Ihm ge­hört jetzt die For­mel 1

John Ma­lo­ne wur­de als Pio­nier des Ka­bel­fern­se­hens zum Mil­li­ar­där. Die PS-star­ken Renn­wa­gen sind nicht sein ein­zi­ges En­ga­ge­ment in der Sport­bran­che

Mittelschwaebische Nachrichten - - Meinung & Dialog -

Ei­ner der er­fah­rens­ten Strip­pen­zie­her im US-Me­di­en­ge­schäft will es noch ein­mal wis­sen. John Ma­lo­ne, we­gen sei­ner ag­gres­si­ven De­als auch „Ca­ble Cow­boy“ge­nannt, kauft die For­mel 1. Da­mit wird ein US-Ty­coon der al­ten Schu­le zur zen­tra­len Fi­gur im Renn­zir­kus. Für Ma­lo­nes Me­di­en­kon­zern Li­ber­ty Me­dia ist die Über­nah­me des schil­lern­den PSGe­schäfts trotz ei­ner lan­gen Fir­men­ge­schich­te mit zahl­rei­chen Mil­li­ar­den-De­als ein Mei­len­stein.

Das dich­te wei­ße Haar zum Sei­ten­schei­tel ge­kämmt, die Hän­de in den Ho­sen­ta­schen und ein freund­li­ches Lä­cheln auf dem Ge­sicht: Die we­ni­gen halb­wegs ak­tu­el­len Fo­tos, die es von ihm gibt, zei­gen Ma­lo­ne hemds­är­me­lig im Frei­zeit­look. Der lo­cke­re Stil täuscht – er gilt als ei­ner der här­tes­ten und ab­ge­brüh­tes­ten Ge­schäfts­män­ner in den USA. Das US-Ma­ga­zin For­bes, das sein Ver­mö­gen auf 7,1 Mil­li­ar­den Dol­lar schätzt, be­zeich­net ihn als „mäch­tigs­ten Mann im Ka­bel­ge­schäft“. Für die For­mel 1 in­ter­es­sier­te sich der 75-Jäh­ri­ge of­fen­bar schon län­ger – be­reits 2014 gab es Ge­rüch­te, Fir­men aus sei­nem Im­pe­ri­um stün­den kurz vor dem Ein­stieg.

Der Self­made-Mil­li­ar­där – 1941 in Mil­ford (Con­nec­ti­cut) als Sohn ei­nes Ge­ne­ral-Electric-Ma­na­gers ge­bo­ren – ist seit über 40 Jah­ren ei­ne prä­gen­de Gestalt im Un­ter­hal­tungs­markt, scheut je­doch selbst das Ram­pen­licht. Als ei­ne Art graue Emi­nenz agiert er lie­ber im Hin­ter­grund. Ob­wohl vor al­lem in Eu­ro­pa nicht an­nä­hernd so be­kannt, über­trifft sein Me­di­en-Im­pe­ri­um so­gar Bran­chen­schwer­ge­wich te wie Ru­pert Mur­dochs 21st Cen­tu­ry Fox deut­lich an Reich­wei­te. Nach dem Stu­di­um der Elek­tro­tech­nik und Öko­no­mie an der Eli­teU­ni Ya­le mach­te Ma­lo­ne sei­nen Mas­ter in In­dus­trie-Ma­nage­ment an der New Yor­ker John-Hop­kin­sU­ni­ver­si­tät, wo er 1967 auch pro­mo­vier­te. Da­nach be­gann „Dr. Ma­lo­ne“sei­ne be­ruf­li­che Kar­rie­re beim Un­ter­neh­mens­be­ra­ter McKin­sey, ent­schied sich je­doch schnell, sein Glück im da­mals noch jun­gen Ka­bel­fern­seh­ge­schäft zu su­chen. Der Auf­stieg be­gann 1973 mit dem Auf­bau der Fir­ma TCI. Er form­te das Un­ter­neh­men zu ei­nem Netz­gi­gan­ten und ver­kauf­te es 1999 für et­wa 48 Mil­li­ar­den Dol­lar. In der Bran­che fort­an als „Va­ter der US-Ka­be­l­in­dus­trie“ be­zeich­net, wid­me­te sich Ma­lo­ne nun sei­nem zwei­ten Stand­bein: Li­ber­ty Me­dia. Heu­te ist sein Fir­men-Reich ein ver­zweig­tes Ge­flecht schwer durch­schau­ba­rer Be­tei­li­gun­gen. Der Kon­zern hat un­ter an­de­rem An­tei­le am Shop­ping-Sen­der QVC und am Base­ball-Team der At­lan­ta Bra­ves. Ma­lo­ne zieht die Fä­den beim US-Ka­bel- und Breit­bandrie­sen Char­ter Com­mu­ni­ca­ti­ons, der kürz­lich für rund 55 Mil­li­ar­den Dol­lar den Ri­va­len Ti­me War­ner Ca­ble schluck­te. Zum Im­pe­ri­um zählt auch der Me­di­en­kon­zern Dis­co­very – zu dem auch Eu­ro­sport ge­hört. Er hat die TV-Rech­te an den Olym­pi­schen Spie­len für Eu­ro­pa von 2018 bis 2024. Ma­lo­ne ist üb­ri­gens auch der größ­te pri­va­te Land­be­sit­zer in den USA. Über 8900 Qua­drat­ki­lo­me­ter an Wäl­dern, Ran­ches und Far­men sind sein Ei­gen. Han­nes Brei­städt, dpa

Fo­to: dpa

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.