Mehr als ei­ne Not­lö­sung

Wie sich die Spiel­ge­mein­schaft der Re­ser­ve­teams der SpVgg Ell­zee und des SV Wat­ten­wei­ler ent­wi­ckelt hat

Mittelschwaebische Nachrichten - - Sport Aus Der Region -

Wat­ten­wei­ler/Ell­zee Wäh­rend die ers­ten Fußball-Mann­schaf­ten der SpVgg Ell­zee (Kreis­li­ga West) und des SV Wat­ten­wei­ler (Kreis­klas­se West 1) wei­ter ge­trenn­te We­ge ge­hen, spie­len die Re­ser­ven zu­sam­men in der A-Klas­se West 2. „Es funk­tio­niert bes­tens“, sagt Ro­land Kling, Vor­sit­zen­der des Sport­aus­schus­ses der fe­der­füh­ren­den SpVgg. Ei­gent­lich be­steht die SG schon seit dem ver­gan­ge­nen Jahr.

War­um taucht erst jetzt die Bil­dung ei­ner Spiel­ge­mein­schaft im Spiel­plan des BFV und in den Ta­bel­len auf? Ro­land Kling: Gu­te Fra­ge! Wir ha­ben die SG vor ei­nem Jahr beim BFV frist­ge­recht be­an­tragt und auch ge­neh­migt be­kom­men. War­um die SG ver­gan­ge­ne Sai­son noch un­ter Ell­zee II ge­führt wur­de, weiß ich nicht. Viel­leicht, weil Ell­zee der fe­der­füh­ren­de Ver­ein ist. Nach­dem je­des Jahr ein neu­er An­trag ge­stellt wer­den muss, ist der Zu­sam­men­schluss jetzt auch of­fi­zi­ell als „SG Ell­zee II/ Wat­ten­wei­ler II“ge­führt.

Wer hat die Initia­ti­ve zu ei­ner Re­ser­ve-SG er­grif­fen und war­um? Kling: Bei­de Ver­ei­ne ha­ben sich in et­wa zeit­gleich mit die­sem Ge­dan­ken be­fasst. So­wohl in Ell­zee als auch in Wat­ten­wei­ler sah man kei­ner­lei Pro­ble­me für den Spiel­be­trieb ers­ten Mann­schaft. Bei den Re­ser­ven sah es an­ders aus. Wat­ten­wei­ler konn­te die Sai­son 2014/15 nicht zu En­de spie­len. Ell­zee spiel­te zwar ei­ne star­ke Sai­son 2014/15 (Vier­ter in der A-Klas­se West 2), aber in der fol­gen­den Som­mer­pau­se hat sich die per­so­nel­le La­ge uner­war­tet zu­ge­spitzt. Die Ver­ant­wort­li­chen des SVW sind auf die SpVgg zu­ge­kom­men und in kür­zes­ter Zeit war nach Rück­spra­che mit al­len vier Mann­schaf­ten die Sa­che ent­schie­den. Al­le Be­tei­lig­ten wuss­ten: „Das ist die Lö­sung für die Sai­son 2015/16“.

Wel­che Er­fah­run­gen hat man in der letz­ten Sai­son da­mit ge­macht? Kling: Sehr gu­te! Bei­de Ver­ei­ne ha­ben von Be­ginn an be­tont, dass es kei­ne Not­lö­sung sei, son­dern ein in­ter­es­san­ter, neu­er Weg, den man nun für (min­des­tens) ein Jahr zu­sam­men geht. Dies hat sich voll be­stä­tigt. Man ent­fernt sich ganz au­to­ma­tisch vom Kon­kur­renz­den­ken und pflegt das sport­li­che Mit­ein­an­der, auch die Ka­me­rad­schaft war vor­bild­lich. Des­halb war es nicht schwer uns im Früh­jahr schnell auf ei­ne Ver­län­ge­rung zu ei­ni­gen.

Wie ist der Spiel- und Trai­nings­be­trieb ge­re­gelt? Kling: Al­le Ak­teu­re mit Ell­ze­er Pass trai­nie­ren in Ell­zee mit der ers­ten Mann­schaft, ge­nau­so ist es in Wat­ten­wei­ler. Vier- bis fünf­mal in der Sai­son trai­nie­ren die Re­ser­ve­spie­ler ge­mein­sam un­ter ih­rem Te­am­chef. Ver­gan­ge­ne Sai­son war das Wil­fried Höck, ak­tu­ell ist es Mar­tin Merk. Da­bei geht es vor al­lem um Gr­und­aus­rich­tung und Fein­schliff, den Rest holt man sich sehr schnell in Test- und Punkt­spie­len. Die Heim­spie­le wer­den ab­wech­selnd in Ell­zee und Wat­ten­wei­ler aus­ge­tra­gen.

Wer stellt die Mann­schaft auf? Kling: Nach dem Trai­ning in Ell­zee und Wat­ten­wei­ler be­stim­men die Trai­ner den Ka­der für die ers­ten Mann­schaf­ten. Das ver­blei­ben­de Spie­le­r­an­ge­bot ver­bleibt für die Re­ser­ve (in der Re­gel 7:7 zwi­schen Ell­zee und Wat­ten­wei­ler auf­ge­teilt). Aus die­sen 14 Mann wählt dann Te­am­chef Merk die Start­elf aus. Frei­lich kann in der Pra­xis nicht im­mer genau an der 7:7-Re­gel fest­ge­hal­ten wer­den. Zur­zeit hat sich der per­so­nel­le Schwer­punkt auf Ell­zee ver­la­gert. Aber das kann sich schnell wie­der än­dern.

Wie sieht die Al­ters­struk­tur der SG aus? Ist es viel­leicht ei­ne ver­jüng­te AH wie bei vie­len an­de­ren Ver­ei­nen auch? Kling: Nein, das wä­re nicht sin­nund zweck­ge­mäß. Letz­te Sai­son ist es uns sehr gut ge­lun­gen, den Al­der ters­durch­schnitt nied­rig zu hal­ten, schließ­lich soll die Re­ser­ve der Un­ter­bau und die Zu­kunft für die je­wei­li­ge Ers­te sein. Trotz­dem müs­sen auch wir hin und wie­der auf äl­te­re Spie­ler zu­rück­grei­fen, wie in den jüngs­ten zwei Punkt­spie­len. Die­se Spie­ler ste­hen dann aber auch ger­ne zu­rück, wenn wie­der ge­nü­gend Per­so­nal vor­han­den ist.

Wie hat sich das Leis­tungs­ni­veau der Mann­schaft ent­wi­ckelt? Kling: Ich wür­de es mal so sa­gen: Qua­li­ta­tiv ha­ben wir un­ser Ni­veau ge­hal­ten und in der Brei­te sind wir et­was stär­ker ge­wor­den. Man darf nicht ver­ges­sen, dass Ell­zee II in den ver­gan­ge­nen zwei Som­mer­pau­sen star­ke Spie­ler ver­lo­ren hat. Dass dies Wat­ten­wei­ler aus­glei­chen konn­te, ist ei­ne be­acht­li­che Leis­tung.

Könn­ten die bei­den Re­ser­ven ei­nes Ta­ges wie­der selbst­stän­dig wer­den? Kling: Aus­schlie­ßen kann man das nicht, man muss es aber auch nicht mit al­ler Ge­walt übers Knie bre­chen. Ell­zee kann in den nächs­ten Jah­ren den ei­nen oder an­de­ren hoch ta­len­tier­ten Ju­gend­spie­ler er­war­ten. Wenn dann noch die Ell­ze­er zu­rück­keh­ren wür­den, die bei an­de­ren Ver­ei­nen spie­len, wä­re das ei­ne Über­le­gung wert. Mo­men­tan ist es aber kein The­ma. Und um­ge­kehrt: Kön­nen sie sich vor­stel­len, dass die ers­ten Mann­schaf­ten ein­mal ei­ne Spiel­ge­mein­schaft bil­den? Kling: Wenn man die Ent­wick­lung all­ge­mein im Ju­nio­ren- und Se­nio­ren­fuß­ball be­ob­ach­tet, dann ist es nur ei­ne Fra­ge der Zeit, wann ei­ni­ge Ver­ei­ne kei­ne zwei Se­nio­ren­mann­schaf­ten mehr auf­bie­ten kön­nen. Das wird nicht al­le Ver­ei­ne be­tref­fen, aber vie­le. Ich will al­ler­dings noch­mals be­to­nen, dass dies aus mei­ner Sicht nichts Schlim­mes ist. Die Ge­sell­schaft hat sich eben in­so­fern ver­än­dert, dass nicht je­der Ju­gend­li­che Fußball spielt. Ak­tu­ell gibt es zwi­schen Ell­zee und Wat­ten­wei­ler aber kei­ne Ge­sprä­che für ei­ne Fu­si­on der ers­ten Mann­schaf­ten.

Ein 10:1-Kan­ter­sieg zum Sai­son­auf­takt ge­gen Tür­kiy­em­spor Krumbach II, dann ei­ne 1:6-Schlap­pe ge­gen den TSV Balz­hau­sen II. Wel­ches Ge­sicht zeigt die SG am Sonn­tag im Heim­spiel ge­gen die SpVgg Gund­rem­min­gen? Kling: Hof­fent­lich ein Schö­nes! (lacht) Ich er­war­te ei­ne ent­spre­chen­de Re­ak­ti­on. In Balz­hau­sen hat die SG viel­leicht ihr schlech­tes­tes Spiel seit der Grün­dung ge­zeigt, wir ver­lo­ren der Hö­he nach völ­lig ver­dient ge­gen ei­nen star­ken Geg­ner. Bei ge­wohn­ter Leis­tung soll­te ge­gen Gund­rem­min­gen ein Punkt mög­lich sein. In­ter­view: Alois Tho­ma

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