Sta­bi­le Mehr­heit

Mittelschwaebische Nachrichten - - Aus Der Heimat - VON STE­FAN REINBOLD re­dak­ti­on@mit­tel­schwa­eb­si­che-nach­rich­ten­de Asyl­hel­fer

Län­ger als ein Jahr liegt es nun schon zu­rück, seit so vie­le Men­schen in un­ser Land flüch­te­ten. Vie­les hat sich seit­her ver­än­dert. Das ge­sell­schaft­li­che Kli­ma hat sich bin­nen kur­zer Zeit, wie in ei­nem Schnell­koch­topf, er­hitzt. Und wäh­rend die Kanz­le­rin nach wie vor ihr Man­tra „Wir schaf­fen das“vor sich her­trägt, oh­ne wirk­lich kon­kre­te Lö­sungs­we­ge auf­zu­zei­gen, wie sie das be­werk­stel­li­gen will, schrei­tet das Volk zur Tat. So vie­le eh­ren­amt­li­che Hel­fer wie noch nie in der Ge­schich­te der Re­pu­blik ar­bei­ten dar­an, dass die­ser Satz ir­gend­wie in Er­fül­lung ge­hen kann. Statt den Hass auf Men­schen zu pfle­gen und mit Wort­hül­sen von der christ­lich-abend­län­di­schen Kul­tur um sich zu schla­gen, pa­cken Men­schen wie im Thann­hau­ser Hel­fer­kreis dort an, wo Hil­fe be­nö­tigt wird.

Sie sind es, die in Deutsch­kur­sen, bei der ge­mein­sa­men Frei­zeit­ge­stal­tung mit Flücht­lin­gen und an­ders­wo vor­le­ben, was die­se christ­lich-abend­län­di­sche Kul­tur in ih­rem Kern aus­macht und sie so­mit wei­ter­ge­ben. Si­cher, auch sie ma­chen nicht im­mer nur gu­te Er­fah­run­gen. Wo Men­schen sind, da men­schelt es auch im­mer. Die Po­li­tik tut aber gut dar­an, den Men­schen ihr Ohr zu schen­ken, die ei­nen dif­fe­ren­zier­ten und un­auf­ge­reg­ten Blick auf die­se Her­aus­for­de­rung ha­ben, an­statt den laut­star­ken Dem­ago­gen.

Denn ei­nes muss man an die­ser Stel­le auch fest­hal­ten. Die Rech­ten mö­gen sich im Au­gen­blick zwar im Auf­wind be­fin­den. Man­che Welt­sicht, die vor we­ni­gen Jah­ren noch nur in muf­fig-dif­fu­sen Hin­ter­zim­mern vor­ge­tra­gen wer­den konn­te, wähnt sich jetzt als sa­lon­fä­hig. Die So­zia­len Me­di­en tra­gen ih­ren Teil da­zu bei. Aber es han­delt sich um ei­ne lau­te Min­der­heit. Die gro­ße Mehr­heit der Be­völ­ke­rung steht mit bei­den Bei­nen auf dem Bo­den des de­mo­kra­ti­schen Rechts­staats. Sie ver­dient ei­ne Po­li­tik oh­ne Scheu­klap­pen, aber kei­nen in­halts­lee­ren Po­pu­lis­mus.

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