Da­mit Mie­ter nicht zu viel be­zah­len

Jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas will die Miet­preis­brem­se ver­schär­fen. Ver­mie­ter sol­len den Preis aus al­ten Ver­trä­gen of­fen­le­gen. Was bis­her gilt und wel­che Neue­run­gen ge­plant sind

Mittelschwaebische Nachrichten - - Wirtschaft - VON MAR­CEL ROTHER

Augs­burg Seit mehr als ei­nem Jahr gibt es die Miet­preis­brem­se. Doch Stu­di­en zu­fol­ge greift sie kaum. Jetzt kommt Be­we­gung in die Dis­kus­si­on über ei­ne Nach­bes­se­rung. Ein Über­blick über die ge­plan­ten Än­de­run­gen und den Stand der Din­ge.

Was soll sich jetzt än­dern?

Die SPD will durch­set­zen, dass Ver­mie­ter ge­setz­lich ver­pflich­tet wer­den, bei der Neu­ver­mie­tung die Hö­he der vor­he­ri­gen Mie­te of­fen­zu­le­gen. „Wir soll­ten in das Ge­setz schrei­ben, was bis­lang im­mer blo­ckiert wor­den ist: näm­lich, dass der Ver­mie­ter ver­pflich­tet ist, of­fen­zu­le­gen, zu wel­chem Preis er die Woh­nung vor­her ver­mie­tet hat“, sag­te Bun­des­jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas. So könn­ten die neu­en Mie­ter ein­fa­cher fest­stel­len, ob die Preis­brem­se ein­ge­hal­ten wer­de oder nicht. Die SPD-Frak­ti­on hat­te zu­letzt – rund ein Jahr nach In­kraft­tre­ten der Miet­preis­brem­se – Nach­bes­se­run­gen ver­langt. Aus der Uni­on kom­men jetzt Si­gna­le der Ge­sprächs­be­reit­schaft. Der Miet­rechts­ex­per­te der Uni­ons-Frak­ti­on, Jan-Marco Lucz­ak (CDU), sag­te ge­gen­über der Zeit­schrift Neue Ju­ris­ti­sche Wo­chen­schrift: „Wir wol­len die Miet­preis­brem­se nicht ver­schär­fen – aber auch die Uni­on will, dass sie funk­tio­niert.“Da­her kön­ne er sich vor­stel­len, der Ein­füh­rung ei­ner ge­ne­rel­len Aus­kunfts­pflicht zu­zu­stim­men.

Was ist die Miet­preis­brem­se?

Die Miet­preis­brem­se ist ein In­stru­ment, das den zu schnel­len An­stieg von Mie­ten ver­hin­dern soll. Den Bun­des­län­dern ist es seit dem 1. Ju­ni 2015 per Ge­setz mög­lich, be­stimm­te Ge­bie­te zu an­ge­spann­ten Woh­nungs­märk­ten zu er­klä­ren und dort die Mie­ten zu de­ckeln. In die­sen Ge­bie­ten dür­fen Mie­ten die orts­üb­li­che Ver­gleichs­mie­te höchs­tens um zehn Pro­zent über­schrei­ten.

Was muss der Mie­ter tun, wenn er zu viel Mie­te zahlt?

Will ein Mie­ter Geld zu­rück, muss er den Ver­mie­ter we­gen ei­nes Ver­sto­ßes ge­gen die Vor­schrif­ten zur Miet­preis­brem­se rü­gen, sagt ein Spre­cher des Deut­schen Mie­ter­bun­des. Der Ver­mie­ter muss die zu viel ge­zahl­te Mie­te ab dem Zeit­punkt der Rü­ge zu­rück­zah­len. Bis­lang scheu­ten vie­le Mie­ter je­doch die Kon­fron­ta­ti­on mit dem Ver­mie­ter, weil sie nicht wüss­ten, wie hoch die Vor­mie­te war.

Wel­che Aus­nah­men gibt es?

Die Miet­preis­brem­se gilt nicht für Neu­bau­ten, die nach dem 1. Ok­to­ber 2014 ge­nutzt und ver­mie­tet wer­den. Au­ßer­dem gilt sie laut Ge­set­zes­ent­wurf nicht für um­fas­send sa­nier­te Woh­nun­gen, bei de­nen die In­ves­ti­tio­nen et­wa ein Drit­tel der Sum­me für ei­ne ver­gleich­ba­re Neu­bau­woh­nung er­rei­chen und die zum ers­ten Mal wie­der ver­mie­tet wer­den. Aus­ge­nom­men sind auch Im­mo­bi­li­en, bei de­nen die Mie­te be­reits vor der Ein­füh­rung der Brem­se mehr als zehn Pro­zent über der orts­üb­li­chen Ver­gleichs­mie­te lag.

War­um wur­de die Miet­preis­brem­se ein­ge­führt?

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren wa­ren die Mie­ten in ei­ni­gen Städ­ten stark an­ge­stie­gen. Da­zu zäh­len gro­ße Städ­te wie Ber­lin, Leip­zig und Mün­chen, in de­nen die Mie­ten um 20 Pro­zent und mehr ge­stie­gen sind. Auch Bal­lungs­zen­tren wie Augs­burg und In­gol­stadt sind von dem ho­hen Preis­druck am Im­mo­bi­li­en­markt be­trof­fen. In In­gol­stadt sind die Mie­ten nach Be­rech­nun­gen des Im­mo­bi­li­en­ver­bands Deutsch­land zwi­schen 2010 und 2015 um 37,3 Pro­zent ge­stie­gen.

Was hat die Miet­preis­brem­se bis­her ge­bracht?

Meh­re­re Stu­di­en ha­ben er­ge­ben, dass die Ge­set­zes­än­de­rung ih­re Wir­kung ver­fehlt. Ei­ne Stu­die des For­schungs­in­sti­tuts Re­gio­kon­text im Auf­trag des Ber­li­ner Mie­ter­ver­eins et­wa er­gab, dass die Mie­ten für be­trof­fe­ne Woh­nun­gen in Ber­lin im Schnitt et­wa ein Drit­tel hö­her sei­en als er­laubt.

War­um ver­fehlt ihr Ziel? die Miet­preis­brem­se

Das Pro­blem liegt oft bei der „orts­üb­li­chen Ver­gleichs­mie­te“. Vie­le Mie­ter ken­nen die Miet­hö­hen in ih­rer Ge­gend nicht und sind da­her auf so­ge­nann­te Miet­spie­gel an­ge­wie­sen. Die wer­den von Ge­mein­den oder Miet- und Ver­mie­ter­ver­bän­den er­stellt, je­doch hat längst nicht je­de Stadt oder Ge­mein­den ei­nen Miet­spie­gel. Wenn doch, ist de­ren Aus­sa­ge­kraft häu­fig um­strit­ten, be­rich­tet Stif­tung Wa­ren­test.

Wel­che Än­de­run­gen sind noch ge­plant?

Jus­tiz­mi­nis­ter Maas hat noch ein zwei­tes Miet­rechts­pa­ket an­ge­sto­ßen. Dem­nach sol­len die Mög­lich­kei­ten der Ver­mie­ter, nach Mo­der­ni­sie­run­gen die Mie­te zu er­hö­hen, ein­ge­schränkt wer­den. Re­for­miert wer­den sol­len auch die Re­gu­la­ri­en, nach de­nen Miet­spie­gel er­stellt wer­den.

Wo gilt die Miet­preis­brem­se?

Elf Bun­des­län­der ha­ben für ins­ge­samt 294 Städ­te und Ge­mein­den die Miet­preis­brem­se ein­ge­führt. In Bay­ern gilt die Miet­preis­brem­se seit dem 1. Ja­nu­ar 2016 in 137 Städ­ten und Ge­mein­den, dar­un­ter in Mün­chen, In­gol­stadt und Augs­burg. Nie­der­sach­sen will im Herbst nach­zie­hen. Vier Län­der wol­len auf die Ein­füh­rung ver­zich­ten.

Was sa­gen Kri­ti­ker?

Der Ei­gen­tü­mer­ver­band Haus & Grund lehnt ei­ne Pflicht für Ver­mie­ter zur Of­fen­le­gung der bis­her er­hal­te­nen Mie­te ab. Ent­spre­chen­de For­de­run­gen aus SPD und CDU wür­den Mil­lio­nen Ver­mie­ter „un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht stel­len“und sie als „po­ten­zi­el­le Kri­mi­nel­le“dar­stel­len, kri­ti­sier­te der Ver­band am Don­ners­tag. Sie soll­ten so „zum Sün­den­bock für die ver­fehl­te Woh­nungs­po­li­tik“ge­macht wer­den. (mit dpa, afp)

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