Er kämpft ge­gen das Ver­ges­sen ei­nes gro­ßen Thann­hau­sers an

Lud­wig Gschwind ist ein aus­ge­zeich­ne­ter Ken­ner Chris­toph von Schmids. Sein neu­es­tes Werk will ihn wie­der mehr ins Licht rü­cken

Mittelschwaebische Nachrichten - - Landkreis -

Thann­hau­sen. Als Ge­mein­schafts­ver­an­stal­tung prä­sen­tier­ten der Hei­mat­ver­ein Thann­hau­sen und Prä­lat Lud­wig Gschwind das neu­es­te Werk aus der Fe­der des Pries­ters: „Un­ver­ges­se­ner Chris­toph von Schmid“, ein schma­les Bänd­chen, das ei­nem brei­ten Pu­bli­kum das Le­ben und Wir­ken von Schmid, dem „Pries­ter, Päd­ago­gen, Schrift­stel­ler“nä­her brin­gen möch­te. Man­fred Gött­ner und sein Ver­eins­team hat­ten ins Tuch­ma­cher­haus ge­la­den und so viel Re­so­nanz er­hal­ten, dass die auf­ge­stell­ten Stüh­le nicht aus­reich­ten. In sei­ner Ein­füh­rung gab Gött­ner ei­nen klei­nen Rück­blick auf die Zeit der vor­letz­ten Jahr­hun­dert­wen­de. 1901 wur­de das Chris­to­phvon-Schmid-Denk­mal ein­ge­weiht, mit ei­nem gro­ßen Fest: 10 000 Gäs­te tum­mel­ten sich an­läss­lich der Ein­wei­hung in der Stadt, die selbst aber nur ei­nen mi­ni­ma­len Zu­schuss zur Bron­ze ge­ge­ben hat­te. Den Lö­wen­an­teil, für das noch heu­te das Stadt­bild prä­gen­de Denk­mal, hat­te Pfar­rer Ja­kob Zwie­bel re­gel­recht zu­sam­men­ge­bet­telt.

Die Be­kannt- und Be­liebt­heit des Au­tors von „Ihr Kin­der­lein kom­met“ist zwi­schen­zeit­lich deut­lich zu­rück­ge­gan­gen, das Werk Gschwinds will dem ent­ge­gen­wir­ken. Rund um den frei ge­hal­te­nen Vor­trag von Lud­wig Gschwind bo­ten der an­ge­hen­de Be­rufs­mu­si­ker Wolf­ram Seitz am Kla­vier und der Hob­by­sän­ger Michael Rampp ex­qui­si­te Hör­pro­ben ver­ton­ter Schmid-Ge­dich­te. Als be­son­de­res Sch­man­kerl, na­tür­lich, „Ihr Kin­der­lein kom­met“. Sei­ne über­bor­den­de Be­kannt­heit – das Lied ist in über 50 Spra­chen über­setzt – er­fuhr es durch ei­nen Zu­fall, ver­riet Gschwind. Das Schmid-Ge­dicht war, wie da­mals üb­lich, in ei­ner Samm­lung für Lehr­kräf­te ab­ge­druckt. Ein Leh­rer, der es dort ent­deck­te, such­te ei­ne pas­sen­de Me­lo­die und fand sie – aus­ge­rech­net – in ei­nem Früh­lings­lied des Kom­po­nis­ten Schulz. Die ge­lun­ge­ne Ver­bin­dung stell­te er mit sei­nem Schü­ler­chor sei­nem evan­ge­li­schen Schwie­ger­va­ter vor. Der war kein Ge­rin­ge­rer als der Ver­le­ger Ber­tels­mann. Und die­ser wie­der­um nahm das Lied in sein Büch­lein mit 30 Lie­dern auf, das den Aus­wan­de­rern mit auf die Rei­se ge­ge­ben wur­de. Mit ih­nen ging schließ­lich ein Lied um die Welt, des­sen Wur­zeln viel­leicht in Thann­hau­sen lie­gen. Denn ob „Ihr Kin­der­lein kom­met“nun wäh­rend der 20-jäh­ri­gen Tä­tig­keit Schmids in Thann­hau­sen (1796 bis 1816) oder da­nach in Ober­sta­di­on ent­stand, ist noch heu­te strit­tig.

In sei­nem Vor­trag reih­te Lud­wig Gschwind ei­ne Viel­zahl von An­ek­do­ten rund um das Le­ben des ge­bür­ti­gen Din­kels­büh­lers auf, fand al­ler­lei Ähn­lich­kei­ten mit sich selbst, von der frän­ki­schen Her­kunft bis zur in­ni­gen Be­zie­hung zu Seeg, wo Schmid nach ei­ge­nen Aus­sa­gen sei­ne glück­lichs­ten Jah­re ver­leb­te, und ließ ein span­nen­des Por­trät des ziem­lich in Ver­ges­sen­heit ge­ra­te­nen Päd­ago­gen ent­ste­hen, das Lust und Neu­gier auf mehr zu ma­chen ver­stand. Im­mer­hin war Schmid ei­ner der ers­ten, der ver­stand, dass Kin­der ei­ne ei­ge­ne Li­te­ra­tur brau­chen. In ei­ner Zeit, in der das Wort „kind­ge­recht“noch nicht er­fun­den war, ei­ne ziem­lich fri­sche Er­kennt­nis. Es ent­stan­den nicht nur un­zäh­li­ge Kin­der­bü­cher, Lie­der und Ge­dich­te, son­dern auch ein Kin­der­ka­te­chis­mus. Und im­mer, so Gschwind, wuss­te Chris­toph von Schmid das Gu­te im Au­ge zu be­hal­ten, das Po­si­ti­ve im Men­schen und ins­be­son­de­re in den Kin­dern zu se­hen.

Da war Gött­ners In­for­ma­ti­on, man ha­be aus dem Nach­lass ei­ner al­ten Da­me um­fang­rei­che Schmi­dWer­ke er­ste­hen kön­nen, die die Samm­lung des Hei­mat­mu­se­ums er­gän­zen, ei­ne gu­te Nach­richt, die si­cher wie­der ei­ni­ge neue Be­su­cher in das Chris­toph von Schmid-Zim­mer im Tuch­ma­cher­haus lo­cken kann.

Das Buch „Un­ver­ges­se­ner Chris­toph von Schmid. Pries­ter, Päd­ago­ge, Schrift­stel­ler“ist im Ber­nar­dusVer­lag er­schie­nen und er­hält­lich im Buch­han­del, beim Au­tor oder dem Hei­mat­ver­ein Thann­hau­sen. (adl)

Fo­to: Ger­trud Ad­lass­nig

Lud­wig Gschwind beim Si­gnie­ren sei­nes Bu­ches.

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