Ein Zug der Be­schei­den­heit

Wie die Bahn mit dem neu­en ICE 4 aus Feh­lern ler­nen will

Mittelschwaebische Nachrichten - - Erste Seite - VON MICHA­EL POHL

Augs­burg Wer in den kom­men­den Mo­na­ten von Augs­burg aus mit dem Zug un­ter­wegs ist, hat die Chan­ce, Test­pas­sa­gier spie­len zu dür­fen: Ab Herbst tes­tet die Bahn mit zwei Zü­gen von Mün­chen aus ih­ren neu­en ICE4. Die meis­ten Rei­sen­den wer­den al­ler­dings al­len­falls auf den zwei­ten Blick be­mer­ken, dass sie im neu­en Su­per­zug der Bahn sit­zen.

Von au­ßen hebt sich die vier­te Ge­ne­ra­ti­on des ICE nur in ei­nem et­was kan­ti­ge­ren Front­de­sign ab. Was ihn vor al­lem von sei­nen Vor­gän­gern un­ter­schei­det, ist, dass die Bahn aus vie­len Feh­lern und Schwä­chen der Ver­gan­gen­heit ge­lernt hat. Der neue ICE 4 ist kein wei­te­rer über­am­bi­tio­nier­ter Ver­such, das Prin­zip Hoch­ge­schwin­dig­keits­zug neu zu er­fin­den, son­dern setzt auf mehr Kun­den­freund­lich­keit.

Der strom­spa­ren­de Neue ist da­bei mit 250 St­un­den­ki­lo­me­tern so­gar deut­lich lang­sa­mer als der ICE 3, der Tem­po 330 schafft. Da­für pas­sen dank län­ge­rer Wag­gons bei glei­cher Län­ge mehr Pas­sa­gie­re hin­ein, oh­ne dass die Bein­frei­heit lei­det. Und die Rü­cken­leh­nen glei­ten nun beim Ver­stel­len in die Sitz­scha­le – der Hin­ter­mann bleibt un­ge­stört.

Vor al­lem ei­ne Krank­heit soll ein En­de ha­ben: Strei­ken­de Kli­ma­an­la­gen. Der Neue ist auf süd­eu­ro­päi­schen Hit­ze­stan­dard von 45 Grad im Schat­ten aus­ge­legt. Auch ein Grund­pro­blem ha­ben die In­ge­nieu­re be­ho­ben: Weil die An­trie­be nur noch un­ter we­ni­gen Ein­zel­wa­gen – so­ge­nann­ten Po­wer­cars – sit­zen, las­sen sich beim ICE 4 wie bei der gu­ten al­ten Ei­sen­bahn je nach Be­darf un­ter­schied­lich lan­ge Zü­ge aus ein­zel­nen Wa­gen zu­sam­men­kup­peln.

Fo­to: dpa

Der neue ICE4 wird auch auf der Stre­cke Rich­tung Augs­burg er­probt.

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