Oba­ma dankt Mer­kel

In sei­ner letz­ten gro­ßen Re­de vor den Ver­ein­ten Na­tio­nen for­dert er die Welt auf, Ver­ant­wor­tung in der Flücht­lings­fra­ge zu über­neh­men

Mittelschwaebische Nachrichten - - Politik | Wirtschaft -

New York In sei­nem letz­ten Ap­pell an die Ver­ein­ten Na­tio­nen hat USPrä­si­dent Ba­rack Oba­ma ein­dring­lich vor der Ab­schot­tung ein­zel­ner Staa­ten ge­warnt. „Ei­ne von Mau­ern um­ring­te Na­ti­on wür­de sich heu­te nur selbst ein­sper­ren“, sag­te er in ei­nem Sei­ten­hieb auf Do­nald Trump, der sich um sei­ne Nach­fol­ge als Prä­si­dent be­wirbt. Oba­ma stell­te klar, dass selbst die „sel­te­ne Su­per­macht“USA die drän­gen­den Kri­sen der Welt nicht al­lei­ne be­wäl­ti­gen kön­ne. „Wir al­le ste­hen vor ei­ner Ent­schei­dung: Wir kön­nen mit ei­nem bes­se­ren Mo­dell der Zu­sam­men­ar­beit und In­te­gra­ti­on vor­wärts drän­gen oder uns in ei­ne scharf ge­teil­te Welt zu­rück­zie­hen“, sag­te der im Ja­nu­ar nach acht Jah­ren Prä­si­dent­schaft aus dem Amt schei­den­de Oba­ma. Staa­ten, Her­kunft, Stäm­me und Religion dürf­ten kei­ne Trenn­li­ni­en in­ter­na­tio­na­ler Politik sein.

Beim an­schlie­ßen­den Flücht­lings­gip­fel dank­te der US-Prä­si­dent An­ge­la Mer­kel für ih­ren Ein­satz in der Flücht­lings­kri­se. Deutsch­land und Ka­na­da hät­ten ihr Äu­ßers­tes ge­ge­ben, um Asyl­su­chen­den zu hel­fen. Bei­de Län­der hät­ten in ei­ner „Kri­se epi­schen Aus­ma­ßes“Ver­ant­wor­tung über­nom­men. Oba­ma rich­te­te sei­nen Dank na­ment­lich auch an die Bun­des­kanz­le­rin. Für ei­ne Politik der Of­fen­heit ge­gen­über Flücht­lin­gen müss­ten Po­li­ti­ker oft ei­nen ho­hen Preis zah­len: Die Politik ge­he manch­mal hart um mit Re­gie­ren­den, die die Gren­zen für Schutz­su­chen­de öff­ne­ten, sag­te er mit Blick auf die hef­ti­ge Kri­tik an Mer­kel.

Die Teil­neh­mer­staa­ten des von Oba­ma ein­be­ru­fe­nen Gip­fels wol­len in die­sem Jahr 360000 Men­schen auf­neh­men. Da­mit über­trä­fen sie zwar ihr En­ga­ge­ment aus dem Vor­jahr um das Dop­pel­te. Die Zahl bleibt al­ler­dings deut­lich un­ter der For­de­rung des UN-Flücht­lings­hilfs­werks, das Plät­ze für mehr als ei­ne Mil­li­on Asyl­su­chen­de für nö­tig hält. Die Auf­nah­me von Flücht­lin­gen be­zeich­ne­te Oba­ma als mo­ra­li­sche Fra­ge: „Wenn wir un­se­re Tü­ren vor die­sen Fa­mi­li­en zu­schla­gen, ver­ra­ten wir un­se­re tiefs­ten Wer­te.“

Die USA selbst wol­len im kom­men­den Jahr 110 000 Flücht­lin­ge auf­neh­men. Zum Vergleich: Deutsch­land hat­te al­lein 2015 mehr als ei­ner Mil­li­on Men­schen Zuflucht ge­währt. Nach US-An­ga­ben sag­ten sie­ben Län­der in New York zu, die Zahl der auf­ge­nom­me­nen Flücht­lin­ge im Vergleich zu 2015 zu ver­zehn­fa­chen: Tsche­chi­en, Ru­mä­ni­en, Por­tu­gal, Spa­ni­en, Ita­li­en, Frank­reich und Lu­xem­burg.

Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter Fran­kWal­ter St­ein­mei­er wer­te­te die Er­geb­nis­se des Tref­fens als Zei­chen für die Be­reit­schaft der Staa­ten­ge­mein­schaft, die Las­ten der Flücht­lings­kri­se zu tei­len. Das Tref­fen ha­be ge­zeigt, dass sich „die Staa­ten­welt sehr be­wusst ist, dass sie hier in der Pflicht steht, dass die Flücht­lings­be­we­gung nicht ein­zel­nen Staa­ten über­las­sen blei­ben kann“, sag­te St­ein­mei­er. (dpa, afp, AZ)

Fo­to: afp

Ba­rack Oba­ma bei sei­ner Re­de vor den Ver­ein­ten Na­tio­nen.

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