Der Stren­es­se-Kauf ist ge­schei­tert

Der Fall könn­te vor Ge­richt kom­men. Für 240 Mit­ar­bei­ter ist die Zu­kunft un­ge­wiss

Mittelschwaebische Nachrichten - - Wirtschaft - VON JAN KANDZORA

Nörd­lin­gen Die Über­nah­me des in­sol­ven­ten Mo­de-Her­stel­lers Stren­es­se durch ei­nen In­ves­tor ist ge­platzt. Der Kauf des Nörd­lin­ger Un­ter­neh­mens durch die Ma­eg Hol­ding, die An­fang Au­gust an­kün­dig­te, Stren­es­se un­ter ei­ner neu ge­grün­de­ten Gm­bH füh­ren zu wol­len, kommt nicht zu­stan­de.

Da­bei klang es vor ei­ni­gen Wo­chen noch so, als sei al­les in tro­cke­nen Tü­chern. En­de Ju­li wur­de ein Kauf­ver­trag zwi­schen der in­sol­ven­ten Stren­es­se AG und der Hol­ding un­ter­zeich­net; der In­ves­tor, hieß es, wol­le „die Mar­ke re­vi­ta­li­sie­ren und zu al­ter Stär­ke füh­ren“. Al­le 240 Mit­ar­bei­ter soll­ten über­nom­men wer­den. Ge­schäfts­füh­rer der Stren­es­se Gm­bH wur­de Rei­ner Un­kel, ein er­fah­re­ner Mann in der Mo­de­bran­che. Er hat­te gro­ße Plä­ne. Die ein­ge­stell­te Zweit­li­nie Stren­es­se Blue woll­te er wie­der ein­füh­ren, den Ver­trieb mo­der­ni­sie­ren, neue Märk­te er­schlie­ßen. Es hör­te sich nach Neu­start an. Nun ist das schon wie­der Ge­schich­te.

War­um der De­al platz­te, ist bis­lang nicht völ­lig klar, es gibt zwei ver­schie­de­ne Ver­sio­nen. Von der Hol­ding heißt es, das „Clo­sing“des Kauf­ver­tra­ges, al­so der end­gül­ti­ge Voll­zug, sei nicht er­folgt, da sich die In­vest­ment-Ge­sell­schaft „von der Ei­gen­ver­wal­tung der Stren­es­se AG über die wah­re wirt­schaft­li­che Si­tua­ti­on des Mo­de­un­ter­neh­mens ge­täuscht“se­he. Es ha­be sich her­aus­ge­stellt, dass die vor­ge­leg­ten An­ga­ben über die wirt­schaft­li­che Si­tua­ti­on von Stren­es­se falsch ge­we­sen sei­en. Der „wah­re In­ves­ti­ti­ons­be­darf zur Neu­auf­stel­lung von Stren­es­se ist des­halb um ein Viel­fa­ches hö­her, als auf Grund­la­ge der vor­ge­leg­ten Zah­len kal­ku­liert wer­den konn­te“.

Der In­sol­venz­ver­wal­ter der Stren­es­se AG, Jörg Ner­lich, stellt die Si­tua­ti­on an­ders dar. Dem­nach ha­be der In­ves­tor ein­fach nicht den ver­ein­bar­ten Kauf­preis ge­zahlt. Nach­dem die Ma­eg Hol­ding ei­ne Frist bis zum 31. Au­gust ha­be ver­strei­chen las­sen, sei die­se mit Zu­stim­mung des Gläu­bi­ger­aus­schus­ses bis ges­tern um 12 Uhr ver­län­gert wor­den, oh­ne Er­folg. Ner­lich hat nun die Ge­schäf­te über­nom­men. Den Vor­wür­fen des In­ves­tors wi­der­spricht er ve­he­ment. Es sei ei­ne fal­sche Tat­sa­chen­be­haup­tung, dass in­kor­rek­te Zah­len vor­ge­legt wor­den sei­en. „Wir wer­den recht­lich da­ge­gen vor­ge­hen“, kün­digt Ner­lich an.

Mög­lich al­so, dass der ge­platz­te De­al bald die Jus­tiz be­schäf­tigt. Hin­ter der Ma­eg Hol­ding mit Sitz in Ams­ter­dam steht ei­ne pol­ni­sche Fa­mi­lie, die of­fen­bar an an­de­rer Stel­le be­reits mit der deut­schen Jus­tiz zu tun hat. Die Staats­an­walt­schaft Mün­chen er­mit­telt nach In­for­ma­tio­nen un­se­rer Zei­tung seit 2013 ge­gen ein Mit­glied der Fa­mi­lie, es soll um Be­trug ge­hen. Das Mit­glied der Fa­mi­lie, ge­gen das er­mit­telt wird, ist nicht der Ei­gen­tü­mer der Hol­ding, die Stren­es­se kau­fen woll­te – soll sich aber wäh­rend der Ver­hand­lun­gen des Öf­te­ren in der Zen­tra­le in Nörd­lin­gen auf­ge­hal­ten ha­ben.

Die Mit­ar­bei­ter von Stren­es­se er­wisch­te die Nach­richt über die ge­platz­te Über­nah­me am Frei­tag kalt. „Wir wis­sen nicht, wie es wei­ter­geht“, sagt Be­triebs­rats­chef Rai­ner Dir­rhei­mer. Vor fünf Wo­chen sei­en die Mit­ar­bei­ter noch froh dar­über ge­we­sen, dass es ei­ne Zu­kunfts­per­spek­ti­ve ge­be. Die In­ves­to­ren, sagt Dir­rhei­mer, hat­ten gu­te Plä­ne. Die sind nun hin­fäl­lig. Wel­che Zu­kunft Stren­es­se hat, ist un­klar. Die Ge­schäf­te, sagt In­sol­venz­ver­wal­ter Ner­lich, lie­fen plan­mä­ßig wei­ter. Man wer­de nun mit an­de­ren In­ter­es­sen­ten wie­der Kon­takt auf­neh­men. Dass die La­ge für Stren­es­se schwie­rig ist, räumt Ner­lich ein: „So hat­ten wir na­tür­lich nicht ge­plant.“

Der In­ves­tor er­hebt schwe­re Vor­wür­fe

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