Wer ist Brit­ney Spears?

Por­trät Die ehe­ma­li­ge Pop-Prin­zes­sin ist zu­rück. Sex, Lü­gen, Vi­de­os: Wie ein öf­fent­li­ches Le­ben zur geld­wer­ten Tra­gik­ko­mö­die wur­de

Mittelschwaebische Nachrichten - - Feuilleton - VON WOLF­GANG SCHÜTZ

Ist sie jetzt er­wach­sen? Nach all dem? Als Klein­kind schon Tanz­un­ter­richt, noch kei­ne zehn und schon Kin­der­star im US-Fern­se­hen – und dann, vor 18 Jah­ren, über Nacht zur neu­en Pop-Prin­zes­sin. „Hit Me Ba­by One Mo­re Ti­me“sang sie da­mals, es ging um Sex, sie war 16, ein hüb­sches Mäd­chen, das da­bei so un­be­schrie­ben wirk­te, dass sie per­fekt zur Pro­jek­ti­ons­flä­che für Mil­lio­nen und die nach neu­en Stars gie­ren­de Bran­che taug­te. Acht Jah­re spä­ter aber wur­de sie, längst Mul­ti­mil­lio­nä­rin, auf Eil­an­trag ih­rer El­tern ent­mün­digt und als „Ge­fahr für sich und an­de­re“ein­ge­wie­sen. Und ge­ra­de da lie­fer­te sie mit „Black­out“ihr mu­si­ka­lisch bes­tes Werk ab…

Seit­dem ist die Ge­schich­te der Brit­ney Spears auch ei­ne Sto­ry über das Glei­ßen des Stars auf der Büh­ne und die nacht­schwar­ze Kehr­sei­te im Pri­vat­le­ben. Kein Wun­der, dass der US-Sen­der Li­fe­time ge­ra­de an ei­ner Ver­fil­mung ar­bei­tet. Und kein Wun­der, dass die Sän­ge­rin nicht be­geis­tert ist. Denn ge­ra­de hat sie ein neu­es Al­bum ver­öf­fent­licht, ihr in­zwi­schen neun­tes, das auf ei­ge­ne Art viel­sa­gend „Glo­ry“heißt, „Ruhm“, und das die Pro­jek­ti­ons­flä­che Brit­ney wie­der auf Hoch­glanz po­liert. Hoch­pro­fes­sio­nel­ler Dan­ce-Pop, sti­lis­tisch ziem­lich viel­sei­tig, in­halt­lich sehr se­xy: ein gu­tes Pro­dukt. Es wirkt, als hät­te es nie ei­nen Bruch in die­ser Kar­rie­re ge­ge­ben. Und könn­te das nicht auch ein Wi­der­ha­ken sein? Nach dem Mot­to: Hier habt ihr eu­re Kunst­fi­gur Brit­ney, al­ters­los, weil auf ju­gend­lich ge­trimmt und ge­schminkt, und bei al­ler be­sun­ge­nen Lust in In­ter­views dem ewi­gen Sex fern wie da­mals, als die ver­meint­lich so Lüs­ter­ne sag­te, sie wol­le jung­fräu­lich in die Ehe ge­hen.

Denn wer hier ei­gent­lich auf­tritt, ist ei­ne 34-jäh­ri­ge Mut­ter zwei­er Kin­der, die den da­ma­li­gen Zu­sam­men­bruch nach dem Schei­tern ih­rer Ehe samt Kahl­kopf­ra­sur und Dro­gen­ex­zess wie das wei­te­re Schei­tern von Part­ner­schaf­ten über­lebt hat; die sich wei­ter als Pop­star pro­du­zie­ren hat las­sen; die seit Jah­ren ei­ne so zu­ver­läs­sig er­folg­rei­che Show in Las Ve­gas hat, dass ihr Ver­trag bis En­de 2017 ver­län­gert wur­de; die durch wei­te­re Al­ben ge­lernt hat, dass sie dann am er­folg­reichs­ten ist, wenn sie sich ge­mäß der al­ten Pro­jek­ti­ons­flä­che pro­du­zie­ren lässt, mäd­chen­haft zart und zugleich bil­lig-wil­lig; und die längst auch ei­nes der liebs­ten Hohn- und Hä­me­op­fer ist. So hie­ßen bei den MTV-Awards am Wo­che­n­en­de die Hel­din­nen Beyon­cé und Ri­han­na – und nicht Brit­ney. Über die ent­lud sich der Spott un­ter „#brit­ney­good­bye“.

Wer auch im­mer Frau Spears wirk­lich ist: Nach die­sen 18 Jah­ren wünsch­te man ihr, sie hät­te ge­lernt, sich nicht mit Brit­ney zu ver­wech­seln – und die Kunst­fi­gur selbst zu ver­ab­schie­den, wenn sie sie nicht mehr braucht. Aber wie viel deu­tet dar­auf hin? Sie pos­tet Fo­tos von ih­ren Kin­dern auf Ins­ta­gram, ist sehr per­sön­lich und da­bei an­ders als die Kunst­fi­gur. Wie ei­ne Schau­spie­le­rin ei­gent­lich, aber eben ei­ne, die nur ei­ne Rol­le kennt. Und da­mit bleibt sie doch auch im­mer je­ne, die sie ei­gent­lich nie war. Nein, er­wach­sen wirkt das nicht. Und Wi­der­ha­ken hat „Glo­ry“wohl auch kei­nen. Es ist bloß Kal­kül. Scha­de.

Fo­tos: Mat­t­hew Rols­ton, Ran­dee St. Ni­cho­las

Die Glei­che? Brit­ney da­mals und heu­te.

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