Das Hoch­was­ser be­zwin­gen

Seit Jahr­zehn­ten ver­sucht der Land­kreis, die Kom­mu­nen da­für zu ge­win­nen, die Sied­lun­gen in den Fluss­tä­lern zu schüt­zen. Vie­les ist er­reicht wor­den, doch die Ar­beit geht wei­ter

Mittelschwaebische Nachrichten - - Erste Seite - VON STE­FAN REINBOLD

Seit Jahr­zehn­ten wird an ei­nem Kon­zept ge­bas­telt, die Sied­lun­gen in den Fluss­tä­lern des Land­krei­ses zu schüt­zen. Viel ist ge­sche­hen, die Ar­beit geht wei­ter.

Land­kreis Bro­delnd rau­schen die brau­nen Was­ser­mas­sen der Ha­sel in die rei­ßen­den Flu­ten der Min­del. Am Wehr süd­lich der Thann­hau­ser Mit­tel­schu­le tanzt die wei­ße Gischt auf den gur­geln­den Wel­len. Das Hoch­was­ser im Au­gust 2005 war nur ei­nes un­ter vie­len, die in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten das Min­del­tal heim­such­ten und Mil­lio­nen­schä­den an­rich­te­ten. Nach dem Pfingst­hoch­was­ser 1999 wur­de im Landratsamt ernst­haft be­gon­nen, dar­über nach­zu­den­ken, wie die Sied­lun­gen im Min­del­tal künf­tig bes­ser ge­schützt wer­den kön­nen. Land­rat Hu­bert Haf­ner ver­sam­mel­te Ex­per­ten aus Be­hör­den, Ver­si­che­run­gen und Fir­men zu ei­nem ers­ten Hoch­was­ser­fo­rum. Klot­zen, nicht kle­ckern, soll­te die Ma­xi­me ei­nes ef­fek­ti­ven Hoch­was­ser­schutz­pro­jek­tes sein. Was ge­schieht, wenn je­de Kom­mu­ne ih­re ei­ge­ne Sup­pe kocht, lässt sich ganz gut an der Staats­stra­ße be­ob­ach­ten, die sich wie ei­ne Schlan­ge mal in ei­ner west- li­chen Um­ge­hung, mal in ei­ner öst­li­chen um die Min­del­tal­ge­mein­den win­det. Für ei­nen wirk­sa­men Hoch­was­ser­schutz muss­te ein grif­fi­ges Ge­samt­kon­zept her. „Das hängt ja al­les zu­sam­men, die­ses Pro­blem kann nicht ei­ner al­lein lö­sen“, sagt Land­rat Haf­ner. Ers­te Son­die­rungs­ge­sprä­che wur­den an­ge­lei­ert. Zwei Jah­re spä­ter fan­den sich die Bür­ger­meis­ter der Min­del­tal­kom­mu­nen zu ei­ner Son­der­sit­zung zu­sam­men.

Im De­zem­ber 2005 ei­nig­ten sich die Ge­mein­den Balz­hau­sen, Bur­gau, Bur­ten­bach, Jet­tin­gen-Scheppach, Müns­ter­hau­sen, Of­fin­gen, Thann­hau­sen und Urs­berg dar­auf, ein ge­mein­sa­mes Hoch­was­ser­schutz­pro­jekt so­li­da­risch um­zu­set­zen. Die Las­ten müs­sen ge­mein­sam ge­schul­tert, die Kos­ten ge­mein­sam ge­tra­gen wer­den. Al­lein der Hoch­was­ser­schutz für die Stadt Bur­gau – das wohl um­strit­tens­te Vor­ha­ben im Land­kreis – wird ge­schätzt et­wa 61 Mil­lio­nen Eu­ro ver­schlin­gen. Der Schutz­rie­gel quer durchs Min­del­tal zwi­schen Balz­hau­sen und Min­del­zell mit sei­nen mäch­ti­gen Dros­sel- wer­ken wird knapp 8 Mil­lio­nen Eu­ro kos­ten, Thann­hau­sen und Bur­ten­bach sum­mie­ren sich auf noch ein­mal knapp 13 Mil­lio­nen Eu­ro. An­ge­sichts sol­cher Sum­men wird hart ge­run­gen. Und es müs­sen sehr vie­le Ak­teu­re mit ins Boot ge­nom­men wer­den. Um hier ei­ne ge­mein­sa­me Li­nie zu fin­den, braucht es ei­ne Art Schieds­rich­ter, ei­nen Mo­de­ra­tor. Ge­nau das ist in Haf­ners Au­gen der Land­kreis. Zwar baut und un­ter­hält er kei­ne der ge­plan­ten oder be­reits um­ge­setz­ten Hoch­was­ser­schutz­maß­nah­men, und trägt in­so­fern auch kei­ne Kos­ten. Doch das Landratsamt ko­or­di­niert und schiebt die un­ter­schied­lichs­ten Pro­jek­te an. „Uns ist es wich­tig, dass hier et­was vor­wärts­geht“, be­tont Haf­ner.

Bei­spiel­haft ist in die­ser Hin­sicht das land­kreis­über­grei­fen­de Günz­tal­pro­jekt. Wäh­rend meh­re­re Bau­maß­nah­men ent­lang der Günz im Un­ter­all­gäu be­reits in An­griff ge­nom­men wur­den, hät­te es mit Dei­sen­hau­sen nur ei­ne ein­zi­ge Ge­mein­de im Land­kreis ge­trof­fen, die noch Hoch­was­ser­schutz­maß­nah­men hät­te um­set­zen müs­sen.

Da je­doch auch die fluss­ab­wärts ge­le­ge­nen Kom­mu­nen ent­lang der Günz da­von pro­fi­tie­ren, hat­ten sich der Land­rat und Ichen­hau­sens Alt­bür­ger­meis­ter Hans Kle­ment da­für stark ge­macht, dass auch die nörd­lich ge­le­ge­nen Günz­ge­mein­den ei­nen Obu­lus an Dei­sen­hau­sen ent­rich­ten.

„Das funk­tio­niert nur, wenn nicht je­der nur ego­is­tisch an sich denkt. Da kann man die Kom­mu­nal­po­li­ti­ker durch­aus auch mal lo­ben“, sagt Haf­ner. Aber auch die Bür­ger und Grund­stücks­ei­gen­tü­mer müs­sen für Jahr­hun­dert­pro­jek­te wie den Hoch­was­ser­schutz im Min­del­tal mit­ge­nom­men und be­tei­ligt wer­den. „Wir neh­men das sehr ernst im Landratsamt“, sagt Pe­ter Kauf­mann, Fach­be­reichs­lei­ter für Was­ser­recht. „Je­de Ein­wen­dung wird auf Herz und Nie­ren ge­prüft.“In al­len Fäl­len bis auf Thann­hau­sen – hier kla­gen zwei Bür­ger ge­gen die Um­set­zung – sind die Pro­jek­te oh­ne Kla­gen durch­ge­gan­gen.

Archivfoto: Dr. Hein­rich Lin­den­mayr

Mit un­be­re­chen­ba­rer Ge­walt strö­men die brau­nen Was­ser­mas­sen der Min­del und Ha­sel am Wehr süd­lich von Thann­hau­sen im Au­gust 2005 zu­sam­men. In den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren häuf­ten sich die Hoch­was­se­rer­eig­nis­se im Min­del­tal. Ein ef­fek­ti­ver Schutz der Sied­lun­gen ist drin­gend nö­tig.

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