Knip­ser Kim­mich

Der Münch­ner hat als De­fen­siv­spie­ler schnell Kar­rie­re ge­macht. Jetzt glänzt er auch als An­grei­fer

Mittelschwaebische Nachrichten - - Panorama - VON AN­TON SCHWANKHART

Mün­chen Als Jos­hua Kim­mich Di­ens­tag­nacht aus der Bay­ern-Ka­bi­ne kam, war es halb zwölf. Wahr­schein­lich hat­te er ge­hofft, um die­se Zeit un­be­hel­ligt von Jour­na­lis­ten nach Hau­se zu kom­men. So wie Da­vid Ala­ba, der sich mit gro­ßen Kopf­hö­rern über den Oh­ren, oh­ne ei­nen Blick auf Ka­me­ras und Mi­kro­fo­ne da­von­ge­macht hat­te. Kim­mich geht den Me­di­en­ver­tre­ten ger­ne aus dem Weg – wenn auch ver­bind­li­cher. Die­ses Mal aber wür­de es kein Ent­kom­men ge­ben. Der 21-Jäh­ri­ge hat­te beim 5:0-Sieg des FC Bay­ern zum Cham­pi­ons­Le­ague-Auf­takt ge­gen den rus­si­schen Vi­ze­meis­ter FK Ros­tow zwei­mal ge­trof­fen. Nach den Tor-Pre­mie­ren in der Na­tio­nal­elf ge­gen Nor­we­gen und dem ers­ten Bun­des­li­ga-Tref­fer ge­gen Schal­ke er­gibt das ei­ne Tor­quo­te, auf die je­der Knip­ser stolz wä­re. Kim­mich aber hat nichts, was ihn als Tor­jä­ger aus­zeich­nen wür­de. Mit 1,76 m ist er zu klein für ein Kopf­ball-Un­ge­heu­er; er ist nicht be­son­ders schnell, kein Drib­bel­künst­ler und auch nicht mit ei­nem be­son­ders stram­men Schuss ge­seg­net. Dar­über hin­aus ist sei­ne Haupt­auf­ga­be To­re zu ver­hin­dern, was vor­zugs­wei­se nicht in geg­ne­ri­schen Straf­räu­men ge­schieht. Trotz­dem hat Kim­mich, der von vie­lem et­was be­sitzt, vor al­lem aber Prä­zi­si­on und Raum­ge­fühl, ei­ne der be­mer­kens­wer­tes­ten jün­ge­ren Kar­rie­ren im Land hin­ge­legt. Der FC Bay­ern hat­te ihn vor ei­nem Jahr für acht Mil­lio­nen Eu­ro Ab­lö­se vom Zweit­li­gis­ten RB Leip­zig ge­holt. Ein Ta­lent, wie die Münch­ner schon vie­le ver­pflich­tet, ge­formt und wie­der ver­kauft ha­ben, weil es im Münch­ner Welt­klas­seEn­sem­ble nicht reicht, Ta­lent zu ha­ben. Kim­mich, der 1,7-Abitu­ri­ent aus Rott­weil, aber be­sitzt ne­ben der fuß­bal­le­ri­schen Kom­pe­tenz Tu­gen­den, die im Un­ter­hal­tungs­be­trieb Bun­des­li­ga oft un­ter­schätzt wer­den: Lern­wil­len, Bo­den­haf­tung, In­tel­li­genz. „Fo­kus­siert“, nennt Car­lo An­ce­lot­ti das Auf­tre­ten des Jungspunds. Der Ita­lie­ner schätzt die­se Ei­gen­schaft, die den 21-Jäh­ri­gen in nur zwölf Mo­na­ten zum Na­tio­nal­spie­ler und EMTeil­neh­mer ge­macht ha­ben – und jetzt auch noch zum Tor­jä­ger. Wie geht das zu­sam­men? Noch im­mer stan­den zwei Dut­zend Jour­na­lis­ten in der Mi­xed-Zo­ne, um ihn da­nach zu fra­gen. An­ge­sichts der Über­macht schwenk­te der 21-Jäh­ri­ge dann oh­ne Um­we­ge auf Ka­me­ras und Blö­cke zu. Im Mo­ment, räumt er ein, „ist es ganz schön viel, was pas­siert, und es geht ziem­lich schnell“. An­de­rer­seits geht der Klei­ne je­des Tem­po mit. Sein ers­tes Tor aber, gab er den Ver­dienst wei­ter, „war über­ra­gend vor­be­rei­tet und ge­hört zu 80 Pro­zent Dou­glas“. Die 20 Pro­zent wa­ren frei­lich un­ver­zicht­bar, um die Cos­ta-Vor­la­ge zum 3:0 ins Netz zu bug­sie­ren. Zu­vor hat­ten Le­wan­dow­ski (28.) und Mül­ler (45.) ge­trof­fen, ehe Kim­mich auch noch per Kopf­ball (60.) und ab­schlie­ßend Ber­nat (90.) tra­fen. „Er hat in je­dem Wett­be­werb mehr To­re ge­schos­sen als ich, er zählt jetzt zu mei­nen Haupt­kon­kur­ren­ten“, wit­zel­te Tho­mas Mül­ler. Er­klä­run­gen für sein Tor­schüt­zen-Glück hat­te Kim­mich nicht, nur Ver­mu­tun­gen. „Mög­lich, dass das Tor in der Na­tio­nal­elf als Initi­al­zün­dung wirkt. In je­dem Fall hat es Selbst­ver­trau­en ge­ge­ben.“Am Sams­tag kommt der FC Ingolstadt in die Al­li­anz-Are­na. Die In­gol­städ­ter wer­den jetzt nicht nur auf Le­wan­dow­ski und Mül­ler ach­ten müs­sen.

Fo­to: Wit­ters

Nicht nur de­fen­siv stark: Jos­hua Kim­mich.

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