Kurs­wech­sel in der For­mel 1

Ein US-Me­di­en­kon­zern kauft die Renn­se­rie für acht Mil­li­ar­den Dol­lar. Der neue Ei­gen­tü­mer will mo­der­ni­sie­ren. Das könn­te für Fans in Deutsch­land Vor- und Nach­tei­le brin­gen

Mittelschwaebische Nachrichten - - Panorama -

Lon­don/Ne­wYork Ber­nie Eccles­to­ne bleibt im Amt, die For­mel 1 steht aber vor ei­nem Kurs­wech­sel. Nach knapp vier Jahr­zehn­ten mit dem Bri­ten an der Spit­ze will das US-Un­ter­neh­men Li­ber­ty Me­dia mit der Renn­se­rie neue Er­lös­quel­len er­schlie­ßen, die Ver­mark­tung mo­der­ni­sie­ren und für sei­ne Plä­ne auch die Teams als Mit-In­ves­to­ren ge­win­nen. Eccles­to­ne wird auch nach dem fi­na­len Ab­schluss des Mil­li­ar­denDe­als, der im ers­ten Quar­tal nächs­ten Jah­res er­war­tet wird, sei­nen Job als Ge­schäfts­füh­rer der Mo­tor­spor­tKö­nigs­klas­se wei­ter­ma­chen. Für drei Jah­re, wie es heißt. „Es macht kei­nen Un­ter­schied zu dem, was ich vor­her ge­macht ha­be“, sag­te er. „Ich ha­be nun halt ein biss­chen Hil­fe“, mein­te der bald 86-Jäh­ri­ge. Ex­per­ten er­war­ten aber ei­nen Macht­kampf zwi­schen Eccles­to­ne und dem neu­en For­mel-1-Vor­stands­chef Cha­se Ca­rey, ei­nem lang­jäh­ri­gen Ver­trau­ten des aus­tra­li­schen Me­di­en­mo­guls Ru­pert Mur­doch. Li­ber­ty Me­dia löst den bis­he­ri­gen For­mel-1-Haupt­ge­sell­schaf­ter CVC ab. Das Un­ter­neh-men zahlt 4,4 Mil­li­ar­den Dol­lar (et­wa 3,93 Mil­li­ar­den Eu­ro). Zu-dem sol­len Schul­den in ähn­li­cher Hö­he über­nom­men wer­den. Ins­ge­samt al­so et­wa 8,0 Mil­li­ar­den Dol­lar.

War­um lässt der neue Be­sit­zer Eccles­to­ne im Amt?

Eccles­to­ne hat sich prak­tisch un­er­setz­lich ge­macht. Er weiß das und setzt das ein. Eccles­to­ne macht die Ver­trä­ge. So we­nig nach­hal­tig Eccles­to­nes For­mel1-Mo­dell auch ist, die Ver­an­stal­ter konn­ten und kön­nen sich auf sein Wort ver­las­sen. Dem Ho­cken­heim­ring kam er auch schon ent­ge­gen. Ihn von ei­nem Tag auf den an­de­ren ab­zu­set­zen, wür­de Ge­fah­ren ber­gen. Lang­jäh­ri­ge Ge­schäfts­part­ner könn­ten dies erst mal mit deut­li­cher Zu­rück­hal­tung quit­tie­ren.

Wie sah das al­te Ge­schäfts­mo­dell aus und wie wird das neue sein?

CVC und Eccles­to­nes pri­mä­res Ziel war: Ge­winn ma­chen. Er­reicht wur­de es vor al­lem mit hor­ren­den Ge­büh­ren für die Ste­cken­be­trei­ber, die die­se an das For­mu­la One Ma­nage­ment zah­len. Für Stre­cken, die nicht staat­lich sub­ven­tio­niert wer­den, ist dies ein wach­sen­des Pro­blem. Ein­zi­ge Ein­nah­me­quel­le für die ört­li­chen Be­trei­ber sind die Zu­schau­er-Ti­ckets. Al­le wei­te­ren Gel­der aus Wer­bung und Ver­mark­tung flie­ßen an die For­mel-1-Rech­te­inha­ber. Da­zu zählt auch das Geld aus den TV-Ver­trä­gen. Rund 100 Sen­der welt­weit ha­ben Ver­trä­ge mit der For­mel 1, in Deutsch­land sind es RTL und der Be­zahl­sen­der Sky. Die Hälf­te der Ge­samt­ein­nah­men fließt an die Teams – ge­mäß der Plat­zie­run­gen in der Kon­struk­teurs-WM. Noch ist of­fen, wie Li­ber­ty Me­dia die For­mel 1 fri­sie­ren will.

Der Ge­schäfts­füh­rer und Prä­si­dent, Greg Maf­f­ei, spricht von ei­ner lang­fris­ti­gen Per­spek­ti­ve und von ei­nem Er­trag für die Fans, Teams und die An­teils­eig­ner von Li­ber­ty. Si­cher­lich wird das Un­ter­neh­men ver­su­chen, das bis­lang schlep­pen­de Ge­schäft mit der For­mel 1 in den USA vor­an­zu­brin­gen. Zu­dem dürf­ten die neu­en Be­sit­zer viel stär­ker auf stei­gen­de Er­lö­se mit den Be­wegt­bil­dern und aus den di­gi­ta­len Me­di­en set­zen. Auch die Teams sol­len als Mit-In­ves­to­ren ge­won­nen wer­den.

Was be­deu­tet der Be­sit­zer­wech­sel für die deut­schen Fans?

Soll­te Li­ber­ty Me­dia wie er­war­tet die Stra­te­gie im TV-Be­reich än­dern und künf­tig das frei emp­fang­ba­re Fern­se­hen aus­sper­ren, müss­ten sich vie­le For­mel-1-Fans in Deutsch­land um­ge­wöh­nen. RTL hat al­ler­dings noch bis En­de 2017 ei­nen Ver­trag und be­sitzt zu­dem wohl noch ei­ne Op­ti­on für Live-Bil­der von den Ren­nen. Mit­tel­fris­tig al­ler­dings könn­te die For­mel 1 auch in Deutsch­land kom- plett im Pay-TV ver­schwin­den. Renn­stre­cken wie Ho­cken­heim oder der Nür­burg­ring kön­nen in­des dar­auf hof­fen, dass der neue Ei­gen­tü­mer die Ge­büh­ren für die Kurs-Be­trei­ber senkt. Für die­sen Fall könn­ten auch Ti­cket­prei­se fal­len und der Be­such ei­nes Grand Prix für Fans wie­der attraktiver wer­den. (dpa)

»Por­trät

ist die selbst er­nann­te Kö­nigs­klas­se des Mo­tor­sports. Die ers­te Sai­son fand 1950 noch mit sie­ben Grand Prix statt. En­de der 70er Jah­re über­nahm der Bri­te Ber­nie Eccles­to­ne die kom­mer­zi­el­len Rech­te und mach­te die For­mel 1 zu ei­nem mil­li­ar­den­schwe­ren Ge­schäft.

Prä­gen­de Pi­lo­ten wa­ren Michael Schu­ma­cher, der mit sie­ben Ti­teln auch Re­kord­welt­meis­ter ist, Juan Ma­nu­el Fan­gio, Ayr­ton Sen­na und Ni­ki Lau­da.

Er­folg­reichs­ter Renn­stall ist Fer­ra­ri mit 16 Kon­struk­teur­s­ti­teln. In die­sem Jahr wer­den 21 Grand Prix aus­ge­tra­gen.

Ti­tel­ver­tei­di­ger ist der Bri­te Le­wis Ha­mil­ton (Mer­ce­des).

Die Kö­nigs­klas­se

Fo­to: Wolf­ram Kastl, dpa

Wo­hin fährt die For­mel 1 nach der Über­nah­me durch den US-Me­di­en­kon­zern Li­ber­ty Me­dia?

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