Lor­bee­ren aus Ox­ford

Der 23-jäh­ri­ge Jo­nas Bo­zen­hard aus Gundremmingen forscht auf ei­nem re­la­tiv neu­en Ge­biet. Sei­ne Ar­beit kam bei ei­ner Sum­mer­school der eng­li­schen Eli­te­uni­ver­si­tät ziem­lich gut an

Mittelschwaebische Nachrichten - - K!ar.text - VON IDA KÖ­NIG

Gundremmingen Sei­nen Ba­che­lor hat­te er noch nicht in der Ta­sche, da wur­de Jo­nas Bo­zen­hard be­reits bei ei­ner Sum­mer­school an der eng­li­schen Eli­te­uni­ver­si­tät Ox­ford für sei­ne Prä­sen­ta­ti­on aus­ge­zeich­net. Der 23-Jäh­ri­ge stu­diert in Tü­bin­gen Phi­lo­so­phie, hat kurz nach der Sum­mer­school im Ju­li sei­nen Ba­che­lor ab­ge­schlos­sen. Ne­ben­bei stu­diert er Lehr­amt für Gym­na­si­um für die Fä­cher Eng­lisch, Deutsch, Phi­lo­so­phie und Psy­cho­lo­gie.

Ei­nem For­schungs­feld hat er sich je­doch ganz be­son­ders ver­schrie­ben – den di­gi­ta­len Geis­tes­wis­sen­schaf­ten. Ver­ein­facht ge­sagt geht es um com­pu­ter­ge­stütz­te Ana­ly­sen. „So kann man bei­spiels­wei­se al­te Fra­gen mit neu­en Tech­ni­ken un­ter­su­chen oder bis­her un­er­kann­te Fra­ge­stel­lun­gen be­ar­bei­ten“, er­klärt Jo­nas. Was theo­re­tisch klingt, wird an vie­len Or­ten aber be­reits in der Pra­xis an­ge­wen­det. Ar­chi­ve und Mu­se­en nut­zen die­se neu­en Mög­lich­kei­ten, in der Fo­ren­sik und bei der Un­ter­su­chung von Pla­gia­ten kom­men ähn­li­che Tech­ni­ken zum Ein­satz. Am Com­pu­ter las­sen sich Tex­te zum Bei­spiel dar­auf un­ter­su­chen, wie oft be­stimm­te Wör­ter oder Satz­struk­tu­ren ver­wen­det wer­den. Zu die­sem An­satz hat Jo­nas ein Pro­jekt er­stellt, das in Ox­ford mit dem Preis für das „best pos­ter“aus­ge­zeich­net wur­de und das mit ein­fa­chen Pro­gram­men wie Ex­cel um­ge­setzt wer­den kann. Die 19 ein­ge­reich­ten Pro­jek­te wur­den auf wis­sen­schaft­li­chen Pos­tern prä­sen­tiert und an­schlie­ßend im Mu­se­um of Na­tu­ral His­to­ry aus­ge­stellt. So konn­ten die et­wa 100 Teil­neh­mer – und al­le, die sich sonst da­für in­ter­es­sier­ten – das Pos­ter be­gut­ach­ten, Fra­gen stel­len und kri­ti­sie­ren. Be­son­ders freut sich Jo­nas, dass er der Ein­zi­ge war, der zu die­sem Zeit­punkt noch kei­nen Stu­di­en­ab­schluss hat­te.

Im Kurs lern­te der 23-Jäh­ri­ge vie­le Wis­sen­schaft­ler ken­nen, konn­te Kon­tak­te knüp­fen und sich mit Gleich­ge­sinn­ten aus­tau­schen. Die meis­ten von ih­nen ka­men aus En­g­land und Ame­ri­ka, wo die di­gi­ta­le Geis­tes­wis­sen­schaft be­kann­ter ist als in Deutsch­land. „Die At­mo­sphä­re war sehr of­fen“, sagt er. Das kön­ne dar­an lie­gen, dass sich al­le für ein ähn­li­ches The­ma in­ter­es­sie­ren. Aber die di­gi­ta­len Geis­tes­wis­sen­schaft­ler ver­ste­hen ihr Fach ge­ne­rell als sehr of­fen, da sich hier Ex­per­ten aus den un­ter­schied­lichs­ten Fach­rich­tun­gen tref­fen und aus­tau­schen, er­klärt der Phi­lo­so­phie­stu­dent.

Auch in Zu­kunft wür­de Jo­nas ger­ne an der Uni­ver­si­tät blei­ben. Der­zeit schließt er sein Lehr­amts­stu­di­um ab, an­schlie­ßend wird er vor­aus­sicht­lich ei­nen pas­sen­den Mas­ter­stu­di­en­gang wäh­len. Denn für ei­ne Lauf­bahn an der Uni­ver­si­tät muss er ei­ne Dok­tor­ar­beit schrei­ben, wo­für der Mas­ter die Gr­und­vor­aus­set­zung ist. Das In­ter­es­se wird er si­cher­lich nicht ver­lie­ren – denn für Jo­nas lau­fen im Stu­di­um Hob­by und Be­ruf zu­sam­men.

In sei­ner Freizeit kam er zum ers­ten Mal in Be­rüh­rung mit der di­gi­ta­len Geis­tes­wis­sen­schaft. „Ich woll­te Weih­nachts­post mit Ge­dich­ten ver­schi­cken“, sagt er. Doch es ha­be ihm an Krea­ti­vi­tät für so vie­le ei­ge­ne Ge­dich­te ge­fehlt – des­halb ent­wi­ckel­te er ei­ne Ge­dich­teschrei­be­ma­schi­ne, wie er sie nennt. Aus der Spie­le­rei wur­de ein erns­te­res In­ter­es­se, als er in Se­mi­na­ren wie­der auf das The­ma stieß – dies­mal mit ei­nem wis­sen­schaft­li­chen Hin­ter­grund. Seit­dem hat es ihn nicht mehr los­ge­las­sen. In der Phi­lo­so­phie in­ter­es­sie­ren sich erst we­ni­ge für di­gi­ta­le Geis­tes­wis­sen­schaf­ten, er­klärt er, die Vor­ur­tei­le man­cher Kol­le­gen sei­en groß. Die Chan­ce, als ei­ner der ers­ten vor­ne mit da­bei zu sein, will er nut­zen – und hat in Ox­ford den Grund­stein da­für ge­legt.

Jo­nas Bo­zen­hard

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