Wer zün­delt, zahlt

Bun­des­li­ga-Ver­ei­ne dür­fen ran­da­lie­ren­de Fans zur Kas­se bit­ten

Mittelschwaebische Nachrichten - - Sport -

Karlsruhe Fuß­ball­ver­ei­ne kön­nen künf­tig Geld­stra­fen we­gen Aus­schrei­tun­gen an die ran­da­lie­ren­den Fans wei­ter­rei­chen. Dies ent­schied der Bun­des­ge­richts­hof (BGH). Ge­klagt hat­te der 1. FC Köln. Der Ver­ein war vom Sport­ge­richt des DFB mit ei­ner Stra­fe von 50 000 Eu­ro be­legt wor­den und muss­te wei­te­re 30000 Eu­ro in Ge­walt-Prä­ven­ti­on ste­cken, nach­dem ein An­hän­ger im Fe­bru­ar 2014 bei ei­nem Heim­spiel ei­nen Knall­kör­per ge­zün­det hat­te.

Was bringt das Ur­teil den Klubs?

Die Ver­ei­ne kön­nen jetzt grund­sätz­lich Kra­wall­ma­cher haft­bar ma­chen. Da­zu müs­sen sie die Tä­ter aber auch er­mit­teln. Die­se aber sind meist ver­mummt, ver­ste­cken sich schon mal hin­ter Cho­reo­gra­fi­en oder wech­seln die Klei­dung. Zu­dem bie­tet der Rauch von Ben­ga­los ei­ne per­fek­te Tar­nung.

Wel­che Ver­ei­ne fie­len in der Ver­gan­gen­heit ne­ga­tiv auf?

Spit­zen­rei­ter bei Geld­stra­fen für Fan­ver­ge­hen in der ab­ge­lau­fe­nen Sai­son 2015/2016 wa­ren der VfL Wolfsburg mit 102000 Eu­ro, Ein­tracht Frank­furt (95000) und der Ham­bur­ger SV (74000).

Wird der DFB sei­ne Pra­xis beim Ver­hän­gen von Geld­stra­fen nach dem BGH-Ur­teil än­dern?

Wohl kaum, weil der DFB be­reits bis­her bei der Ver­hän­gung des Straf­ma­ßes dar­auf ach­tet, wie in­ten­siv der be­trof­fe­ne Ver­ein die Tä­ter­er­mitt­lung be­treibt. Dies kann straf­mil­dernd wir­ken. Zu­dem macht das Sport­ge­richt den Klubs im­mer wie­der mehr Ge­walt­prä­ven­ti­on und Fa­n­ar­beit zur Auf­la­ge.

Er­höht die Wei­ter­ga­be von Geld­stra­fen die Ab­schre­ckung?

Das ist ein Haupt­grund, war­um die Ver­ei­ne die Tä­ter zur Kas­se bit­ten wol­len und er­folg­rei­che Fäl­le oft auch ver­öf­fent­li­chen: Ei­ne fünf­stel­li­ge Sum­me trifft ei­ne Pri­vat­per­son aus dem Fan­la­ger na­tür­lich sehr viel här­ter als ei­nen Pro­fi­ver­ein – wenn der über­führ­te Tä­ter über­haupt be­zah­len kann.

Wel­che Er­fah­run­gen gibt es be­reits?

Hannover 96 hat schon mehr­fach ver­sucht, Geld­stra­fen für das Fehl­ver­hal­ten von Fans zu­rück­zu­ho­len. Teil­wei­se mit Er­folg. Beim Eu­ro­paLe­ague-Spiel in Ko­pen­ha­gen hat­te im No­vem­ber 2011 ein 96-An­hän­ger Py­ro­f­ackeln ent­zün­det, ein an­de­rer war als Flit­zer auf­fäl­lig ge­wor­den. Die Uefa ver­häng­te ei­ne Stra­fe von 15000 Eu­ro ge­gen den da­ma­li­gen Bun­des­li­gis­ten, der Klub er­hielt vor Ge­richt ein­mal 6000 Eu­ro und ein­mal 2500 Eu­ro von den Fans zu­rück.

Was macht der DFB mit dem Geld aus den Stra­fen?

Die­se wan­dern je­des Jahr in ver­schie­de­ne Fuß­ball-Stif­tun­gen wie die Sepp-Her­ber­ger-Stif­tung, die Ro­bert-En­ke-Stif­tung oder Frit­zWal­ter-Stif­tung. (dpa)

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