die Schwes­ter sei­ner zwei­ten Frau. Aus ers­ter Ehe stam­men zwei Kin­der. Aus zwei­ter Ehe stammt Sohn Geb­hard Spie­gel aus Wal­ten­hau­sen.

Fo­to: Samm­lung Mül­ler

Die Groß­el­tern von Franz Mül­ler, Jo­hann und An­na Mül­ler (ge­bo­re­ne Wal­ser) hei­ra­te­ten am Os­ter­mon­tag, 17. April 1933 in Nie­der­rau­nau. Mit auf dem Hoch­zeits­fo­to ist der Va­ter von Franz Mül­ler, da­mals fünf Jah­re alt.

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