End­lich vorm Gip­fel­kreuz

Mittelschwaebische Nachrichten - - Meinung & Dialog -

Zum Pro & Con­tra „Gip­fel­kreu­ze ab­schaf­fen?“(Wo­che­n­end-Jour­nal) vom 10. Sep­tem­ber: War ja zu er­war­ten. Kaum holzt ein re­li­giö­ser Hitz­kopf Gip­fel­kreu­ze ab, schon wird in den Me­di­en de­ren Be­rech­ti­gung pro­ble­ma­ti­siert, auch oder ge­ra­de von den In­tel­lek­tu­el­len der Kul­tur­re­dak­ti­on. Mot­to: Re­li­gi­on bit­te nur dort, wo sie hin­ge­hört, nicht in Schu­len, Ge­richts­sä­le und auf ... Ber­gen? Ein et­was schie­fer Ver­gleich, denn zur Schu­le und ins Ge­richt muss man, auf den Berg nicht. Zu­ge­ge­ben, auf den Gip­feln mit An­schluss zum al­pi­nen Fun-Park ha­ben sie we­nig Sinn, wohl aber dort, wo man nach vie­len St­un­den des Auf­stiegs, Klet­terns oder Ban­gens bei heik­len Si­tua­tio­nen in Eis oder Fels end­lich da­vor­steht und so et­was wie Ge­nug­tu­ung oder gar De­mut emp­fin­det.

Kein Al­pi­nist wird dann das Kreuz auf dem Berg als re­li­giö­ses (Macht-)Sym­bol er­le­ben, eher steht es für Mo­men­te in­ten­si­ven Er­le­bens, für Berg­hei­mat, für ein Zeug­nis al­pi­ner Er­schlie­ßungs­ge­schich­te und letzt­lich für ein Kul­tur­gut mit lan­ger re­gio­na­ler Tra­di­ti­on. Wer nur den Rum­mel am Berg sieht und des­halb apo­dik­tisch „Weg da­mit“for­dert, ver­kennt die emo­tio­na­le Di­men­si­on die­ses Flucht­punkts al­pi­ner Am­bi­tio­nen. Ro­bert Heim, Fried­berg

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.