Frei­zeit

Frei­zeit Der Klet­ter­sport liegt im Trend. War­um die neue Krum­ba­cher Klet­ter­hal­le und der Klet­ter­turm so be­liebt sind

Mittelschwaebische Nachrichten - - Aus Der Heimat - VON AN­NA SCHMID

War­um Klet­tern so be­liebt ist

Krum­bach Den Klet­ter­turm sieht man schon von Wei­tem. Ob­wohl es be­reits däm­mert, ragt er wie ein Berg aus dem klei­nen Wald­stück her­vor, in dem das Ge­län­de des Al­pen­ver­eins Krum­bach liegt. Ei­gent­lich ist er das ja auch: Ein Ber­ger­satz für Klet­ter­be­geis­ter­te. Denn der Ver­ein hat be­reits über 1000 Mit­glie­der und auch über un­se­re Re­gi­on hin­aus wird er von In­ter­es­sier­ten ge­nutzt.

Heu­te ge­gen 18 Uhr klet­tert be­reits je­mand am Turm. Es ist Mar­tin Leo­pold, der Ju­gend­lei­ter des Al­pen­ver­eins. Die­ser ge­hört zum Dach­ver­band des Deut­schen Al­pen­ver­eins, der sich in ver­schie­de­ne Sek­tio­nen auf­tei­len lässt. Da­zu ge­hört auch der Krum­ba­cher Ver­ein. „Un­se­re Sek­ti­on um­fasst das Ge­biet des ehe­ma­li­gen Alt­land­krei­ses Krum­bach“, sagt Do­ro­thea Leo­pold, Ju­gend­re­fe­ren­tin. Da­bei sei­en be­son­ders drei Be­rei­che zen­tral: Sport, Kul­tur und Um­welt, fährt sie fort. Zum Sport ge­hö­re ne­ben dem Klet­tern un­ter an­de­rem auch Wan­dern, zur Kul­tur ein Chor und zur Um­welt um­welt­ge­rech­tes Ver­hal­ten wie das Bil­den von Fahr­ge­mein­schaf­ten, wenn der Ver­ein et­was un­ter­nimmt.

Die Klet­te­rer, die heu­te die An­la­ge nut­zen und die Steil­wän­de mit den bun­ten Grif­fen er­klim­men, sind ge­übt im Um­gang mit ih­rer Aus­rüs­tung und wis­sen, wie sie si­cher von oben nach un­ten und wie­der zu­rück­kom­men. „Das ist auch sehr wich­tig“, er­klärt Do­ro­thea Leo­pold. Denn wenn man beim Al­pen­sport­ver­ein Krum­bach klet­tern wol­le, soll­te man es be­reits kön­nen oder vor­her ei­nen Klet­ter­kurs be­su­chen, so die Re­fe­ren­tin. Auf der Web­site des Ver­eins kann man sich über die Kur­se in­for­mie­ren.

Ein Kurs dau­ert zwei bis drei Ta­ge

Heinz Zan­der, Aus­bil­dungs­re­fe­rent und zu­stän­dig für Tech­nik und Si­cher­heit, fügt hin­zu, dass ein Kurs zwei bis drei Ta­ge daue­re. „Die Kur­se sind abends, da­mit auch Be­rufs­tä­ti­ge sie be­su­chen kön­nen“, sagt er.

Seit 1997 gibt es den Klet­ter­turm mitt­ler­wei­le. Mar­tin Leo­pold hat sich sei­nen Klet­ter­gurt an­ge­legt, streicht mit der Hand über die Wand des Turms. „Er ist sehr fel­s­ähn­lich, es gibt ganz viel Struk­tur, die man zum Klet­tern nut­zen kann“, be­tont er. Das sei an­ders als in der Hal­le, denn dort ge­be es le­dig­lich die Grif­fe zum Klet­tern. Hier da­ge­gen kön­ne man auch die Wand selbst be­nut­zen. „So ist es mehr wie in der Na­tur, da sind Fel­sen ja auch nicht rot, grün oder blau an­ge­malt“, er­gänzt Do­ro­thea Leo­pold.

Dann be­ginnt ihr Mann, am Turm hin­auf­zu­klet­tern. Wich­tig: Klet­tern ist ein Team­sport, ein an­de­rer Klet­te­rer si­chert ihn. Zu­erst ma­chen sie den Part­ner­check. Sie se­hen nach, ob bei­spiels­wei­se der Gurt des an­de­ren gut sitzt oder al­le Kno­ten rich­tig an­ge­bracht sind. An­schlie­ßend kann los­ge­klet­tert wer­den. Auch da gibt es un­ter­schied­li­che Ar­ten: Top-Ro­pe, dann hängt oben be­reits ein Seil, an dem sich der Klet­te­rer fest­macht. Die an­de­re ist der Vor­stieg, ei­ne Tech­nik, bei der Schritt für Schritt mit den so­ge­nann­ten Ex­press­sch­lin­gen ein Si­che­rungs­seil am Turm oder der Wand, die man ge­ra­de em­por­steigt, be­fes­tigt wird.

Mar­tin Leo­pold klet­tert fast bis ganz nach oben. Er zieht sich Stück für Stück an den bun­ten Grif­fen hoch und stützt sich gleich­zei­tig mit sei­nen Fü­ßen an ih­nen ab.

Aus­dau­er und Be­weg­lich­keit sind glei­cher­ma­ßen wich­tig

Fragt man in die Run­de aus et­wa sie­ben Leu­ten, was ei­gent­lich das Bes­te am Klet­tern ist, be­kommt man ver­schie­de­ne Ant­wor­ten. „Wenn man nach oben kommt“, sagt Heinz Zan­der. Für Mar­tin Leo­pold ist der Sport ein ge­leb­tes Aben­teu­er. An­de­re ant­wor­ten, er hel­fe bei der Stress­be­wäl­ti­gung und man müs­se da­bei den Kopf frei ha­ben. „Au­ßer­dem ist Klet­tern ein Ganz­kör­per­sport“, weiß Zan­der. „Man braucht al­les: Kraft, Aus­dau­er, Be­weg­lich­keit, ein gu­tes Au­ge für De­tails und Sta­bi­li­tät.“

Lang­sam wird es dun­kel. Zan­der und Do­ro­thea Leo­pold ge­hen nach in­nen, in die Klet­ter­hal­le. Sie sieht mo­dern aus, an wei­ßen Wän­den sind far­bi­ge Grif­fe an­ge­bracht wie am Turm. Al­ler­dings kann man hier so­gar an der De­cke ent­lang klet­tern. Da­ne­ben gibt es ei­nen ei­ge­nen Be­reich fürs „Boul­dern“, ei­ne Art des Klet­terns, für die man aus­nahms­wei­se kei­nen Part­ner braucht. „Boul­dern be­deu­tet, oh­ne Si­che­rung in ge­rin­ger Hö­he zu klet­tern“, sagt Zan­der und zeigt auf ei­nen klei­nen Be­reich mit ei­ner rie­si­gen, wei­chen Ma­trat­ze am Bo­den. Aber auch beim Boul­dern gel­te: Kin­der nicht al­lein las­sen, denn hier kön­ne man sich ver­let­zen, so Ju­gend­re­fe­ren­tin Leo­pold.

Aus Si­cher­heits­grün­den wird die An­la­ge re­gel­mä­ßig ge­prüft. „Wir wol­len si­cher­ge­hen, dass al­les stimmt“, sagt Zan­der. Um auf dem Ge­län­de klet­tern zu kön­nen, muss man sich ei­ne Kar­te kau­fen, Ta­ges­kar­ten gibt es bei In­ter­sport Wolf in Krum­bach, Zeh­ner- und Jah­res­kar­ten im Ver­ein.

Al­ler­dings ist erst ab 18 Uhr Per­so­nal vor Ort. Hat man ei­ne Kar­te ge­kauft, kann man das Ge­län­de tags­über mit die­ser be­tre­ten und klet­tern, sie funk­tio­niert dann wie ei­ne Art Schlüs­sel. Von Zeit zu Zeit wer­den die Grif­fe am Turm und in der Hal­le ab­ge­schraubt und in an­de­rer Art und Wei­se an­ge­bracht als zu­vor.

„Aus der Fan­ta­sie her­aus über­legt man sich Be­we­gungs­mus­ter, um nach oben zu kom­men“, er­klärt Zan­der. Und da­mit es nicht ir­gend­wann lang­wei­lig wird, müs­sen die Rou­ten eben hin und wie­der ge­än­dert wer­den.

Fotos: An­na Schmid

Ein Klet­te­rer in der Krum­ba­cher Klet­ter­hal­le. Klet­tern ist ein „Ganz­kör­per­sport“. Kraft, Aus­dau­er, Be­weg­lich­keit und ein gu­tes Au­ge sind ge­for­dert.

Mar­tin Leo­pold am Klet­ter­turm des Krum­ba­cher Al­pen­ver­eins.

Mar­tin Leo­pold und die sie­ben­jäh­ri­ge Han­nah Leo­pold.

Ei­ne Ex­press­sch­lin­ge.

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