Plä­ne für Wert­stoff­ton­ne lan­den auf dem Müll

In ihr soll­ten auch al­te Brat­pfan­nen oder ka­put­tes Spiel­zeug zum Re­cy­cling ge­sam­melt wer­den. Nun ver­ab­schie­det sich die Re­gie­rung in ih­rem ge­plan­ten Ver­pa­ckungs­ge­setz von den bis­he­ri­gen Ide­en

Mittelschwaebische Nachrichten - - Wirtschaft - VON JANIS DIETZ

Berlin Mehr Ab­fäl­le aus pri­va­ten Haus­hal­ten sol­len re­cy­celt wer­den. Zu­min­dest die­ser Grund­satz des neu­en Ver­pa­ckungs­ge­set­zes ist an­ge­sichts von jähr­lich 17 Mil­lio­nen Ton­nen Ver­pa­ckungs­müll un­um­strit­ten. Über an­de­re Aspek­te des Ge­setz­ent­wur­fes wird von Um­welt­ver­bän­den da­ge­gen hef­tig dis­ku­tiert. Haupt­streit­punk­te sind die Wert­stoff­ton­ne, die jetzt doch nicht bun­des­weit kommt, und die Mehr­weg­quo­te für Fla­schen, die künf­tig weg­fal­len soll.

Kürz­lich erst hat­te SPD-Um­welt­mi­nis­te­rin Bar­ba­ra Hend­ricks ei­nen Ent­wurf für das neue Ge­setz vor­ge­legt. Der­zeit wer­den die Ver­bän­de an­ge­hört. Vor al­lem Um­welt­ver­bän­de mel­den sich da­bei laut­stark zu Wort.

Ur­sprüng­lich soll­te der 37-sei­ti­ge Ent­wurf ein Wert­stoff­ge­setz wer­den. Doch mit sei­nem Plan, ei­ne Wert­stoff­ton­ne ver­bind­lich für ganz Deutsch­land ein­zu­füh­ren, schei­ter­te das Mi­nis­te­ri­um am Wi­der­stand ein­zel­ner Län­der. In die­ser Wert­stoff­ton­ne soll­ten ne­ben Ver­pa­ckun­gen auch an­de­re Din­ge aus Plas­tik oder Me­tall ge­sam­melt wer­den – et­wa Brat­pfan­nen oder al­te Spiel­zeu­ge.

Aus dem Wert­stoff­ge­setz wur­de nun ein Ver­pa­ckungs­ge­setz – und die Kom­mu­nen sol­len sel­ber ent­schei­den, ob sie die Wert­stoff­ton­ne wol­len oder nicht. „Das ist ein po­li­ti­sches Ar­muts­zeug­nis“, sagt Sa­scha Roth vom Na­tur­schutz­bund Deutsch­land (Na­bu). Ge­mein­sam mit an­de­ren Um­welt­ver­bän­den macht sich der Na­bu für ein „öko­lo­gisch am­bi­tio­nier­tes“Wert­stoff­ge- setz stark und plä­diert für die Ein­füh­rung der Wert­stoff­ton­ne.

Kri­tik kommt auch vom Um­welt­bun­des­amt: „Wir be­dau­ern, dass die Wert­stoff­ton­ne nicht ver­bind­lich vor­ge­schrie­ben wird“, sagt ein Spre­cher des Um­welt­bun­des­am­tes ge­gen­über un­se­rer Zei­tung. Durch die Re­ge­lung be­ste­he die Mög­lich­keit, dass die Ton­ne in ein­zel­nen Kom­mu­nen nicht ein­ge­führt wird. Oh­ne die­se Form der Müll­tren­nung wer­de viel re­cy­cling­fä­hi­ger Müll un­sach­ge­mäß ent­sorgt oder ein­fach weg­ge­schmis­sen, warnt das Um­welt­bun­des­amt. Der Na­bu sieht die Ge­fahr, dass die von Kom­mu­ne zu Kom­mu­ne un­ter­schied­li­che Samm­lung von Wert­stof­fen die Sor­tier­an­la­gen über­for­dert.

Für Dis­kus­sio­nen sorgt auch die Mehr­weg­quo­te für Ge­trän­ke­ver­pa­ckun­gen. Die Deut­sche Um­welt­hil­fe or­ga­ni­sier­te kürz­lich ei­ne Pres­se­kon­fe­renz mit zwei Ver­fech­tern der bis­her gül­ti­gen Mehr­weg­quo­te von 80 Pro­zent: Ex-Um­welt­mi­nis­ter Jür­gen Trit­tin (Grü­ne) und ExStaats­se­kre­tär Cle­mens Stro­et­mann (CDU). Ihr Ur­teil: „Das Ge­setz ist ein um­welt­po­li­ti­scher Rück­schritt.“Sie kri­ti­sie­ren, dass die 1991 ein­ge­führ­te Mehr­weg­quo­te künf­tig nicht mehr im Ge­setz steht.

Das Um­welt­mi­nis­te­ri­um recht­fer­tigt sich: Man ha­be die Mehr­weg­för­de­rung im Ge­setz als wich­ti­ge Auf­ga­be de­fi­niert, heißt es auf der Mi­nis­te­ri­ums­home­page. Die Quo­te sei schon im bis­he­ri­gen Ge­setz le­dig­lich ei­ne Ziel­mar­ke ge­we­sen, aus der sich kei­ner­lei Sank­ti­ons­mög­lich­kei­ten ab­lei­ten las­sen. Die ver­bind­li­che Quo­ten­re­ge­lung wur­de durch das so­ge­nann­te Do­sen­pfand ab­ge­löst. Die­se Pfand­pflicht wur­de im neu­en Ge­setz auf Saft­schor­len aus­ge­wei­tet. Aus­ge­nom­men sind wei­ter­hin Säf­te, Wein, Sekt und Milch­pro­duk­te. Dar­über hin­aus setzt das Um­welt­mi­nis­te­ri­um auf die deut­li­che­re Kenn­zeich­nung von Mehr­we­gund Ein­weg­pro­duk­ten – al­ler­dings, an­ders als von den Um­welt­ver­bän­den ge­for­dert, nicht auf den Ver­pa­ckun­gen, son­dern am Re­gal.

Vom Um­welt­bun­des­amt aus Des­sau kommt auch Lob für das Ver­pa­ckungs­ge­setz: Die Re­cy­cling­quo­ten für Kunst­stof­fe zu er­hö­hen, sei „drin­gend nö­tig“, hier set­ze das neue Ge­setz die rich­ti­gen Schwer­punk­te. Der Ge­setz­ent­wurf sieht vor, dass lo­ka­le Re­cy­cling­quo­ten jähr­lich an ei­ne zen­tra­le Stel­le ge­mel­det wer­den.

Die Li­zenz­ge­bühr, die Ver­pa­ckungs­her­stel­ler an die dua­len Sys­te­me wie den Grü­nen Punkt be­zah­len, soll sich zu­dem künf­tig dar­an ori­en­tie­ren, wie re­cy­cle- und sor­tier­bar ei­ne Ver­pa­ckung ist. Nach der Pha­se der An­hö­rung soll der Ge­setz­ent­wurf im Ok­to­ber vom Ka­bi­nett ver­ab­schie­det wer­den. Das Par­la­ment soll noch in die­ser Le­gis­la­tur­pe­ri­ode, al­so vor dem Herbst 2017, ent­schei­den.

Fo­to: Bernd Weiß­brod, dpa

Be­reits heu­te gibt es in Deutsch­land meist meh­re­re Ab­fall­ton­nen für die Bür­ger. Ei­ne wei­te­re Wert­stoff­ton­ne soll nicht mehr da­zu­kom­men.

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