Wann fan­gen Au­tos an zu bren­nen?

Spek­ta­ku­lä­re Un­fäl­le, bei de­nen Fahr­zeu­ge in Flam­men auf­ge­hen, gibt es nicht nur in Ac­tion­fil­men. Ex­per­ten er­klä­ren, un­ter wel­chen Um­stän­den Feu­er aus­bre­chen

Mittelschwaebische Nachrichten - - Wirtschaft - VON JENS NOLL

Augs­burg Der schreck­li­che Un­fall, bei dem am Di­ens­tag zwei Men­schen auf der Au­to­bahn na­he Min­del­heim in ih­rem Wa­gen ver­brannt sind, wirft ei­ne kri­ti­sche Fra­ge auf: Wie kann es sein, dass ein Au­to Feu­er fängt und so plötz­lich lich­ter­loh in Flam­men steht, dass die In­sas­sen nicht mehr ge­ret­tet wer­den kön­nen? Denn ei­gent­lich, sa­gen Ex­per­ten, bren­ne ein Au­to nicht so schnell. Und Au­tos, die ex­plo­die­ren, ge­be es nur im Film.

Ein so schlim­mer Fall wie der auf der A 96 kom­me glück­li­cher­wei­se sel­ten vor, sagt Burkhard Bött­cher, Ex­per­te für Fahr­zeug­si­cher­heit am Tech­nik­zen­trum des ADAC in Lands­berg. Für ihn ist die Ur­sa­che des Bran­des klar: Sei­ner An­sicht nach ist das auf­fah­ren­de Fahr­zeug beim Auf­prall auf­grund des ho­hen Ge­schwin­dig­keits­un­ter­schieds bis zum Kraft­stoff­tank des an­de­ren Au­tos durch­ge­drun­gen. Der Tank sei zer­bors­ten und Kraft­stoff aus­ge­lau­fen. Fahr­zeug­tei­le, die auf dem As­phalt streif­ten, ha­ben ei­nen Fun­ken­flug er­zeugt und zu­sam­men mit der hei­ßen Aus­puff­an­la­ge den Kraft­stoff ent­zün­det, wie er er­klärt. „Wenn 30 Li­ter Kraft­stoff aus­lau­fen, dann brennt ein Au­to re­la­tiv schnell aus“, sagt Bött­cher.

Der Fach­re­fe­rent für Fahr­zeug­tech­nik nennt ei­ni­ge bau­li­che Vor­keh­run­gen, die bei we­ni­ger schwe­ren Un­fäl­len für ge­wöhn­lich das Ri­si­ko ei­nes Bran­des mi­ni­mie­ren. So ver­hin­de­re ein Le­cka­ge­schutz am Tank ein Aus­lau­fen des Kraft­stoffs. Zu­dem sei der Kraft­stoff­tank si­cher in den Fahr­zeu­gen ver­baut, meist im Be­reich der Hin­ter­ach­se. „Die Her­stel­ler ach­ten dar­auf, dass die Crash­si­cher­heit ge­ge­ben ist“, sagt Ecke­hart Rot­ter vom Ver­band der Au­to­mo­bil­in­dus­trie.

Vin­cen­zo Lucà, Pres­se­spre­cher bei TÜV-Süd in Mün­chen, sagt: „Al­le Bau­tei­le ei­nes Au­tos sind schwer ent­flamm­bar.“Sel­ten ste­he ein Fahr­zeug lich­ter­loh in Flam­men. „Dann muss ir­gend­ei­ne brenn­ba­re Flüs­sig­keit aus­ge­lau­fen sein“, sagt er. Über die Ur­sa­chen für den Un­fall bei Min­del­heim will Lucà nicht spe­ku­lie­ren. In den meis­ten Fäl­len je­doch blei­be den In­sas­sen nach ei­nem Un­fall ge­nü­gend Zeit, um sich selbst in Si­cher­heit zu brin­gen oder von Hel­fern ge­ret­tet zu wer­den, be­vor sich die Flam­men aus­brei­ten.

Wel­che Stof­fe sind denn über­haupt brenn­bar im Fahr­zeug? Ne­ben dem Kraft­stoff nennt der TÜVSpre­cher noch Öl und das Kühl­mit­tel 1234yf, das in ei­ni­gen mo­der­nen Kli­ma­an­la­gen ver­wen­det wird. „Es kann pas­sie­ren, dass durch ei­nen Un­fall die Öl­wan­ne auf­ge­ris­sen wird und sich das Öl an hei­ßen Mo­tor­tei­len ent­zün­det“, sagt der TÜV-Spre­cher. Ein wei­te­res Sze­na­rio, das es oft bei Last­wa­gen ge­be: Der Tur­bo­la­der platzt – und Öl ent­zün­det sich an hei­ßen Aus­puff­tei­len. Im­mer wie­der kommt es Lucà zu­fol­ge vor, dass ein Fahr­zeug auf­grund ei­nes Kurz­schlus­ses in Brand ge­rät. Aber auch in die­sen Fäl­len könn­ten Fah­rer noch recht­zei­tig an­hal­ten und aus­stei­gen.

Al­lein im Au­gust gab es im Ver­brei­tungs­ge­biet un­se­rer Zei­tung min­des­tens drei Fäl­le, bei de­nen wäh­rend der Fahrt im Mo­tor­raum ei­nes Au­tos ein Feu­er aus­ge­bro­chen war. Al­le drei Fahr­zeu­ge in Fried­berg, in Kemp­ten und auf der Au­to­bahn 8 zwi­schen den An­schluss­stel­len Bur­gau und Zus­mar­shau­sen brann­ten kom­plett aus. Die Fah­rer blie­ben un­ver­letzt. In zwei Fäl­len ging die Po­li­zei von ei­nem tech­ni­schen De­fekt aus.

Au­tos mit Erd­gas- oder Flüs­sig­gas­an­trieb wei­sen nach Aus­sa­ge des ADAC-Ex­per­ten Bött­cher und des TÜV-Spre­chers Lucà kein hö­he­res Bran­d­ri­si­ko auf als Die­sel und Ben­zi­ner. Auch von Elek­tro­fahr­zeu­gen ge­he kei­ne hö­he­re Ge­fahr aus, sagt Lucà. Bei­de hal­ten es ge­ne­rell für sinn­voll, ei­nen Feu­er­lö­scher an Bord zu ha­ben. Pflicht ist das nicht. „Bei ei­nem klei­nen Brand kann ein Feu­er­lö­scher aber schon hel­fen“, sagt Bött­cher. »Kommentar

Wäh­rend der Fahrt schla­gen Flam­men aus dem Mo­tor­raum

Ar­chiv­fo­to: Feu­er­wehr Neu­säß

Sach­ver­stän­di­ge und Tech­ni­ker sa­gen: Au­to­brän­de kom­men nicht häu­fig vor. Doch im­mer wie­der gibt es auch in un­se­rer Re­gi­on sol­che Fäl­le. Die meis­ten ge­hen glück­li­cher­wei­se glimpf­lich aus. Un­ser Fo­to zeigt Feu­er­wehr­leu­te aus Neu­säß (Kreis Augs­burg) beim Lö­schen ei­nes BMW.

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