Kampf den Kä­fern

Forst­wirt­schaft Die­ses Jahr gibt es deut­lich we­ni­ger Bor­ken­kä­fer. Aber Wach­sam­keit ist ge­bo­ten, denn es sind auch noch an­de­re Forst­schäd­lin­ge ak­tiv

Mittelschwaebische Nachrichten - - Erste Seite - VON AN­JA SCHWAB

Er ist so et­was wie der Alb­traum des Wald­be­sit­zers. Doch der Bor­ken­kä­fer hat sich in die­sem eher feuch­ten Som­mer nicht all­zu stark ver­brei­ten kön­nen.

Land­kreis Die gro­ße Hit­ze­wel­le ist die­sen Som­mer aus­ge­blie­ben. Was die ei­nen stört, lässt an­de­re auf­at­men. Förs­ter bei­spiels­wei­se kön­nen sich im Hin­blick auf die Bor­ken­kä­fer, ein wich­ti­ges The­ma in der Forst­wirt­schaft, über­haupt nicht be­kla­gen.

„Nach­dem das letz­te Jahr sehr tro­cken aus­ge­fal­len ist, was die Ver­meh­rung der Bor­ken­kä­fer be­güns­tigt hat, be­stand die Be­fürch­tung ei­ner ho­hen Kä­fer­dich­te in die­sem Jahr“, so Pe­ter Birk­holz vom Amt für Er­näh­rung, Land­wirt­schaft und Fors­ten Krum­bach. Die­se An­nah­me be­stä­tig­te sich al­ler­dings nicht, da die Nie­der­schlags­wer­te bis jetzt sehr hoch wa­ren. „Wenn die Bäu­me nicht im Was­ser­stress sind, kön­nen sie den Kä­fern mehr ent­ge­gen­set­zen“, sagt Birk­holz. „Harz, das dann von den Bäu­men ge­bil­det wird, ver­klebt die Mund­werk­zeu­ge der ein bis neun Mil­li­me­ter gro­ßen Tie­re. Der Be­fall sei nur ver­ein­zelt und punk­tu­ell, „die be­fürch­te­ten ho­hen Schä­den blie­ben aus“, so Birk­holz.

„Die Kä­fer boh­ren sich in den Baum ein und fres­sen ei­nen klei­nen Gang. Hier­bei ent­steht das so­ge­nann­te Bohr­mehl, das beim Zu-Bo­den-Rie­seln in Spinn­we­ben und Rin­den­schup­pen hän­gen bleibt. Dar­an kön­nen Förs­ter er­ken­nen, ob ein Baum von Kä­fern be­fal­len ist oder nicht“, er­klärt er. Zu­erst wer­den schon ge­schwäch­te Bäu­me be­fal­len, wor­auf­hin im­mer mehr Tie­re von den Duft­stof­fen, den Ag­gre­gats­phe­ro­mo­nen, an­ge­lockt wer­den. Wenn ein Baum voll be­sie­delt ist, ge­hen die Schäd­lin­ge auf den nächs­ten über. Des­we­gen sei­en, so Birk­holz, auch Mo­no­kul­tu­ren so an­fäl­lig, da Bäu­me der glei­chen Art dort di­rekt ne­ben­ein­an­der­ste­hen und die Kä­fer nicht all­zu weit flie­gen müs­sen, um ihr nächs­tes Ziel zu er­rei­chen.

Auch wenn die Pa­ra­si­ten zu­nächst ge­schwäch­te Bäu­me wäh­len, ha­ben es ab ei­ner be­stimm­ten An­zahl von Kä­fern auch ge­sun­de Bäu­me schwer: „Wenn mehr als 200 Kä­fer an­fan­gen, an ei­nem Baum zu na­gen, hat die­ser kei­ne Chan­ce mehr, egal wie ge­sund er ist“, so Birk­holz. Des­halb rät er zu der so­for­ti­gen Ent­fer­nung ge­schä­dig­ter Bäu­me, so­bald Wald­be­sit­zer die­se ent­de­cken.

Hier­bei wer­den die Bäu­me schlicht­weg ge­fällt und ent­fernt, In­sek­ti­zi­de wer­den laut Birk­holz nur in be­stimm­ten Fäl­len ein­ge­setzt. Er nennt es das Prin­zip der „sau­be­ren Wirt­schaft“. Die ge­fäll­ten Bäu­me soll­ten dann mit rund 500 Me­tern Ab­stand zum Wald ge­la­gert wer­den, da die flie­gen­den Kä­fer auf die­se Ent­fer­nung schwie­ri­ger zum Wald zu­rück­fin­den.

Der größ­te Feind des Bor­ken­kä­fers ist je­doch nicht der Mensch, son­dern das Wet­ter. „Ist es warm und tro­cken, ent­wi­ckeln sich die Lar­ven viel schnel­ler als bei feuch­tem Wet­ter“, so Birk­holz. Dies kann Un­ter­schie­de von bis zu ei­nem Mo­nat aus­ma­chen. Doch wer glaubt, die Tie­re wür­den mit Ein­set­zen der Käl­te ster­ben, der irrt sich: „Die Bor­ken­kä­fer über­win­tern ent­we­der ein­ge­bohrt un­ter der Rin­de oder im Bo­den, wo­bei das die un­an­ge­neh­me­re Va­ri­an­te für Förs­ter ist, da die Tie­re so nicht mehr er­reich­bar sind. Bei der Über­win­te­rung im Stamm kann der Baum ein­fach ge­fällt wer­den“, meint Birk­holz.

Die neu auf dem Markt er­schie­ne­ne „Bor­ken­kä­fer-App“der Baye­ri­schen Staats­fors­ten kommt sei­ner An­sicht nach im Forst­be­trieb Wei­ßen­horn be­stimmt ir­gend­wann zum Tra­gen. Für Pri­vat­be­trie­be sieht er al­ler­dings kei­nen Vor­teil: „Wenn man auf ei­nem grö­ße­ren Ge­biet, wie bei­spiels­wei­se dem Forst­be­trieb Wei­ßen­horn, der zum Un­ter­neh­men Baye­ri­sche Staats­fors­ten ge­hört, ar­bei­tet, ist die schnel­le­re In­for­ma­ti­ons­wei­ter­ga­be von Vor­teil. Die dar­auf­fol­gen­de Lo­gis­tik­ket­te kann schnel­ler grei­fen. Das schließt das Fäl­len des ge­schä­dig­ten Bau­mes, das an­schlie­ßen­de ,Rü­cken’, al­so den Trans­port an die Stra­ße, das Auf­la­den auf ei­nen Lkw und den Trans­port zum Sä­ge­werk ein. Au­ßer­dem er­hal­ten Forst­be­sit­zer früh­zei­tig In­for­ma­tio­nen, wo Schä­den an­fal­len könn­te, was ei­ne Ef­fi­zi­enz­stei­ge­rung be­wirkt.“

Ein wei­te­rer Forst­schäd­ling ist der Asia­ti­sche Laub­holz­bock­kä­fer. Frank Nü­ßer von der Lan­des­an­stalt für Land­wirt­schaft (LfL) er­klärt, dass der mit Pa­let­ten aus Asi­en nach Eu­ro­pa ge­schlepp­te Kä­fer auch im Land­kreis be­reits Schä­den an­ge­rich­tet hat. An­fang des Jah­res wur­den in Schö­ne­bach Schä­den fest­ge­stellt. „2015 wur­den Lar­ven weg­ge­nom­men, im Ja­nu­ar 2016 wur­de im Aus­gangs­be­reich ei­ne wei­te­re Lar­ve ge­fun­den, wes­halb sich die Qua­ran­tä­ne­zeit bis 2020 ver­län­gert“, so Nü­ßer. Das Be­falls­ge­biet Zie­mets­hau­sen/Schö­ne­bach exis­tiert seit 2014, die Qua­ran­tä­ne wird erst vier Jah­re nach dem letz­ten Kä­fer­fund wie­der auf­ge­ho­ben.

Ak­tu­el­le­re Schä­den sind je­doch nicht zu ver­zeich­nen. Trotz­dem rät Nü­ßer Grund­stücks­ei­gen­tü­mern, ih­re Holz­be­stän­de al­le zwei Mo­na­te auf Be­falls­sym­pto­me zu über­prü­fen: „Die Kä­fer be­fal­len aus­schließ­lich Laub­bäu­me. Dort hin­ter­las­sen sie trich­ter­för­mi­ge Ein­boh­run­gen im Ein­gangs­be­reich, auch die auf­ge­platz­te Rin­de an die­ser Stel­le ist auf­fäl­lig. Eben­so wie der Bor­ken­kä­fer hin­ter­lässt der Asia­ti­sche Laub­holz­bock­kä­fer, kurz auch ALB, gro­ße Na­ges­pä­ne, die in Rin­den­schup­pen und Ast­ga­beln hän­gen blei­ben oder zu Bo­den fal­len. Au­ßer­dem las­sen sich kreis­run­de Aus­bohr­lö­cher am Stamm fin­den.“

Je­doch gibt es laut Nü­ßer auch vie­le ein­hei­mi­sche In­sek­ten, wie bei­spiels­wei­se den gro­ßen Pap­pel­bock oder den Wei­den­boh­rer, die ähn­li­che Sym­pto­me hin­ter­las­sen. Im Zwei­fels­fall kann die Au­ßen­stel­le der LfL, die für das be­trof­fe­ne Ge­biet zu­stän­dig ist, kon­tak­tiert wer­den, so Nü­ßer.

Sym­bol­fo­to: Andre­as Lo­de

Som­mer mit ins­ge­samt ho­hen Nie­der­schlags­wer­ten wie in die­sem Jahr sor­gen da­für, dass sich der Bor­ken­kä­fer nur re­la­tiv we­nig aus­brei­tet und sich die Schä­den in Gren­zen hal­ten.

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