Der Mas­sen­mord an Ele­fan­ten

In­ner­halb von sie­ben Jah­ren tö­te­ten Wil­de­rer in Afri­ka bei­na­he je­des drit­te Tier. Statt dem El­fen­bein­han­del ein En­de zu ma­chen, wol­len ihn zwei Län­der so­gar le­ga­li­sie­ren

Mittelschwaebische Nachrichten - - Panorama - VON CHRIS­TI­AN PUTSCH

Kap­stadt Die vier Ele­fan­ten star­ben we­ni­ge hun­dert Me­ter von­ein­an­der. Ei­ni­ge wa­ren auf ih­re Knie ge­sackt, was nur bei ei­nem plötz­li­chen Tod pas­siert. Ei­nem Kopf­schuss. Ih­re Ge­sich­ter ent­stellt, das El­fen­bein mit Äx­ten ab­ge­schla­gen.

So er­leb­te der Öko­lo­ge Michael Cha­se sei­nen ers­ten Ar­beits­tag in An­go­la. Für den bis­lang um­fang­reichs­ten Zen­sus zur Ele­fan­ten­po­pu­la­ti­on zähl­te er die Tie­re. „Ich ha­be da­mals ge­hofft, es han­de­le sich um ei­ne Aus­nah­me“, sag­te der Wis­sen­schaft­ler dem Ma­ga­zin Na­tio­nal Geo­gra­phic, „aber die­se Bil­der wie­der­hol­ten sich im­mer wie­der.“

Zwei Jah­re lang zähl­ten Cha­se und ein in­ter­na­tio­na­les For­scher­team in 18 afri­ka­ni­schen Län­dern von Flug­zeu­gen aus Her­den, Ka­da­ver und Ske­let­te. Ih­re nun im Fach­jour­nal PeerJ ver­öf­fent­lich­ten Er­geb­nis­se sind alar­mie­rend. In 15 der un­ter­such­ten Län­der lie­gen Ver- vor. Sie zei­gen: Die Zahl der Afri­ka­ni­schen Ele­fan­ten sank zwi­schen 2007 und 2014 um 30 Pro­zent – es le­ben noch 352 271 Tie­re. Die Be­stän­de schrump­fen je­des Jahr um acht Pro­zent, weit schnel­ler als be­fürch­tet. Und noch et­was ent­deck­ten die For­scher: rund 200 La­ger­stät­ten von Wil­de­rern. Al­le 15 Mi­nu­ten tö­ten sie in Afri­ka ei­nen Ele­fan­ten.

Zu­letzt ge­lang es nur in Bots­wa­na ei­ni­ger­ma­ßen, die Wil­de­rei ein­zu­däm­men. Das merk­ten auch die Ele­fan­ten. Sie wan­dern dort­hin. Laut Ele­fan­ten-Zen­sus le­ben 130 451 Tie­re in dem Land, so vie­le wie nir­gends sonst in Afri­ka.

Dass die Stu­die jetzt ver­öf­fent­licht wird, ist wohl kein Zu­fall. Am 24. Sep­tem­ber be­ginnt im süd­afri- ka­ni­schen Jo­han­nes­burg das Gip­fel­tref­fen der 182 Mit­glied­staa­ten des Wa­shing­to­ner Ar­ten­schutz­über­ein­kom­mens (Ci­tes). Und die Er­geb­nis­se der Zäh­lung set­zen Na­mi­bia und Sim­bab­we un­ter Druck. Sie woll­ten auf dem Tref­fen ei­nen An­trag stel­len, der den Ex­port von El­fen­bein le­ga­li­sie­ren soll. Sim­bab­wes Re­gie­rung un­ter Dik­ta­tor Ro­bert Mu­ga­be hat er­kannt, dass sich mit to­ten Ele­fan­ten gu­te Ge­schäf­te ma­chen las­sen. Schließ­lich ist die El­fen­bein-Nach­fra­ge in der asia­ti­schen Mit­tel­schicht enorm hoch. Schnit­ze­rei­en aus den Stoß­zäh­nen gel­ten als Pres­ti­ge­ob­jekt. 84000 Ele­fan­ten sol­len laut sim­bab­wi­schen Be­hör­den in dem Land le­ben. Dop­pelt so vie­le, wie man ver­sor­gen kön­ne. Ak­tu­ell ver­fü­ge man über 70 Ton­nen El­fen­bein im Wert von 35 Mil­gleichs­da­ten lio­nen Dol­lar, sagt die Re­gie­rung. Da dies nicht ver­kauft wer­den dür­fe, wer­de der Schwarz­markt ge­stärkt. Na­mi­bia, das sei­ne pri­vat fi­nan­zier­ten Zäh­lun­gen dem Zen­sus nicht zu­gäng­lich ge­macht hat, ar­gu­men­tiert ähn­lich.

Um­welt­schüt­zer sind alar­miert. Sie brin­gen den Rück­gang der Ele­fan­ten­po­pu­la­ti­on mit ei­ner Lo­cke­rung des El­fen­bein­han­dels im Jahr 2008 in Ver­bin­dung. Da­mals wur­de ähn­lich ar­gu­men­tiert: Wür­de der Markt mit zer­ti­fi­zier­ten El­fen­bein­be­stän­den ge­flu­tet, wür­de der Preis und der An­reiz zur Wil­de­rei sin­ken. Das Ge­gen­teil war der Fall.

Zwar fiel der Preis zu­nächst. Doch mit der Le­ga­li­sie­rung fiel auch das Stig­ma, das am Kauf von El­fen­bein haf­te­te. Die oh­ne­hin schon ge­wal­ti­ge Nach­fra­ge in Asi­en ex­plo­dier­te förm­lich, was den Preis nach oben jag­te. Die zer­ti­fi­zier­ten Be­stän­de reich­ten nicht aus, um sie zu de­cken. Für Wil­de­rer wur­de das Ge­schäft al­so noch lu­kra­ti­ver.

Fo­to: Carl de Sou­za, afp

Die Nach­fra­ge nach El­fen­bein ist in Asi­en ex­trem hoch. Des­halb lohnt es sich für Wil­de­rer, Ele­fan­ten ab­zu­schlach­ten, um an ih­re Stoß­zäh­ne zu kom­men. In den ver­gan­ge­nen sie­ben Jah­ren ist so ein Drit­tel der Tie­re in Afri­ka ums Le­ben ge­kom­men.

Fo­to: Im­a­go

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