Flücht­lin­ge be­lei­digt: Straf­be­fehl

Vergleich mit Hun­den ist Volks­ver­het­zung

Mittelschwaebische Nachrichten - - Bayern -

Selb We­gen Volks­ver­het­zung durch ein aus­län­der­feind­li­ches Schild in sei­nem Schau­fens­ter soll ein Mann aus Selb nach dem Wil­len der Staats­an­walt­schaft ei­ne Geld­stra­fe be­zah­len. Der 54-jäh­ri­ge La­den­in­ha­ber hat­te in der ober­frän­ki­schen Stadt ein Schild mit der Auf­schrift „Asy­lan­ten müs­sen drau­ßen blei­ben“und ei­nem Hund auf­ge­stellt. Diese Kom­bi­na­ti­on er­fül­le den Tat­be­stand der Volks­ver­het­zung, teil­te die Staats­an­walt­schaft Hof mit. Des­halb be­an­trag­te sie beim Amts­ge­richt Wun­sie­del ei­ne Geld­stra­fe.

Das Schild ver­glei­che Asyl­be­wer­ber mit Hun­den, wie ein Spre­cher der Er­mitt­lungs­be­hör­de sag­te. Der Straf­be­fehl ge­gen den 54-Jäh­ri­gen wur­de be­reits er­las­sen, der Mann leg­te da­ge­gen al­ler­dings Ein­spruch ein, sag­te ein Ge­richts­spre­cher. Es wird des­halb zu ei­ner öf­fent­li­chen Ver­hand­lung kom­men. Prin­zi­pi­ell kann Volks­ver­het­zung nicht nur mit ei­ner Geld­stra­fe, son­dern auch mit Haft von drei Mo­na­ten bis zu fünf Jah­ren be­straft wer­den.

Der La­den­in­ha­ber hat­te zu­letzt über den Bür­ger­meis­ter der Stadt ei­ne Stel­lung­nah­me ab­ge­ge­ben. „Das von mir an­ge­brach­te Schild in mei­nem La­den hat­te kei­ner­lei ras­sis­ti­schen oder rechts­ra­di­ka­len Hin­ter­grund“, hieß es in dem Text, den Bür­ger­meis­ter Ul­rich Pötzsch En­de Au­gust in ei­ner Mit­tei­lung ver­brei­te­te. Er wol­le da­mit „die Ge­schäfts­welt der Stadt Selb von je­dem Ver­dacht“be­frei­en, schrieb Pötzsch. „Bei der un­be­dach­ten An­brin­gung des Schil­des ha­be ich mir kei­ne Vor­stel­lun­gen da­von ge­macht, wel­che ne­ga­ti­ven Fol­gen dies für die Stadt Selb und für die Ge­schäfts­welt ha­ben wird“, zi­tier­te die Mit­tei­lung den La­den­in­ha­ber; er be­daue­re au­ßer­or­dent­lich, die­ses Schild an­ge­bracht zu ha­ben.

Auch nach Be­kannt­wer­den des Straf­an­trags woll­te er kei­nen wei­te­ren Kom­men­tar ab­ge­ben. Der Bür­ger­meis­ter war für ei­ne wei­te­re Stel­lung­nah­me ges­tern nicht er­reich­bar. „Bei uns sind al­le, natürlich auch Asyl­be­wer­ber, herz­lich will­kom­men“, hat­te Pötzsch in sei­ner Mit­tei­lung im Au­gust be­tont. (dpa)

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.