Ein Pass­wort braucht es doch

Bie­ten sie frei­en Netz­zu­gang an, haf­ten Ge­schäfts­leu­te zwar nicht für die Rechts­ver­stö­ße der Nut­zer. Aber sie müs­sen die Si­cher­heit er­hö­hen

Mittelschwaebische Nachrichten - - Wirtschaft -

Ber­lin Ge­schäfts­leu­te, die ein kos­ten­lo­ses WLAN-Netz an­bie­ten, haf­ten nicht für Ur­he­ber­rechts­ver­let­zun­gen an­de­rer. Das hat der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof (EuGH) am Don­ners­tag in Lu­xem­burg ent­schie­den. Al­ler­dings kann vom WLAN-Be­trei­ber ver­langt wer­den, dass der An­schluss durch ein Pass­wort ge­si­chert wird. Da­bei müss­ten Nut­zer aber ih­re Iden­ti­tät of­fen­ba­ren, um den Zu­gang zu er­hal­ten – das sol­le ei­nen „Ab­schre­ckungs­ef­fekt“ge­währ­leis­ten. Grund­sätz­lich könn­ten Rechts­in­ha­ber bei ei­ner Be­hör­de oder ei­nem Ge­richt ei­ne An­ord­nung be­an­tra­gen, mit der vom An­bie­ter ver­langt wird, je­der Ur­he­ber­rechts­ver­let­zung durch sei­ne Kun­den ein En­de zu set­zen oder ih­nen vor­zu­beu­gen.

Hin­ter­grund ist ein deut­scher Fall. To­bi­as McF­ad­den, Be­trei­ber ei­nes Ge­schäfts für Licht- und Ton­tech­nik aus Mün­chen, bot ei­nen un­ge­si­cher­ten WLAN-Hots­pot an. Der Mu­sik­kon­zern So­ny mahn­te den Mann ab, weil über des­sen In­ter­net­zu­gang ein Al­bum der Grup­pe „Wir sind Hel­den“zum Her­un­ter­la­den an­ge­bo­ten wor­den sein soll. Das Land­ge­richt Mün­chen muss über den Fall ent­schei­den und bat den EuGH um Hil­fe bei der Aus­le­gung von EU-Recht.

Rechts­grund­la­ge ist in die­sem Fall ei­ne EU-Richt­li­nie, die auf Ge­wer­be­trei­ben­de mit un­ge­si­cher­tem WLAN an­wend­bar ist – al­so Ge­schäf­te, Bars oder Ho­tels. Für Pri­vat­leu­te ist sie nicht re­le­vant. Wer ei­nen „Di­enst der In­for­ma­ti­ons­ge­sell­schaft“im Sin­ne der Richt­li­nie an­bie­tet, ist dem­nach nicht haft­bar – vor­aus­ge­setzt, er ist an der Über­tra­gung von Da­ten, et­wa ei­nes Lie­des, nicht be­tei­ligt. McF­ad­den, der zu­gleich Netz­ak­ti­vist und Mit­glied der Pi­ra­ten­par­tei ist, wer­te­te das Ur­teil als Teil­er­folg. Es las­se nicht auf ei­ne schnel­le Ver­brei­tung von WLANHots­pots in Eu­ro­pa hof­fen, sag­te er in Ber­lin. Es ge­he dar­um, dass es „nie­der­schwel­li­gen Zu­gang zum In­ter­net ge­ben soll für je­der­mann“. „Wenn ich aber erst mal rum­lau­fen muss und nach ei­nem Pass­wort bet­teln muss, dann ist da­mit genau das Ge­gen­teil er­reicht.“

Ei­ne Über­wa­chung der In­for­ma­tio­nen, die über ein of­fe­nes WLAN über­tra­gen wer­den, kann vom Be­trei­ber nicht ver­langt wer­den, er­läu­ter­ten die Rich­ter. Auch ei­ne Ab­schal­tung des In­ter­net­zu­gangs wür­de zu weit ge­hen. Ei­ne An­ord­nung zur Si­che­rung des An­schlus­ses mit ei­nem Pass­wort sei aber ge­eig­net, ein Gleich­ge­wicht zwi­schen den Rech­ten am geis­ti­gen Ei­gen­tum, dem Recht der An­bie­ter von In­ter­net­zu­gän­gen auf un­ter­neh­me­ri­sche Frei­heit und dem Recht der Nut­zer auf In­for­ma­ti­ons­frei­heit zu ge­währ­leis­ten.

Der EuGH-Ge­ne­ral­an­walt Ma­ciej Sz­pu­nar hat­te sich hin­ge­gen ge­gen ei­nen Pass­wort-Schutz aus­ge­spro­chen (Rechts­sa­che C-484/14). (dpa)

Fo­to: Stra­ten­schul­te, dpa

Kos­ten­lo­se Netz­wer­ke für den Weg ins In­ter­net fin­det man in im­mer mehr deut­schen Städ­ten.

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