Po­li­zei schnappt Un­ter­welt-Che­fin

Die Frau und ihr Kar­tell über­zo­gen das me­xi­ka­ni­sche Aca­pul­co mit Ge­walt

Mittelschwaebische Nachrichten - - Panorama -

Her­mo­sil­lo Sie nann­ten sie „La Se­ño­ra“, die Da­me. Cla­ra Ele­na La­bo­rín war ei­ne der ganz Gro­ßen in der me­xi­ka­ni­schen Un­ter­welt – jetzt ha­ben Be­am­te der dor­ti­gen Bun­des­po­li­zei die Che­fin des Dro­gen­kar­tells Belt­rán Ley­va im Nord­wes­ten des Lan­des ge­stellt. Sie soll den einst mon­dä­nen Ba­de­ort Aca­pul­co mit ei­ner Wel­le der Ge­walt über­zo­gen ha­ben.

La­bo­rín ist die Ehe­frau des frü­he­ren Kar­tell­chefs Héc­tor Belt­rán Ley­va, der vor zwei Jah­ren ver­haf­tet wor­den war. Sie stand auf der Lis­te der meist­ge­such­ten Ver­bre­cher Me­xi­kos. Auch wenn Me­xi­kos Un­ter­welt von Män­nern do­mi­niert wird, stei­gen im­mer wie­der Frau­en in die Füh­rungs­ebe­ne auf.

Nun ist den Er­mitt­lern die Che­fin der Belt­rán-Ley­va-Or­ga­ni­sa­ti­on ins Netz ge­gan­gen. Beim Zu­griff in der Stadt Her­mo­sil­lo im Bun­des­staat So­no­ra wur­de auch ihr engs­ter Ver­trau­ter „El Cha“fest­ge­nom­men. „Bei­de sind die Haupt­ver­ant­wort­li­chen für die Ge­walt in Aca­pul­co“, sag­te der Che­f­er­mitt­ler der Bun­des­po­li­zei, Omar Gar­cía Har­fuch.

In der Ha­fen­stadt an der Pa­zi­fik­küs­te kämp­fen seit Mo­na­ten ver­fein­de­te Ban­den um die Vor­herr­schaft. Die Gangs­ter ste­cken ih­re Re­vie­re mit An­grif­fen auf Re­stau­rants und Bars ab, Men­schen wer­den auf den Stra­ßen er­schos­sen, es herrscht Angst und Schre­cken in der Ha­fen­stadt am Pa­zi­fik. Mit 104,73 Mor­den je 100 000 Ein­woh­ner ist Aca­pul­co die viert­ge­fähr­lichs­te Stadt der Welt au­ßer­halb von Kriegs­ge­bie­ten. Mit­ten in der Tou­ris­ten­mei­le am Strand lie­fern sich Ver­bre­cher und Po­li­zis­ten stun­den­lan­ge Ge­fech­te. Doch tau­sen­de Sol­da­ten und Po­li­zis­ten konn­ten die La­ge nicht un­ter Kon­trol­le brin­gen.

Aca­pul­co ist be­kannt für sei­ne Klip­pen­sprin­ger und Lu­xus­ho­tels. Einst stieg dort der in­ter­na­tio­na­le Jet­set ab, zu­letzt wa­ren es vor al­lem die Be­woh­ner von Me­xi­ko-Stadt, die übers Wo­che­n­en­de dort­hin ka­men. „Es ist nicht mehr wie frü­her“, sag­te die Un­ter­neh­me­rin Lau­ra Ca­bal­le­ro Ro­drí­guez kürz­lich. „Es gibt fast kein Nacht­le­ben mehr. Die Leu­te von hier und die Tou­ris­ten ha­ben Angst aus­zu­ge­hen.“

Das Ver­bre­cher­syn­di­kat Belt­rán Ley­va kämpft an­schei­nend mit dem neu­en Aca­pul­co-Kar­tell um die Kon­trol­le der Per­le am Pa­zi­fik. Die Kar­tel­le schmie­den Al­li­an­zen mit klei­ne­ren Gangs und kämp­fen er­bit­tert um je­den Stra­ßen­zug. „Ins­ge­samt sind es rund 50 kri­mi­nel­le Ban­den, die für die Ge­walt in Aca­pul­co ver­ant­wort­lich sind“, sagt der Ge­ne­ral­staats­an­walt des Bun­des­staats Gu­er­re­ro, Xa­vier Olea Peláez.

Die Fest­nah­me von „La Se­ño­ra“dürf­te die Ge­walt in Aca­pul­co noch ein­mal zu­sätz­lich be­feu­ern. „Das könn­te den Raum für neue Kon­fron­ta­tio­nen öff­nen“, sag­te Gu­er­re­ros Mi­nis­ter für öf­fent­li­che Si­cher­heit, Pe­dro Al­ma­zán, der Zei­tung Mi­le­nio. Der einst pracht­vol­len Tou­ris­ten­hoch­burg Aca­pul­co ste­hen schwe­re Zei­ten be­vor. (dpa)

Fo­to: Qua­dra­tin, dpa

„La Se­ño­ra“kon­trol­lier­te ein me­xi­ka­ni­sches Kar­tell.

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