Der Ir­re mit der Axt

Mittelschwaebische Nachrichten - - Wetter | Roman - VON ULI BACHMEIER jub@augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Gip­fel­kreu­ze

Von dem gro­ßen Kir­chen­leh­rer Au­gus­ti­nus (ge­stor­ben 430 nach Chris­tus) ist ein Satz über­lie­fert, dem der wahr­schein­lich be­deu­tends­te Astro­phy­si­ker un­se­rer Zeit, der Bri­te Ste­phen Haw­king, nur höchs­ten Re­spekt zol­len konn­te. Au­gus­ti­nus war ei­ne Fra­ge ge­stellt wor­den: Was tat Gott, be­vor er die Welt er­schaf­fen hat­te? Der wei­se Mann ant­wor­te­te sinn­ge­mäß: Die Fra­ge ist falsch ge­stellt, weil Gott, als er die Welt er­schaf­fen hat, auch die Zeit er­schaf­fen hat.

Über sol­che zu­ge­ge­be­ner­ma­ßen ziem­lich grund­sätz­li­chen Fra­gen kann man, wenn man mag, lan­ge nach­den­ken – am bes­ten an ei­nem ru­hi­gen Ort, weit­ab von der Hek­tik des All­tags, zum Bei­spiel auf ei­nem Berg­gip­fel in den Baye­ri­schen Al­pen. Wohl nir­gend­wo sonst ist ein baye­ri­scher Ka­tho­lik dem Him­mel so nah. Des­halb gibt es dort auch Gip­fel­kreu­ze.

Ums Grund­sätz­li­che, so ist zu ver­mu­ten, geht es auch dem Un­be­kann­ten, der ei­ne Axt an Gip­fel­kreu­ze legt. Mit „nor­ma­lem“Van­da­lis­mus hat das nichts zu tun. Es han­delt sich sehr wahr­schein­lich um ei­nen eben­so durch­ge­knall­ten wie be­dau­erns­wer­ten Men­schen.

Au­gus­ti­nus lehrt, dass man die Welt aus dem Glau­ben her­aus ver­ste­hen kann. Haw­king hat ihm da nicht wi­der­spro­chen. Es gibt aber of­fen­bar auch Men­schen, die dar­über ver­rückt wer­den.

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