„Das ist ei­ne un­glaub­li­che Geis­ter­dis­kus­si­on“

Mi­nis­ter­prä­si­dent See­ho­fer nennt die Mel­dung, dass er Kanz­le­rin Mer­kel aus­ge­la­den ha­be, „Quatsch“

Mittelschwaebische Nachrichten - - Politik - VON ULI BACH­MEI­ER

Mün­chen/Schwar­zen­feld Im Dau­er­streit um die Flücht­lings­po­li­tik zwi­schen CSU und CDU wer­den jetzt schon Geis­ter be­müht. „Das ist ei­ne un­glaub­li­che Ge­spens­ter­dis­kus­si­on“, sag­te CSU-Chef Horst See­ho­fer ges­tern zum Auf­takt der CSU-Vor­stands­klau­sur im ober­pfäl­zi­schen Schloss Schwar­zen­feld. Er de­men­tier­te da­mit ei­ne Mel­dung der Bild-Zei­tung, wo­nach er CDU-Che­fin und Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel vom CSU-Par­tei­tag An­fang No­vem­ber aus­ge­la­den ha­be. Auch CSU-Ge­ne­ral­se­kre­tär Andre­as Scheu­er wies die Mel­dung als „Quatsch“zu­rück. Und ein Par­tei­spre­cher ver­si­cher­te auf Nach­fra­ge un­se­rer Zei­tung, es sei „völ­lig nor­mal“, dass es zwei Mo­na­te vor dem CSU-Par­tei­tag noch kei­ne Ein­la­dung an Mer­kel ge­be.

Ob sich die Chefs der zer­strit­te­nen Schwes­ter­par­tei­en – wie seit Jahr­zehn­ten üb­lich – bei ih­ren Par­tei­ta­gen ge­gen­sei­tig die Eh­re ge­ben, ließ der CSU-Chef in ei­nem In­ter­view den­noch of­fen. Soll­ten sich CDU und CSU bis zum CDU-Par­tei­tag im De­zem­ber nicht auf ei­ne ge­mein­sa­me Li­nie ge­ei­nigt ha­ben, ma­che sein Be­such bei der CDU kei­nen Sinn. „Oh­ne ei­nen Kon­sens wä­re mein Auf­tritt nur ein Me­dien­spek­ta­kel“, sag­te See­ho­fer dem Nach­rich­ten­ma­ga­zin Der Spie­gel.

Bei der CDU herrsch­te ges­tern schon vor Be­ginn der CSU-Klau­sur Alarm­stim­mung. Kanz­ler­amts­mi­nis­ter Pe­ter Alt­mai­er mahn­te im Ge­spräch mit dem Fo­cus: „Die Wäh­ler der Uni­on wol­len kei­nen Streit in der Uni­on.“Der CDU-Frak­ti­ons­chef im ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Land­tag, Wolf­gang Rein­hart, warn­te vor ei­nem Aus­ein­an­der­bre­chen der Uni­on: „Wenn wir den Streit noch ein Jahr wei­ter­füh­ren, reißt voll­ends das Band, das die bei­den Schwes­ter­par­tei­en zu­sam­men­hält.“ Er for­der­te ei­ne Ei­ni­gung: „Es kann nicht sein, dass CDU und CSU sich seit ei­nem Jahr ge­gen­sei­tig kri­ti­sie­ren. Das ist kein kon­struk­ti­ver Po­li­tik­an­satz.“

In Bay­ern pras­sel­te von ganz ver­schie­de­nen Sei­ten Kri­tik auf die CSU ein. Na­ta­scha Kohnen, die Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin der Bay­ern-SPD, for­der­te die CSU auf, die Ko­ali­ti­on in Ber­lin zu ver­las­sen. Un­se­rer Zei­tung sag­te Kohnen: „Es macht ein­fach kei­nen Sinn mehr. Die CSU ist nicht mehr auf Zu­sam­men­ar­beit aus­ge­rich­tet. So kann man kein Land re­gie­ren.“Was die CSU der­zeit ver­an­stal­te, sei „rein wahl­tak­tisch mo­ti­viert“und ha­be mit ge­mein­sa­mer Sach­po­li­tik in ei­ner Ko­ali­ti­on nichts mehr zu tun.

Hu­bert Ai­wan­ger, der Chef der Frei­en Wäh­ler, er­klär­te: „Die Bür­ger sind das ewi­ge Ping­pong-Spiel in der Flücht­lings­po­li­tik zwi­schen See­ho­fer und Mer­kel leid und er­war­ten end­lich kon­kre­te Lö­sun­gen.“Die Bun­des­re­gie­rung, der auch See­ho­fer an­ge­hö­re, ha­be wei­ter­hin mehr als ei­ne hal­be Mil­li­on un­be­ar­bei­te­ter Asyl­fäl­le noch aus 2015 zu ver­ant­wor­ten. Die An­kün­di­gung See­ho­fers, bis En­de nächs­ten Mo­nats ei­ne Lö­sung zu su­chen, nann­te Ai­wan­ger ei­ne Schein­de­bat­te. „Das nervt die Men­schen und be­för­dert die Wahl von Kräf­ten, die man vor­gibt, be­kämp­fen zu wol­len“, sag­te Ai­wan­ger.

Der Ge­ne­ral­se­kre­tär der FDP in Bay­ern, Da­ni­el Föst, for­der­te: „Die stän­di­ge Wie­der­ho­lung po­pu­lis­ti­scher Ab­schot­tungs­rhe­to­rik muss auf­hö­ren. So ge­fähr­det die CSU die Zu­kunft un­se­res Lan­des und stärkt die Rechts­po­pu­lis­ten der AfD.“

CSU-Ge­ne­ral­se­kre­tär Scheu­er wies der­lei Vor­wür­fe scharf zu­rück. „Wir dis­tan­zie­ren uns voll­stän­dig von der AfD“, be­ton­te Scheu­er in Schwar­zen­feld. Und Par­tei­chef See­ho­fer ver­si­cher­te, er wol­le den Er­folg der Uni­on. Er ver­wies auf die jah­re­lan­ge Re­gie­rungs­ar­beit und sag­te: „Des­halb ist die­se Uni­on mein Le­ben. Und ich möch­te den Er­folg die­ser Uni­on, und da­für ar­bei­ten wir.“Das sei der Maß­stab „und nicht ir­gend­wel­che an­ge­dich­te­ten Schar­müt­zel“. (mit afp und dpa)

Fo­to: dpa

Hat­te et­was klar­zu­stel­len: Horst See­ho­fer in Schwar­zen­feld.

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