Sie för­der­te das Ta­lent ih­res Soh­nes

An­toi­ne de Saint-Exu­pé­ry pfleg­te ein in­ni­ges Ver­hält­nis zu sei­ner Mut­ter

Mittelschwaebische Nachrichten - - Gottesdienstanzeiger -

Min­del­zell „Man sieht nur mit dem Her­zen gut. Das We­sent­li­che ist für die Au­gen un­sicht­bar“, sag­te der klei­ne Prinz. Das ist ei­ner der im­mer gül­ti­gen Sät­ze, die der fran­zö­si­sche Schrift­stel­ler An­toi­ne de Sain­tE­xu­pé­ry for­mu­liert hat. Als er das Mär­chen „Der klei­ne Prinz“nie­der­schrieb, leb­te er in Ame­ri­ka. Er er­in­ner­te sich an sei­ne glück­li­che Kind­heit, die ihm sei­ne Mut­ter er­mög­licht hat. Mit ihr stand er zeit­le­bens in ei­nem en­gen Brief­kon­takt.

An­toi­ne de Saint-Exu­pé­ry wur­de 1900 ge­bo­ren. Das Ehe­paar hat­te be­reits zwei Töch­ter und war über die Ge­burt des Soh­nes sehr glück­lich. Noch zwei wei­te­ren Kin­dern, ei­nem Sohn und ei­ner Toch­ter, schenk­ten sie das Le­ben. Be­reits 1903 starb der Va­ter. Die Er­zie­hung der Kin­der lag al­lein in der Hand der Mut­ter. Sie war sich ih­rer gro­ßen Ver­ant­wor­tung sehr be­wusst. Bei al­lem Frei­raum, den sie ih­ren Kin­dern ge­währ­te, för­der­te sie so­wohl das re­li­giö­se Le­ben wie auch künst­le­ri­sche Fä­hig­kei­ten. An­toi­ne lern­te Gei­ge spie­len und er­hielt Kla­vier­un­ter­richt. Sie schick­te ih­re Kin­der in ei­ne ka­tho­li­sche Pri­vat­schu­le. Die bei­den Söh­ne ka­men zu den Je­sui­ten, die da­für be­kannt wa­ren, ho­he An­for­de­run­gen an ih­re Schü­ler zu stel­len.

Der Ers­te Welt­krieg ließ ei­nen Orts­wech­sel rat­sam er­schei­nen. Die deut­schen Trup­pen rück­ten im­mer wei­ter in Frank­reich vor. Die Mut­ter ent­schied sich da­für, die Söh­ne in die Schweiz zu schi­cken. Sie hat­te ein sehr gut ge­führ­tes In­ter­nat emp­foh­len be­kom­men, das von Ma­ria­nis­ten ge­lei­tet wur­de. Dort ging es nicht ganz so streng zu wie bei den Je­sui­ten. In die­ser Zeit ent­stan­den die ers­ten Ge­dich­te. An­toi­ne ver­fass­te auch klei­ne Thea­ter­stü­cke, die in der Schu­le auf­ge­führt wur­den. In sei­nen Brie­fen hielt er die Mut­ter auf dem Lau­fen­den. Sel­ber am li­te­ra­ri­schen Ge­sche­hen äu­ßerst in­ter­es­siert er­mu­tig­te sie den Sohn, auf den sie sehr stolz war. Die Ab­schluss­prü­fung hat­te er gut be­stan­den, als sein zwei Jah­re jün­ge­rer Bru­der Fran­cois ei­nem Herz­lei­den er­lag. Der Tod des Bru­ders, mit dem er ein Herz und ei­ne See­le war, traf ihn zu­tiefst und ließ auch die Bin­dung an die Mut­ter und sei­ne Schwes­tern noch in­ni­ger wer­den.

Die nächs­ten Jah­re stan­den un­ter kei­nem be­son­ders gu­ten Stern. Er schei­ter­te mit sei­nem Wunsch Pi­lot bei der Ar­mee zu wer­den, weil er die Prü­fung nicht be­stan­den hat­te. Aus­ge­rech­net an den Fra­gen zur Li­te­ra­tur war er ge­schei­tert, ob­wohl er zu die­sem Zeit­punkt be­reits das ei­ne und an­de­re ver­öf­fent­li­chen konn­te. Das Stu­di­um der Ar­chi­tek­tur gab er auch bald wie­der auf.

Sein Traum­be­ruf blieb es Pi­lot zu sein. Schließ­lich kam er dank sei­ner Hart­nä­ckig­keit ans Ziel. Er ar­bei­te­te für die Luft­post. In­zwi­schen hat­te er sich ver­lobt. Die Fa­mi­lie der Ver­lob­ten, eben­falls aus dem Adel, zeig­te sich we­nig be­geis­tert. Man ging wie­der aus­ein­an­der, blieb aber freund­schaft­lich ver­bun­den. Die Mut­ter hät­te den Sohn ger­ne in fes­ten Hän­den ge­se­hen, aber das soll­te noch et­was dau­ern.

Pech in der Lie­be aber Glück in sei­nem schrift­stel­le­ri­schen Schaf­fen. Sei­ne Er­leb­nis­se als Pi­lot hat er ver­ar­bei­tet. Es wur­den Best­sel­ler, die in an­de­re Spra­chen, dar­un­ter Deutsch, über­setzt wur­den. Bei sei­nem Auf­ent­halt in Ar­gen­ti­ni­en lernt er ei­ne jun­ge Wit­we aus ver­mö­gen­dem Haus ken­nen. Sie wird er hei­ra­ten. Das wä­re nun ei­ne ei­ge­ne Ge­schich­te über die Pro­ble­ma­tik ei­ner Künst­ler­ehe.

Saint-Exu­pé­ry kehrt mit­ten im Krieg aus Ame­ri­ka zu­rück. Er will un­be­dingt als Pi­lot mit da­bei sein, wenn Na­zideutsch­land nie­der­ge­run­gen wird. Das kos­tet ihn das Le­ben. Am 31. Ju­li 1944 kehrt er von ei­nem Auf­klä­rungs­flug nicht mehr zu­rück. Die Mut­ter ist tief ge­trof­fen. Sie schreibt sich in zwölf Ge­dich­ten das Leid vom Her­zen. Im letz­ten Ge­dicht nennt sie den Sohn ei­nen „Him­melspil­ger“und legt ihm ein Ge­bet in den Mund aus Psalm 18 „Du hast mich ins Wei­te ge­führt“. (gsch)

Fo­to: Samm­lung Gschwind

„Man sieht nur mit dem Her­zen gut. Das We­sent­li­che ist für die Au­gen un­sicht­bar“, sag­te der klei­ne Prinz.

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