Bald 409 Eu­ro Hartz IV

Die Leis­tun­gen des Staa­tes für Ar­beits­lo­se sol­len ab dem nächs­ten Jahr stei­gen. Wer aber be­kommt wie viel Geld? Und was ist mit Asyl­be­wer­bern?

Mittelschwaebische Nachrichten - - Wirtschaft -

Frank­furt am Main Mil­lio­nen Hart­zIV-Be­zie­her sol­len vom kom­men­den Jahr an mehr Geld be­kom­men. Die Leis­tun­gen für Schul­kin­der un­ter 14 Jah­ren und für Er­wach­se­ne wer­den wohl an­ge­ho­ben. Im Fol­gen­den bie­ten wir ei­nen Über­blick über die wich­tigs­ten Punk­te des Ge­setz­ent­wur­fes von SPD-Ar­beits­mi­nis­te­rin Andrea Nah­les.

Wie stark steigt Hartz IV?

Für Al­lein­ste­hen­de stei­gen die Leis­tun­gen um fünf Eu­ro auf 409 Eu­ro und für Paa­re um vier Eu­ro auf 368 Eu­ro pro Part­ner. Voll­jäh­ri­ge Kin­der un­ter 25 be­kom­men drei Eu­ro mehr – al­so 327 Eu­ro. Für Min­der­jäh­ri­ge von 14 bis 18 er­höht sich der Satz um fünf Eu­ro auf 311 Eu­ro. Das Plus für Kin­der von sechs bis 13 Jah­ren fällt am größ­ten aus: um 21 auf 291 Eu­ro. Für Kin­der un­ter sechs Jah­ren bleibt es bei 237 Eu­ro. Nicht be­trof­fen von den Neue­run­gen sind schon bis­her ge­währ­te ein­ma­li­ge Leis­tun­gen in be­son­de­ren Le­bens­si­tua­tio­nen, et­wa bei der Erst­aus­stat­tung ei­ner Woh­nung oder bei der Ge­burt ei­nes Kin­des. Hartz-IVEmp­fän­ger be­kom­men im Re­gel­fall aber mehr Hil­fe als nur die oben er- wähn­ten Sät­ze. Im Nor­mal­fall über­nimmt der Staat auch die Kos­ten für Un­ter­kunft und Hei­zung.

Für wen gel­ten die Re­gel­sät­ze?

Be­trof­fen sind et­wa 5,9 Mil­lio­nen Emp­fän­ger von Ar­beits­lo­sen­geld II und So­zi­al­geld, al­so et­wa Lang­zeit­ar­beits­lo­se und ih­re Kin­der. Hier ist das So­zi­al­ge­setz­buch II ein­schlä­gig. Zu­dem gel­ten die Sät­ze für gut ei­ne Mil­lio­nen Emp­fän­ger von Grund­si­che­rung im Al­ter und bei Er­werbs­min­de­rung.

War­um stei­gen die Sät­ze wie ge­plant?

Die Stei­ge­run­gen ge­hen auf die ge­stie­ge­nen Preis­stei­ge­run­gen und Löh­ne zu­rück. Dar­über hin­aus wur- den sta­tis­ti­sche Grund­la­gen neu er­rech­net – ge­mes­sen wird das Aus­ga­be­ver­hal­ten der Haus­hal­te mit nied­ri­gem Ein­kom­men in Deutsch­land. Es gibt lan­ge Lis­ten mit ein­zel­nen Aus­ga­ben­pos­ten, die in die Be­rech­nung der Pau­scha­len mit ein­ge­hen: durch­schnitt­li­che Aus­ga­ben für Nah­rungs­mit­tel und Ge­trän­ke et­wa, Be­klei­dung und Schu­he, Kom­mu­ni­ka­ti­on oder auch Frei­zeit/Kul­tur. Neu be­rück­sich­tigt sind Vor­ga­ben des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts – so soll ei­ne Mo­bi­li­täts­pau­scha­le er­höht wer­den, auch Au­tos wer­den be­rück­sich­tigt.

Sind die Be­rech­nun­gen um­strit­ten?

Ja, das sind sie. Der Grü­nen-So­zi­al­ex­per­te Wolfgang Streng­man­nKuhn sagt: „Der Re­gel­satz wird von der Bun­des­re­gie­rung klein­ge­rech­net, in­dem be­stimm­te Be­darfs­po­si­tio­nen ganz aus dem Re­gel­satz ge­stri­chen oder ge­kürzt wer­den.“Her­aus­ge­rech­net wor­den sei­en et­wa Aus­ga­ben für Haus­tie­re – so sin­ke der Re­gel­be­darf um rund vier Eu­ro. Auch ge­stri­chen wor­den sei­en zum Bei­spiel die Aus­ga­ben für Mo­bil­funk­ge­büh­ren – im Schnitt acht Eu­ro für Er­wach­se­ne.

Was ist noch an Ver­bes­se­run­gen ge­plant?

Er­wach­se­ne, die in Wohn­ge­mein­schaf­ten zu­sam­men­le­ben, aber kein Paar sind, sol­len auf je­den Fall den vol­len Re­gel­satz von 409 Eu­ro be­kom­men. Bes­ser an­er­kannt wer­den sol­len auch Miet­kos­ten et­wa für voll­jäh­ri­ge Kin­der mit Be­hin­de­rung, die bei den El­tern woh­nen.

Was än­dert sich für Asyl­be­wer­ber?

Das Ka­bi­nett be­schloss auch ei­ne Än­de­rung des Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­set­zes: Al­lein­ste­hen­de Asyl­be­wer­ber er­hal­ten 2017 statt 354 Eu­ro nur noch 332 Eu­ro. Grund ist die Her­aus­nah­me der Aus­ga­ben für Strom und Woh­nungs­in­stand­hal­tung. Bei der Un­ter­brin­gung in ei­ner Ge­mein­schafts­un­ter­kunft wer­den diese Kos­ten – so die Be­grün­dung – durch Sach­leis­tun­gen ge­deckt. Wenn sich Asyl­be­wer­ber wäh­rend ih­res Asyl­ver­fah­rens eh­ren­amt­lich bei­spiels­wei­se in Ver­ei­nen en­ga­gie­ren und da­für ei­ne Eh­ren­amts­pau­scha­le er­hal­ten, kön­nen sie da­von zu­künf­tig bis zu 200 Eu­ro im Mo­nat an­rech­nungs­frei zu­sätz­lich zu ih­ren Leis­tun­gen be­hal­ten.

Ba­sil We­ge­ner, dpa

Fo­to: dpa

Für Al­lein­er­zie­hen­de stei­gen die Leis­tun­gen aus Hartz IV.

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