Meist bleibt es bei Dro­hun­gen

Kör­per­li­che An­grif­fe wie auf Franz Zen­ker er­le­ben Bür­ger­meis­ter sel­ten. An­de­re Atta­cken pas­sie­ren häu­fi­ger, die Re­spekt­lo­sig­keit nimmt zu

Mittelschwaebische Nachrichten - - Landkreis | Anzeigen - VON REBEKKA JA­KOB

Land­kreis In kei­ner po­li­ti­schen Ebe­ne ist man so nah dran an den Men­schen wie als Kom­mu­nal­po­li­ti­ker, sagt Ger­hard Jau­er­nig. „Wenn in der Stadt et­was nicht passt, ruft man eben di­rekt den Bür­ger­meis­ter an.“Die Be­geg­nun­gen sind für den Ober­bür­ger­meis­ter das Salz in der Sup­pe. Doch die­se Nä­he wirkt im Gu­ten wie im Schlech­ten – das hat der An­griff auf Ichen­hau­sens Zwei­ten Bür­ger­meis­ter Franz Zen­ker am Di­ens­tag­abend ge­zeigt (wir be­rich­te­ten). Ge­walt er­le­ben die Rat­haus­chefs al­ler­dings meist in Form von Wor­ten. Um­so schlim­mer ma­chen sich kör­per­li­che An­grif­fe be­merk­bar, wie sie auch Ichen­hau­sens Ers­ter Bür­ger­meis­ter Ro­bert Stro­bel er­le­ben muss­te.

Vor fast ge­nau vier Jah­ren wur­de Stro­bel, da­mals noch Rat­haus­chef im Bi­ber­tal, vor sei­nem Wohn­haus von ei­nem Un­be­kann­ten zu­sam­men­ge­schla­gen. Stro­bel er­litt meh­re­re Brü­che im Ge­sicht, er war kurz­zei­tig be­wusst­los. Nach ei­ner Ope­ra­ti­on muss­te er da­mals drei Wo­chen pau­sie­ren, be­vor er wie­der zur Ar­beit konn­te. Sein jet­zi­ger Stell­ver­tre­ter Franz Zen­ker kam bei Aus­ein­an­der­set­zung mit Ju­gend­li­chen, die am Ichen­hau­ser Schloss­platz lau­te Mu­sik ge­hört hat­ten, zwar kör­per­lich un­be­scha­det da­von, trotz­dem hat der Vor­fall ihn er­schüt­tert: „Ich konn­te in der Nacht da­nach lan­ge nicht ein­schla­fen“, sag­te Zen­ker un­se­rer Zei­tung.

Dass der Zwei­te Bür­ger­meis­ter den Ju­gend­li­chen ei­nen Platzverweis er­tei­len woll­te, ist üb­ri­gens sein gu­tes Recht, sagt Günz­burgs Po­li­zei­chef Ste­fan Mül­ler. „Wenn es sich um ei­nen öf­fent­li­chen Platz der Ge­mein­de han­delt, übt der Bür­ger­meis­ter hier das Haus­recht aus. Zu­dem ver­tritt er als Rat­haus­chef die ört­li­che Si­cher­heits­be­hör­de.“Zen­kers Ver­such, Fo­tos von den Ran­da­lie­rern zu ma­chen, fällt eben­falls in die­se Ka­te­go­rie: „Wenn ei­ne Ord­nungs­wid­rig­keit be­gan­gen wur­de, kann mit Fo­tos do­ku­men­tiert wer­den, was vor Ort pas­siert ist, bei­spiels­wei­se ei­ne Ru­he­stö­rung oder Ver­schmut­zung. Und er kann da­mit auch für even­tu­el­le ei­ge­ne zi­vil­recht­li­che For­de­run­gen Hin­wei­se für uns als Er­mitt­ler si­chern.“

Die Po­li­zei hat­te die bei­den mut­maß­li­chen Ran­da­lie­rer am Di­ens­tag­abend schnell ge­fun­den, ih­re Per­so­na­li­en wur­den auf­ge­nom­men. Ei­ne Fest­nah­me gab es nicht – „in die­sem Fall war kein Haft­grund ge­ge­ben“, er­klärt Mül­ler. Un­ab­hän­gig von dem Straf­an­trag, den Franz Zen­ker stel­len will, er­mit­telt die Po­li­zei jetzt in dem Fall und wird die Er­geb­nis­se an die Staats­an­walt­schaft wei­ter­lei­ten. Oft be­kom­me es die Günz­bur­ger Po­li­zei nicht mit ei­nem sol­chen Fall zu tun. „Zum Glück war das ei­ner der sel­te­nen Fäl­le.“

Günz­burgs Ober­bür­ger­meis­ter Ger­hard Jau­er­nig hat gro­ßen Re­spekt vor der Zi­vil­cou­ra­ge des Ichen­hau­sers. Er selbst ist in sei­ner nun 14-jäh­ri­gen Amts­zeit zwar noch nie in die­ser Form kör­per­lich be­droht wor­den, „al­ler­dings ha­be ich schon ei­ni­ge Droh­schrei­ben er­hal­ten, in de­nen dann auch Ge­walt ge­gen mei­ne Per­son oder mei­ne Fa­mi­lie an­ge­kün­digt wur­de“. Die Brie­fe hat Jau­er­nig der Po­li­zei über­ge­ben. Sol­che Dro­hun­gen kä­men be­son­ders aus der rech­ten Ecke. In der Ver­gan­gen­heit hat Günz­burg sich mas­siv da­ge­gen ge­wehrt, dass die NPD Ver­an­stal­tun­gen im städ­ti­schen Fo­rum ab­hält, bei De­mons­tra­tio­nen ge­zeigt, dass die Stadt bunt statt braun ist. „In dem Mo­ment, in dem man ein öf­fent­li­ches Amt hat und ei­ne kla­re Kan­te zeigt, blei­ben sol­der che Droh­nun­gen nicht aus. Man darf sich da­von aber nicht ein­schüch­tern las­sen.“Jau­er­nig lobt al­ler­dings auch be­son­ders die Ju­gend­li­chen in der Stadt – statt Kon­flik­ten wie den von Zen­ker ge­schil­der­ten Vor­fall er­le­be er im Ge­gen­teil of­fe­ne, en­ga­gier­te und po­si­tiv ge­stimm­te Ju­gend­li­che in der Stadt. „Der­zeit ar­bei­ten wir bei­spiels­wei­se mit jun­gen Leu­ten an ei­nem Kon­zept für un­se­re neue Ska­ter­an­la­ge.“

We­ni­ger gu­te Er­fah­run­gen hat Thann­hau­sens Bür­ger­meis­ter Ge­org Schwarz ge­macht. Ein­mal hat er Ju­gend­li­che er­mahnt, die sich laut­stark im Rösch­park be­tran­ken. Ei­ner der Bur­schen ha­be sich schon vor ihm auf­ge­baut. Zur Tät­lich­keit ist es nicht ge­kom­men, weil die an­de­ren ih­ren Kom­pa­gnon zu­rück­hiel­ten. Schwarz weiß nicht, ob er sich für ei­ne Watschn nicht re­van­chiert hät­te: „So christ­lich bin ich nicht, dass ich dem auch noch die an­de­re Wan­ge hin­ge­hal­ten hät­te.“Er be­klagt vor al­lem un­ter Ju­gend­li­chen man­geln­den Re­spekt und for­dert: „Ge­walt ge­gen Amts­per­so­nen geht über­haupt nicht, das muss hart be­straft wer­den.“Es sei gut, dass Zen­ker die Ju­gend­li­chen an­zei­gen wol­le. (mit rbod)

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