Wenn ein Rent­ner noch in Teil­zeit ar­bei­ten will

Bald kann er leich­ter hin­zu­ver­die­nen. Und es wird ihm nicht so viel ab­ge­zo­gen. Ein Bei­spiel für die Fle­xi-Ren­te

Mittelschwaebische Nachrichten - - Politik - VON JOA­CHIM BOMHARD

Augs­burg Der Über­gang in die Ren­te soll fle­xi­bler wer­den. Die Bun­des­re­gie­rung hat ei­nen ent­spre­chen­den Ge­setz­ent­wurf be­schlos­sen. Ar­beit­ge­ber sol­len An­rei­ze zur Be­schäf­ti­gung Äl­te­rer er­hal­ten. Aber auch die­je­ni­gen, die vor dem re­gu­lä­ren Ren­ten­al­ter ih­re Ar­beits­zeit re­du­zie­ren wol­len, sol­len ab dem 1. Ju­li 2017 bes­ser da­ste­hen. Wor­um es geht, er­klä­ren wir an ei­nem (fik­ti­ven) Bei­spiel.

Axel B. hat 35 Jah­re lang durch­schnitt­lich ver­dient, zu­letzt 3022 Eu­ro im Mo­nat. Jetzt – drei Jah­re vor Er­rei­chen der Al­ters­gren­ze – will er in den Ru­he­stand ge­hen, aber auch halb­tags im al­ten Job ar­bei­ten. Was pas­siert mit sei­ner Ren­te?

Nor­ma­ler­wei­se hat er An­spruch auf mo­nat­lich 1065 Eu­ro Ren­te. Da er 36 Mo­na­te frü­her in Ren­te geht, wer­den sei­ne Be­zü­ge um 10,8 Pro­zent ge­kürzt. Macht dann 950 Eu­ro (wo­von Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung noch ab­ge­zo­gen wer­den). Mit sei­nem Halb­tags­job ver­dient er 1511 Eu­ro. Hier greift nun die bis­he­ri­ge Zu­ver­dienst­gren­ze von 450 Eu­ro in je­dem ein­zel­nen Mo­nat; nur zwei­mal im Ka­len­der­jahr dür­fen es auch 900 Eu­ro sein. Macht zu­sam­men 6300 Eu­ro. Wird die Gren­ze nur um ei­nen Cent über­schrit­ten, wird die Ren­te auf zwei Drit­tel ge­kürzt. Bei hö­he­ren Zu­ver­diens­ten kann sie auch auf die Hälf­te, auf ein Drit­tel oder so­gar auf Null re­du­ziert wer­den. Im Fall von Axel B. hal­biert sie sich auf 475 Eu­ro. Erst wenn er die ge­setz­li­che Al­ters­gren­ze über­schrei­tet, be­kommt er die vol­le Ren­te, wo­bei ihm die Kür­zung um 10,8 Pro­zent we­gen des vor­zei­ti­gen Ren­ten­be­ginns im­mer blei­ben wird.

Wie sä­he es für Axel B. aus, gä­be es die künf­ti­ge Re­ge­lung, die noch vom Bun­des­tag ver­ab­schie­det wer­den muss, schon jetzt?

Die Mo­nats­ober­gren­zen fal­len weg, der Ge­samt­frei­be­trag von 6300 Eu­ro jähr­lich aber bleibt. Al­les, was dar­über hin­aus­geht, wird auf die Ren­te zu 40 Pro­zent an­ge­rech­net. Im Fall von Axel B. heißt das: Mit sei­nem Halb­tags­job ver­dient er jähr­lich 18132 (zwölf­mal 1511) Eu­ro. Wird der Frei­be­trag be­rück­sich­tigt, blei­ben 11832 Eu­ro. Und 40 Pro­zent (4732,80 Eu­ro) da­von wer­den von der Ren­te ab­ge­zo­gen. Das ent­spricht mo­nat­lich 394,40 Eu­ro we­ni­ger Ren­te, aber er hat gut 80 Eu­ro mehr als bei der ak­tu­el­len Re­ge­lung.

Und wie wird der Hin­zu­ver­dienst über­prüft?

Das macht die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung. Zu je­dem 1. Ju­li ei­nes Jah­res pro­gnos­ti­ziert sie den vor­aus­sicht­li­chen Ver­dienst im lau­fen­den und im fol­gen­den Jahr, stellt ihn je­weils der jähr­li­chen Hin­zu­ver­dienst­gren­ze von 6300 Eu­ro ge­gen­über und setzt die Ren­te für die Zeit ab 1. Ju­li und ab kom­men­den 1. Ja­nu­ar fest. Die Ein­kom­mens­pro­gno­sen vom Vor­jahr wer­den zum dar­auf­fol­gen­den 1. Ju­li mit dem tat­säch­lich er­ziel­ten Hin­zu­ver­dienst rück­schau­end cent­ge­nau ver­gli­chen („Spitz­ab­rech­nung“) und die Ren­te un­ter Be­rück­sich­ti­gung des tat­säch­li­chen Hin­zu­ver­diens­tes neu be­rech­net. Gleich­zei­tig wird für die nächs­ten zwölf Mo­na­te ei­ne neue Pro­gno­se er­stellt. Dann kann es ge­ge­be­nen­falls zu Nach­zah­lun­gen oder Rück­for­de­run­gen kom­men. Das be­deu­tet viel Auf­wand für die Ver­wal­tung und bie­tet ge­nug Stoff für Streit­fäl­le vor Ge­richt.

Schon Voll­rent­ner, aber wei­ter ar­bei­ten – ist auch hier et­was ge­plant?

Ja. An­ders als heute soll man da­durch hö­he­re Ren­ten er­rei­chen kön­nen. Bis­her zahlt der Ar­beit­ge­ber sei­nen Teil des Ren­ten­bei­trags ein, aber die Ren­te bleibt gleich. Künf­tig soll auch der Be­schäf­tig­te sei­nen Teil ein­zah­len kön­nen – bei­de zu­sam­men sol­len dann ren­ten­stei­gernd wir­ken.

Was ist noch ge­plant?

Wer lang­fris­tig plant, frü­her in Ren­te zu ge­hen, kann künf­tig ab ei­nem Al­ter von 50 Jah­ren (bis­her 55) per Son­der­zah­lung die an­sons­ten fäl­li­gen Ab­schlä­ge ver­hin­dern. Ein Bei­spiel zur Ver­an­schau­li­chung: Bei 1200 Eu­ro Ren­te und drei Jah­ren vor­zei­ti­gen Ren­ten­be­ginns kön­nen knapp 130 Eu­ro Ab­schlag pro Mo­nat durch Zah­lung von rund 32360 Eu­ro aus­ge­gli­chen wer­den. Geht man dann doch nicht frü­her in Ru­he­stand, er­höht sich die Ren­te.

Qu­el­le: Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung

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