Sel­ber ein biss­chen „Tschick“

Heute kommt die Ver­fil­mung des Er­folgs­ro­mans ins Ki­no. Re­gis­seur Fa­tih Akin hat ei­ne be­weg­te Ver­gan­gen­heit, schon ei­ni­ges ris­kiert und nicht im­mer ge­won­nen

Mittelschwaebische Nachrichten - - Meinung & Dialog -

Ein we­nig füh­le er sich selbst wie „Tschick“, sagt Fa­tih Akin. Pu­ber­tä­rer Herz­schmerz, Pro­ble­me durch den Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund, das ken­ne er. „Tschick“, die Ge­schich­te von ei­nem 14-Jäh­ri­gen, der mit Freund Ma­ik in ei­nem al­ten La­da qu­er durch Ost­deutsch­land fährt, der Best­sel­ler-Ro­man von Wolf­gang Herrn­dorf: Heute star­tet die Ver­fil­mung in den Ki­nos. Ge­dreht von Akin. Zu­dem auch ein Ex­per­te für die Stra­ße – in meh­rer­lei Hin­sicht.

Ge­bo­ren 1973 in Ham­burg, sei­ne El­tern stam­men aus der Tür­kei: Ob­wohl Akin sich zum bril­lan­ten Re­gis­seur ent­wi­ckelt hat – Bil­der­buchIn­te­gra­ti­on sieht an­ders aus. Er war in der Ju­gend Mit­glied der Stra­ßen­gang „Türk Boys“. An Ein­brü­chen und Dieb­stäh­len zwar nicht be­tei­ligt, beim Prü­geln aber mit da­bei. So be­schreibt er es in sei­ner Qua­si-Bio­gra­fie „Im Clinch“. Da­heim setz­te er die Le­se­bril­le auf, lern­te für die Schu­le, be­rei­te­te sich auf die nächs­ten Auf­trit­te des Schü­ler­thea­ters vor, mach­te schließ­lich Abitur. Zwi­schen 1994 und 2000 stu­dier­te er Vi­su­el­le Kom­mu­ni­ka­ti­on – na­tür­lich in Ham­burg. Noch im­mer lebt er in Al­to­na, nun mit Frau Mo­ni­que und sei­nen bei­den Kin­dern.

Der Durch­bruch ge­lang ihm mit „Ge­gen die Wand“2003. Der Film ge­wann den Gol­de­nen Bä­ren bei der Ber­li­na­le – als ers­ter deut­scher seit 18 Jah­ren. Das Dra­ma um zwei selbst­mord­ge­fähr­de­te Deutsch-Tür­ken, die ei­ne Schein­ehe ein­ge­hen, war der ers­te von drei Fil­men sei­ner „Lie­be, Tod und Teu­fel“-Tri­lo­gie. Wie bei fast al­len sei­ner Fil­me auch lie­fer­te er da­für das Dreh­buch. Teil zwei, „Auf der an­de­ren Sei­te“von 2007: bei­na­he für den Os­car als bes­ter nicht-eng­lisch­spra­chi­ger Film no­mi­niert, in Can­nes für das bes­te Dreh­buch ge­ehrt. Der Ab­schluss der Se­rie aber wur­de zum Fi­as­ko. „The Cut“be­han­del­te 2014 den Völ­ker­mord an den Ar­me­ni­ern, des­sen Auf­be­rei­tung in der Tür­kei noch heute ein Po­li­ti­kum dar­stellt. Der Film flopp­te an den Ki­no­kas­sen. Und: Rechts­ex­tre­me Tür­ken rie­fen zum Boy­kott auf, Akin er­hielt Mord­dro­hun­gen. Es war der ers­te gro­ße, auch fi­nan­zi­ell er­heb­li­che Rück­schlag in Akins Kar­rie­re. Schon sei­ne ers­ten Kurz­fil­me wur­den mit Prei­sen ge­wür­digt, sei­ne Spiel­film­pre­mie­re „Kurz und Schmerz­los“(1998) über Klein­kri­mi­nel­le aus sei­ner Hei­mat Ham­burg-Al­to­na ver­schaff­te ihm gleich den Baye­ri­schen Fern­seh­preis. 2004 grün­de­te er ei­ne Film­pro­duk­ti­ons­fir­ma. Dass Akin nicht nur ein Ex­per­te für Mi­lieuFil­me ist, zeig­te er mit der Road­Mo­vie-Roman­ze „Im Ju­li“und „Soul Kit­chen“2009, sei­nem bis­her kom­mer­zi­ell er­folg­reichs­ten Film.

Nun ist Akin wie­der da – mit sei­ner ers­ten Ro­man­ver­fil­mung. Und da­mit nicht ge­nug. In Kür­ze star­ten die Dreh­ar­bei­ten für „Aus dem Nichts“mit Diane Kruger, zu­dem will er den Ro­man „Der Gol­de­ne Hand­schuh“von Heinz Strunk ver­fil­men. Se­bas­ti­an Kapp

Mehr zum Film „Tschick“fin­den Sie heute auf der Sei­te Ki­no.

Fo­to: dpa

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