Mit­ein­an­der ge­gen­ein­an­der

CDU/CSU und SPD müs­sen noch ein Jahr ge­mein­sam re­gie­ren. Doch längst wer­den die Dif­fe­ren­zen auf of­fe­ner Büh­ne aus­ge­tra­gen

Mittelschwaebische Nachrichten - - Politik - VON MAR­TIN FERBER

Berlin Ziem­lich bes­te Freun­de wer­den sie wohl nie. Ein der­art en­ges und auch per­sön­li­ches Ver­hält­nis, wie es Vol­ker Kau­der und Pe­ter Struck, die Chefs der Uni­ons- und der SPD-Frak­ti­on in der ers­ten Gro­ßen Ko­ali­ti­on von 2005 bis 2009, hat­ten, wird es zwi­schen Kau­der und Strucks Nach-Nach­fol­ger Tho­mas Op­per­mann nicht ge­ben. Gleich­wohl sind sich der Christ­de­mo­krat aus Ba­den-Würt­tem­berg und der So­zi­al­de­mo­krat aus Nie­der­sach­sen in den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren nä­her­ge­kom­men und ver­trau­en ein­an­der.

Das ist vor al­lem für An­ge­la Mer­kel wich­tig. Mehr denn je ist die CDU-Kanz­le­rin auf ei­ne gu­te Zu­sam­men­ar­beit der Frak­ti­ons­chefs an­ge­wie­sen. Nach drei Jah­ren ge­mein­sa­men Re­gie­rens ist der Vor­rat an po­li­ti­schen Ge­mein­sam­kei­ten aber weit­ge­hend auf­ge­braucht und ob­wohl die Gro­ße Ko­ali­ti­on noch ein gan­zes Jahr re­gie­ren muss, ge­hen die Part­ner zu­neh­mend auf Dis­tanz zu­ein­an­der. Das aber, so warnt Vol­ker Kau­der am Don­ners­tag vor Be­ginn der par­al­le­len Klau­sur­sit­zun­gen von Uni­ons­frak­ti­ons­vor­stand und SPD-Frak­ti­on in Berlin, dür­fe nicht die Ar­beit im Bun­des­tag ge­fähr­den. „Wir ha­ben den ge­mein­sa­men Auf­trag, das Land gut zu re­gie­ren“, sagt er. Na­tür­lich ge­be es schon „den ein oder an­dern Wahl­kampf­ton“, den­noch hät­ten Uni­on und SPD „noch ei­ne gan­ze Rei­he von Din­gen vor uns, die wir ge­mein­sam ma­chen“.

Gleich­wohl sind die Dif­fe­ren­zen un­über­seh­bar. Tho­mas Op­per­mann macht dar­aus kei­nen Hehl. „Wir wer­den mehr auf Ei­gen­stän­dig­keit ach­ten“, kün­digt er an, es sei „ganz nor­mal“, dass sich im letz­ten Jahr der Wahl­pe­ri­ode die Ko­ali­ti­ons­part­ner „ent­flech­ten“, zu­dem sei es of­fen­sicht­lich, „dass die Ton­la­ge et­was rau­er ge­wor­den ist“.

In Sach­fra­gen set­zen Uni­on und SPD in ih­ren Klau­su­ren ei­ge­ne Ak­zen­te. Bei­den Frak­tio­nen lie­gen Pa­pie­re zur in­ne­ren Si­cher­heit vor. Bei der Uni­on ging es in­des um Flücht­lin­ge. Wie be­kannt wur­de, ver­si­cher­te An­ge­la Mer­kel, dass sich die Auf­nah­me so vie­ler Flücht­lin­ge in Deutsch­land wie 2015 nicht wie­der­ho­len wer­de. Das Wich­tigs­te sei nun, ab­ge­lehn­te Asyl­be­wer­ber ab­zu­schie­ben, sag­te die Kanz­le­rin laut Teil­neh­mern der Sit­zung.

In vie­lem, was die Asyl­po­li­tik be­trifft, sei­en sich Uni­on und SPD zwar ei­nig, so die Kanz­le­rin, den­noch set­zen sie un­ter­schied­li­che Ak­zen­te. Wäh­rend sie sich ei­nig sind, die Zahl der Po­li­zis­ten auf­sto­cken und Kin­der­ehen ver­bie­ten zu wol­len, möch­ten CDU und CSU Ex­tre­mis­ten aus­bür­gern, wenn sie ne­ben der deut­schen über ei­ne wei­te­re Staats­bür­ger­schaft ver­fü­gen. Die SPD will sich da­für ein­set­zen, „die Mög­lich­keit zu er­leich­tern oder zu ver­bes­sern, zu­sätz­lich zu ei­ner an­de­ren die deut­sche Staats­bür­ger­schaft zu be­hal­ten oder zu er­wer­ben“.

Zu­dem lehnt die SPD For­de­run­gen der Uni­on nach ei­nem teil­wei­sen Bur­ka-Ver­bot ab. Die SPDFor­de­rung nach ei­nem Ein­wan­de­rungs­ge­setz zur bes­se­ren Steue­rung der Zu­wan­de­rung lehnt wie­der­um die Uni­on ab. Gleich­zei­tig ver­su­chen die So­zi­al­de­mo­kra­ten, ihr so­zia­les Pro­fil zu schär­fen. Un­ter an­de­rem wol­len sie die Miet­preis­brem­se ver­schär­fen, die so­zia­le Ab­si­che­rung von Selbst­stän­di­gen ver­bes­sern und die Lohn­gleich­heit von Frau­en und Män­nern re­geln.

Un­ter­des­sen nutz­te CDU/CSUFrak­ti­ons­chef Vol­ker Kau­der die Klau­sur des Vor­stan­des, um An­ge­la Mer­kel zu ei­ner wei­te­ren Amts­zeit zu er­mun­tern. Nach Teil­neh­mer­an­ga­ben sag­te er, die Ab­ge­ord­ne­ten hät­ten Ver­ständ­nis da­für, dass sie den Zeit­punkt für ih­re Ent­schei­dung über ih­re po­li­ti­sche Zu­kunft selbst be­stim­men wol­le. Aber „sehr, sehr vie­le in der Frak­ti­on“wür­den sich freu­en, wenn sie noch ein­mal an­trä­te. (mit dpa)

Ein Streit­punkt: die dop­pel­te Staats­bür­ger­schaft

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.