Wil­ly Bo­gner zieht sich zu­rück

Sport, Mode, Film konn­te er stets ver­bin­den. Wer das Mo­de­haus nun lei­tet

Mittelschwaebische Nachrichten - - Wirtschaft -

Mün­chen Spek­ta­ku­lä­re Auf­trit­te hat Wil­ly Bo­gner im­mer ge­liebt. Ob als Ski­renn­läu­fer oder als Ka­me­ra­mann für Ver­fol­gungs­jag­den im Schnee – Ac­tion und Ri­si­ko, wenn auch wohl­über­legt, ge­hö­ren zu Bo­gners Le­ben. Mit 74 Jah­ren zieht er sich jetzt, zu­min­dest wirt­schaft­lich, hin­ter die Ku­lis­sen zu­rück und über­lässt Jün­ge­ren die Füh­rung sei­nes Un­ter­neh­mens. Sie sol­len dem Tra­di­ti­ons­haus neu­en Schwung ge­ben. Der Ab­schied aus dem Ta­ges­ge­schäft dürf­te Bo­gner nicht leicht­ge­fal­len sein. In ei­nem Play­boy-In­ter­view zu sei­nem 70. Ge­burts­tag An­fang 2012 nann­te er die Nach­fol­geFra­ge „ein äu­ßerst sen­si­bles The­ma, ge­ra­de im Mo­de­be­reich, wo Ge­schmack, Ge­fühl, Emo­tio­nen ei­ne so gro­ße Rol­le spie­len“.

1977 hat­te Wil­ly Her­mann Björn Bo­gner die Lei­tung des 1932 von sei­nem Va­ter ge­grün­de­ten Sport­un­ter­neh­mens über­nom­men. Das Mode-La­bel mit dem gro­ßen B im Kreis als Mar­ken­zei­chen wur­de welt­be­kannt und fun­gier­te re­gel­mä­ßig auch als Aus­stat­ter der deut­schen Mann­schaft bei Olym­pi­schen Win­ter­spie­len. 2012 soll das Un­ter­neh­men mit welt­weit gut 800 Mit­ar­bei­tern über 230 Mil­lio­nen Eu­ro in­klu­si­ve Li­zenz­ge­schäft um­ge­setzt ha­ben, ak­tu­el­le­re Zah­len sind nicht be­kannt. Nach­fra­gen da­zu lässt das Haus un­be­ant­wor­tet.

Auch sport­lich trat Bo­gner schon früh in die Fuß­stap­fen sei­nes Va­ters: Mit 17 Jah­ren ge­wann er als ers­ter Deut­scher das be­rühm­te Lau­ber­horn-Ren­nen und hol­te auch spä­ter meh­re­re Ti­tel im Sla­lom und in der Kom­bi­na­ti­on. Zwei­mal, 1960 und 1964, trat der Münch­ner auch bei Olym­pi­schen Win­ter­spie­len an, ging aber wie sein Va­ter 1936 bei den Me­dail­len leer aus. Im No­vem­ber 2009 sorg­te Bo­gners Sport­be­geis­te­rung noch ein­mal für Schlag­zei­len, als er Chef der Be­wer­bungs­ge­sell­schaft für die Kan­di­da­tur Mün­chens als Aus­rich­ter der Olym­pi­schen Win­ter­spie­le 2018 wur­de. Doch Bo­gners Traum platz­te – und Mün­chen zog wie die ost­fran­zö­si­sche Stadt Anne­cy den Kür­ze­ren ge­gen Pyeong­chang in Süd­ko­rea.

Wie kein an­de­rer hat Bo­gner sei­ne Lei­den­schaf­ten für Sport und Film mit­ein­an­der ver­knüpft. Lan­ge galt er als ei­ner der bes­ten Ski­ka­me­ra­leu­te der Welt. So er­öff­ne­te er dem Pu­bli­kum 1969 im Ja­mesBond-Film „Im Ge­heim­dienst Ih­rer Ma­jes­tät“völ­lig neue und spek­ta­ku­lä­re Per­spek­ti­ven, als er mit der Ka­me­ra auf hin­ten auf­ge­bo­ge­nen Ski­ern rück­wärts vor den Ski­fah­rern her­fuhr.

Pri­vat muss­te Bo­gner auch Schick­sals­schlä­ge ver­kraf­ten. 1964 wur­de sei­ne da­ma­li­ge Part­ne­rin Bar­ba­ra Hen­ne­ber­ger bei Dreh­ar­bei­ten von ei­ner La­wi­ne ge­tö­tet. 2005 starb sein 17 Jah­re al­ter Ad­op­tiv­sohn Bern­hard. An sei­ner Sei­te ist seit 1972 sei­ne bra­si­lia­ni­sche Ehe­frau Sô­nia, die bis­her eben­falls im Vor­stand des Mo­de­un­ter­neh­mens tä­tig war und nun in den Auf­sichts­rat wech­selt. Die Wei­chen für die Nach­fol­ge hat­te Bo­gner be­reits seit ver­gan­ge­nem Jahr ge­stellt – nach­dem er zu­vor län­ge­re Zeit ver­sucht ha­ben soll, das Un­ter­neh­men zu ver­kau­fen. So fun­giert seit Jah­res­an­fang be­reits der 41-jäh­ri­ge ehe­ma­li­ge Ralph-Lau­ren-Ma­na­ger Alex­an­der Wirth als Bo­gners Vi­ze, der nun die Un­ter­neh­mens­füh­rung über­nimmt. Ver­stärkt hat er das Ma­nage­ment zu­dem durch neue Vor­stän­de für Be­schaf­fung, Pro­duk­ti­on und Ver­trieb. Dass Bo­gners Herz aber wei­ter für das Mode-La­bel schlägt, mach­te schon die Be­kannt­ga­be der Personalie deut­lich: Er wer­de sei­nen Nach­fol­ger bei der „Um­set­zung sei­ner Auf­ga­ben wei­ter­hin un­ter­stütz­ten, das Un­ter­neh­men über die nächs­ten Jah­re an der Spit­ze des in­ter­na­tio­na­len Spor­tFa­shion-Ge­schäf­tes zu ver­an­kern“, heißt es in ei­ner Mit­tei­lung. Chris­ti­ne Schultze und Sa­bi­ne Dobel, dpa

Ar­chiv­fo­to: dpa

Ski-Renn­läu­fer, Fil­me­ma­cher, Un­ter­neh­mer – Wil­ly Bo­gner ist ein Mu­li­ta­lent. Jetzt über­gibt er sein tra­di­ti­ons­rei­ches Mo­de­haus.

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