Die „Blech­trom­mel“als Segen und Fluch

Der Schau­spie­ler ist un­ver­ges­sen in der Ver­fil­mung des Grass-Ro­mans. Im In­ter­view spricht er of­fen über sei­ne da­ma­li­ge Rol­le und über heu­ti­ge En­ga­ge­ments

Mittelschwaebische Nachrichten - - Feuilleton -

Sie re­den nicht gern über „Die Blech­trom­mel“. War­um? Da­vid Ben­nent: Der Film war bei­des für mich – Fluch und Segen. We­gen die­ser Rol­le wur­de mei­ne Kör­per­grö­ße ein The­ma. Kein Hahn kräht da­nach, wie groß Dan­ny DeVi­to ist, kein Hahn kräht da­nach, wie groß Prin­ce war – aber ich stand wi­der Wil­len in den Schlag­zei­len.

Dar­um auch Ihr Nein zur Ver­fil­mung des zwei­ten Teils? Ben­nent: Das Le­ben ei­nes krum­men Zwergs, der ir­gend­wie merk­wür­di­ge se­xu­el­le Fan­ta­si­en hat – die­se Rol­le hat mich als jun­ger Schau­spie­ler nicht wirk­lich in­ter­es­siert. Richard III., das ist ei­ne wun­der­ba­re Fi­gur, ein wun­der­ba­rer Krüp­pel, das Herr­lichs­te an Bö­sem. Oder Mac­beth – das sind Traum­rol­len. Hin­zu kommt, dass ich mich von Grass ei­gent­lich ab­ge­wen­det ha­be. Dass er sei­ne Mit­glied­schaft in der SS erst so spät pu­blik ge­macht hat, macht ihn für mich un­glaub­wür­dig.

Sie kom­men ge­ra­de vom „Je­der­mann“aus Salz­burg zu­rück. Wie war’s? Ben­nent: Wie man dort als Schau­spie­ler wäh­rend der Fest­spie­le ge­schätzt und ge­liebt wird, ist wirk­lich ein­zig­ar­tig, das ha­be ich so noch nicht er­lebt. Und wir hat­ten ja auch ei­nen Rie­sen­er­folg. Aber es ist na­tür­lich auch ei­ne gro­ße Kir­mes, ich weiß nicht, ob ich das noch ein­mal ma­chen soll­te. Und jetzt? Ben­nent: Ich ha­be noch kein neu­es An­ge­bot. Ich gel­te ja ein biss­chen als schwie­rig. Im­mer, wenn ich ir­gend­wo fest bin, flieg ich raus, weil es heißt, ich kann mich nicht an­pas­sen. Ich fin­de es schon ein biss­chen merk­wür­dig, dass bei uns so viel über die feh­len­de Mei­nungs­frei­heit in der Tür­kei ge­re­det wird – und gleich­zei­tig kannst du als frei­er Schau­spie­ler in Deutsch­land gar nicht so schnell gu­cken, wie du fliegst, wenn du nur mal was Kri­ti­sches sagst. Die meis­ten ha­ben Angst und ku­schen, um nicht ih­ren Job zu ver­lie­ren.

Zu­letzt ha­ben Sie mehr ge­dreht als Thea­ter ge­spielt – des­halb? Ben­nent: Nein, das hat sich so er­ge­ben. Ich ha­be tat­säch­lich in den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren vier Fil­me ge­macht, da­von so­gar zwei Fern­seh­fil­me. Vor zehn Jah­ren hät­te ich mir das nicht vor­stel­len kön­nen. Für mich ist wich­tig, dass mir die Ar­beit und die Um­ge­bung Spaß ma­chen und dass es mit den Leu­ten stimmt.

Zum Bei­spiel? Ben­nent: Für den ZDF-Zwei­tei­ler „Die Pfei­ler der Macht“et­wa ha­be ich mich ent­schie­den, weil ich gern mit Chris­ti­an Sch­wo­chow als Re­gis­seur zu­sam­men­ar­bei­ten woll­te. Und En­de des Mo­nats kommt „Ne­bel im Au­gust“von Kai Wes­sel ins Ki­no. Da geht es um die „Eut­ha­na­sie“von Kin­dern im Drit­ten Reich. Um den Film ha­be ich lan­ge ge­kämpft und so­gar ein schö­nes An­ge­bot vom Ber­li­ner Gor­ki Thea­ter ab­ge­sagt.

Was ha­ben Sie von Ih­rem Va­ter Heinz Ben­nent ge­lernt? Ben­nent: Von mei­nem Va­ter ha­be ich mein Frei­heits­den­ken. Er hat mir wie Obe­lix mit der Kraft­brü­he in die Wie­ge ge­legt, im­mer zu mei­ner Mei­nung zu ste­hen und zu sa­gen, was ich den­ke. Er ist selbst in der Na­zi­zeit groß ge­wor­den und war bei der Hit­ler­ju­gend aus „man­geln­dem Ge­hor­sam“raus­ge­flo­gen. Durch die­se gan­ze Ge­schich­te hat er na­tür­lich ei­ne gro­ße Wut im Bauch ent­wi­ckelt, die ihn im­mer be­stimmt hat. Das hat er mir und mei­ner Schwes­ter wei­ter­ge­ge­ben. Was be­deu­tet für Sie der 50. Ge­burts­tag? Ben­nent: Ich bin mit mei­nem Le­ben mehr oder we­ni­ger sehr zu­frie­den, die ers­te Halb­zeit war schön. Das Ein­zi­ge ist, dass man halt jetzt we­ni­ger vor sich hat als hin­ter sich. Aber mein Va­ter ist 90 ge­wor­den, dann hät­te ich jetzt noch 40 Jah­re. Bis­her bin ich mir treu ge­blie­ben und ha­be das ge­macht, was ich ma­chen möch­te. Und ich hof­fe ich, dass mir das wei­ter so ge­lingt.

In­ter­view: Na­da Wei­gelt, dpa

Da­vid Ben­nent, ge­bo­ren am 9. Sep­tem­ber 1966, hat­te mit der Haupt­rol­le in der Ver­fil­mung von Günter Grass’ Ro­man „Die Blech­trom­mel“(1979) sei­nen größ­ten Er­folg. Beim Thea­ter ar­bei­te­te er mit zahl­rei­chen gro­ßen Re­gis­seu­ren zu­sam­men.

Fo­tos: dpa, K.-D. Gab­bert

Als „Die Blech­trom­mel“ins Ki­no kam, war Da­vid Ben­nent zwölf (links). Am heu­ti­gen Don­ners­tag fei­ert der Schau­spie­ler sei­nen 50. Ge­burts­tag.

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