Es gibt im­mer we­ni­ger Mo­de­händ­ler

Der Um­satz ist im ers­ten Halb­jahr et­was zu­rück­ge­gan­gen. War­um ein Ex­per­te Mit­tel­ständ­lern aber Chan­cen gibt

Mittelschwaebische Nachrichten - - Wirtschaft - VON DA­NIE­LA HUNG­BAUR

Augs­burg Das herr­li­che Wetter ist für Mo­de­händ­ler ei­ne Ka­ta­stro­phe. Wäh­rend die Men­schen in leich­ter Som­mer­klei­dung die Wär­me ge­nie­ßen, müss­ten sie längst Herbst­ja­cken und Schals kau­fen. „Der Sep­tem­ber ist für uns ein wich­ti­ger Mo­nat“, sagt Axel Au­gus­tin vom Han­dels­ver­band Tex­til (BTE). Doch der Sep­tem­ber ist zu heiß. Da­mit nicht ge­nug, geht es dem Tex­til­han­del nicht gut. Zu­min­dest dem mit­tel­stän­di­schen. Die Um­sät­ze der klei­nen und mit­tel­gro­ßen Tex­til­ein­zel­händ­ler sin­ken. Sie lie­gen im ers­ten Halb­jahr ein bis zwei Pro­zent un­ter dem Vor­jah­res­wert. Das er­rech­ne­te der BTE und kommt zu ei­nem wei­te­ren Er­geb­nis: Es wer­den im­mer we­ni­ger Mo­de­fach­händ­ler.

Dass es vor al­lem im­mer we­ni­ger klei­ne Be­trie­be in der Mo­de gibt, er­klärt der BTE aber nicht nur mit dem stark wach­sen­den Wett­be­werb. Haupt­grund für die­se Ent­wick­lung, die glei­cher­ma­ßen in Han­del, Hand­werk, Gas­tro­no­mie und an­de­ren Di­enst­leis­tungs­bran­chen auf­tre­te, ist dem­nach die feh­len­de Nach­fol­ge: „Im­mer we­ni­ger Mit­tel­ständ­ler ha­ben oder fin­den In­ter­es­sen­ten für die Über­nah­me des ei­ge­nen Un­ter­neh­mens.“Die Kon­zen­tra­ti­on im Mo­de­fach­han­del nimmt da­mit nach An­ga­ben des BTE wei­ter zu. Da­ge­gen sei die Zahl der Groß­un­ter­neh­men von 2010 bis 2014 stark an­ge­stie­gen, „und zwar um 50 Pro­zent von 26 auf 39 Fir­men“. De­ren Net­to­um­satz er­höh­te sich auch im glei­chen Zei­t­raum um 37,7 Pro­zent. Auch gro­ße Mit­tel­ständ­ler mit ei­nem Net­to­um­satz zwi­schen fünf und 100 Mil­lio­nen Eu­ro kön­nen sich laut BTE gut be­haup­ten.

Axel Au­gus­tin vom BTE sieht die Grö­ße al­lein aber nicht als Kri­te­ri­um, um in der Mo­de­bran­che zu über­le­ben. Für ihn ist wich­ti­ger, dass die Händ­ler ei­ne Ni­sche fin­den und sich von an­de­ren An­bie­tern ab­he­ben: „Die Kunst des Han­dels ist der Ein­kauf“, sagt er und ver­weist auf die gro­ße Chan­ce, hier für die Kun­den das Be­son­de­re zu bie­ten. Dies wer­de viel zu oft ver­nach­läs­sigt. Er be­ob­ach­tet aber auch, dass der Er­folg ei­nes Mo­de­un­ter­neh­mens vom Chef ab­hän­gig ist: Wenn ein Chef auf der Ver­kaufs­flä­che ist, mo­ti­viert und sich en­ga­giert, dann lau­fen die­se Häu­ser oft sehr gut. In­ha­bern kom­me hier ei­ne Schlüs­sel­rol­le zu. Auch rät Au­gus­tin da­zu, dem flo­rie­ren­den On­line­han­del be­wusst et­was ent­ge­gen­zu­set­zen: „Schließ­lich will sich nicht je­der mit ei­ner Ma­schi­ne un­ter­hal­ten.“Das heißt, vie­le Kun­den kom­men wie­der be­wusst in den La­den, um sich be­ra­ten zu las­sen. Ge­ra­de bei der Be­ra­tung gel­te es mit Blick auf die Kon­kur­renz im In­ter­net, im sta­tio­nä­ren Han­del zu punk­ten.

Doch wie viel Klei­dung hat über­haupt der Deut­sche im Schnitt im Klei­der­schrank? Gre­en­peace or­ga­ni­sier­te im Herbst ver­gan­ge­nen Jah­res ei­ne Um­fra­ge: Dem­nach be­sitzt je­der Deut­sche im Al­ter von 18 bis 69 Jah­ren nach ei­ge­ner An­ga­be im Schnitt et­wa 95 Klei­dungs­stü­cke – Ober­be­klei­dung und Schu­he mit ein­be­rech­net. Glaubt man der Stu­die, läuft beim Klei­dungs­kauf aber vie­les schief: 5,2 Mil­li­ar­den Klei­dungs­stü­cke lie­gen dem­nach in den Schrän­ken der Deut­schen – gut zwei Mil­li­ar­den oder rund 40 Pro­zent da­von wer­den aber nur sel­ten oder nie ge­tra­gen. Und vie­les wer­de auch ein­fach schnell wie­der aus­sor­tiert.

Ar­chiv­fo­to: An­ne Wall

Das baye­ri­sche Mo­de­un­ter­neh­men Wöhrl kämpft ge­gen ei­ne In­sol­venz. In der Bran­che herrscht ein hef­ti­ger Wett­be­werbs­druck.

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