Mord mit Tem­po 160?

Mittelschwaebische Nachrichten - - Erste Seite - VON RU­DI WAIS rwa@augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Micha­el W. hat­te kei­ne Chan­ce. Sei­ne Am­pel stand auf Grün, aber das über­sa­hen die bei­den Ra­ser, die sich im Fe­bru­ar mit­ten in Ber­lin ein nächt­li­ches Ren­nen lie­fer­ten. Mit Tem­po 160 krach­te ei­ner von ih­nen auf dem Ku­damm mit sei­nem Sport­wa­gen in den Jeep von Micha­el W. Der 69-Jäh­ri­ge starb noch an der Un­fall­stel­le.

Den bei­den jun­gen Män­nern, be­reits dut­zend­fach als Ver­kehrs­sün­der auf­ge­fal­len, wird ge­ra­de der Pro­zess ge­macht – Aus­gang un­ge­wiss. Bis­her wird die Teil­nah­me an il­le­ga­len Ren­nen mit ei­nem Buß­geld von 400 Eu­ro und ei­nem Mo­nat Fahr­ver­bot ge­ahn­det. Die ab­schre­cken­de Wir­kung, die sol­che Stra­fen auch ha­ben sol­len, steht da­mit in kei­nem Ver­hält­nis mehr zu den töd­li­chen Fol­gen, die Ra­ser wie Ham­di H. und Mar­vin N. bil­li­gend in Kauf neh­men. So ge­se­hen ist es nur kon­se­quent, dass der Bun­des­rat auf schär­fe­re Stra­fen pocht.

Ju­ris­tisch in­ter­es­san­ter als des­sen Plä­ne ist al­ler­dings das Ver­fah­ren in Ber­lin. Die An­kla­ge ge­gen die bei­den Ra­ser lau­tet auf Mord – weil sie ih­re Au­tos als ei­ne Art Waf­fe be­nutzt und vor­sätz­lich ge­han­delt ha­ben, in­dem sie be­wusst meh­re­re ro­te Am­peln über­fuh­ren. Soll­te sich die Staats­an­walt­schaft mit die­ser Li­nie durch­set­zen, wä­re das wir­kungs­vol­ler als je­de Ge­set­zes­än­de­rung. Das hie­ße letzt­lich ja: Wer rast, ris­kiert le­bens­läng­lich.

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