Ar­bei­ten am „Be­ne­dikt-Bild“

Mittelschwaebische Nachrichten - - Wirtschaft - VON DA­NI­EL WIR­SCHING wi­da@augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Der baye­ri­sche Papst

Man hört in die­sen Ta­gen oft den Satz: Die Be­deu­tung von Be­ne­dikts Pon­ti­fi­kat wer­de sich erst noch er­schlie­ßen. Ge­nau so ist es. Historisch war es schon des­halb, weil mit Jo­seph Ratz­in­ger 2005 nach Jahr­hun­der­ten ein Deut­scher zum Papst ge­wählt wur­de – und 2013 eben­die­ser Papst zu­rück­trat. Was eben­falls jahr­hun­der­te­lang nicht vor­ge­kom­men war. Die knapp acht Jah­re da­zwi­schen sind es, die nach wie vor der Deu­tung be­dür­fen.

Wird Be­ne­dikt als schwa­cher oder gro­ßer Papst in Er­in­ne­rung blei­ben? Als schwer fass­ba­rer In­tel­lek­tu­el­ler? Als „Theo­lo­gen­papst“? An­statt das Urteil der Ge­schich­te zu über­las­sen, wird be­reits zu sei­nen Leb­zei­ten am „Be­ne­dikt-Bild“für die Ge­schichts­bü­cher ge­ar­bei­tet. Wäh­rend die ei­nen ihn als Ge­schei­ter­ten be­schrei­ben, bie­ten Pu­bli­zis­ten wie See­wald Le­se­stoff und Mei­nun­gen für ein po­si­ti­ves Image an. Da­hin­ter ste­hen – zum Teil – die Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen tra­di­tio­na­lis­ti­schen und re­form­ori­en­tier­ten Kir­chen­krei­sen. Erst­ge­nann­ten gilt Papst Be­ne­dikt als Star, Letzt­ge­nann­ten Papst Fran­zis­kus.

Wie auch im­mer Be­ne­dikt ein­mal be­trach­tet wer­den wird: Der In­ter­view­band „Letz­te Ge­sprä­che“ist ei­ne be­mer­kens­wer­te Qu­el­le, nicht aber Be­ne­dikts „Ver­mächt­nis“. Das ist weit­aus grö­ßer und viel­fäl­ti­ger.

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