Die Ra­che des frü­he­ren Sar­ko­zy-Ver­trau­ten

Wie Patrick Buis­son den Ex-Prä­si­den­ten mit ei­nem Buch de­mon­tie­ren will

Mittelschwaebische Nachrichten - - Politik - VON BIRGIT HOL­ZER

Pa­ris Ex-Prä­si­dent Jac­ques Chi­rac sei „kor­rupt, bös­ar­tig und gie­rig“, Ex-Pre­mier­mi­nis­ter François Fil­lon ein „jäm­mer­li­cher Typ“und der frü­he­re Staats­mi­nis­ter Chris­tan Estro­si ha­be nur „ei­ne Nuss im Kopf“. So soll Ni­co­las Sar­ko­zy sei­ne Par­tei­freun­de ver­un­glimpft ha­ben – oh­ne zu ah­nen, dass die Öf­fent­lich­keit je da­von er­fah­ren wür­de. Doch das tut sie spä­tes­tens heu­te, wenn das Buch des eins­ti­gen Prä­si­den­tenBe­ra­ters Patrick Buis­son „Die Sa­che des Vol­kes. Die ver­bo­te­ne Ge­schich­te der Prä­si­dent­schaft Sar­ko­zy“mit zahl­rei­chen Zi­ta­ten und An­ek­do­ten er­scheint.

Auch aus ei­ner Un­ter­hal­tung Sar­ko­zys mit Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel zi­tiert Buis­son. Sar­ko­zy soll scherz­haft zu ihr ge­sagt ha­ben: „Ich bin der Kopf, Sie sind die Bei­ne.“Die Kanz­le­rin ant­wor­te­te dem­nach un­ter An­spie­lung auf die deut­sche Fi­nanz­kraft in Eu­ro­pa: „Nein, ich bin die Bank.“

Zwei Mo­na­te vor den in­ter­nen Vor­wah­len, bei de­nen die Re­pu­bli­ka­ner ih­ren Kan­di­da­ten für die Prä­si­dent­schafts­wahl im Früh­jahr 2017 kü­ren, dient das Werk nur ei­nem Zweck: den Par­tei­chef und Mit­be­wer­ber Sar­ko­zy zu de­mon­tie­ren.

Der 67-jäh­ri­ge Buis­son, der dem Front Na­tio­nal na­he­steht und frü­her Chef der rechts­ex­tre­men Zeit­schrift „Mi­nu­te“war, galt einst als Prä­si­den­ten­flüs­te­rer und be­feu­er­te Sar­ko­zys ideo­lo­gi­schen Rechts­kurs. 2014 kam es zum Bruch, als Me­di­en Mit­schnit­te aus Buis­sons Dik­tier­ge­rät ver­öf­fent­lich­ten, der über Jah­re ver­trau­li­che Ge­sprä­che mit dem frü­he­ren Staats­chef, des­sen Frau Car­la Br­uni-Sar­ko­zy und en­gen Mit­ar­bei­tern mit­ge­schnit­ten hat­te. Dar­auf war un­ter an­de­rem zu hö­ren, wie Sar­ko­zy ge­gen Par­tei­kol­le­gen ätz­te und bei­spiels­wei­se von Fil­lon sag­te, er wür­de ihm ger­ne „eins in die Fres­se hau­en“. Der so un­schön Zi­tier­te reich­te dar­auf­hin Kla­ge ein und be­zeich­ne­te Buis­son als „Ver­rä­ter“. Das sei „das Wort zu viel“ge­we­sen, schreibt der Ex-Be­ra­ter nun – und rächt sich.

Äu­ßerst pi­kant sind die Pas­sa­gen, in de­nen der Au­tor An­nä­he­rungs­ver­su­che Sar­ko­zys an den frü­he­ren Chef des rechts­ex­tre­men Front Na­tio­nal (FN), Je­an-Ma­rie Le Pen, be­schreibt. Er zi­tiert den Kon­ser­va­ti­ven mit den Wor­ten, sei­ne kon­ser­va­ti­ve Par­tei ha­be „na­tür­lich ge­mein­sa­me Wer­te mit dem Front Na­tio­nal“.

Buis­son zu­fol­ge ließ Sar­ko­zy im Jahr 2006, da­mals noch als In­nen­mi­nis­ter, be­wusst Ju­gend-Un­ru­hen ge­gen ein Re­form­pro­jekt der Re­gie­rung es­ka­lie­ren und be­stell­te so­gar noch Pres­se­fo­to­gra­fen hin­zu, um sei­nem gro­ßen Ri­va­len, dem da­ma­li­gen Pre­mier­mi­nis­ter Do­mi­ni­que de Ville­pin, zu scha­den. An­schlie­ßend in­sze­nier­te er sei­nen Hel­den-Auf­tritt, schreibt Buis­son, um „stolz dar­auf zu zei­gen, wie sehr er die Si­tua­ti­on im Griff hat­te ge­gen­über ei­nem Pre­mier, der fest­ge­fah­ren war in ei­ner mör­de­ri­schen Kon­fron­ta­ti­on mit der Ju­gend“.

Fast zeit­gleich mit der Buch­ver­öf­fent­li­chung bringt auch das in­ves­ti­ga­ti­ve On­line-Ma­ga­zin Me­dia­part neu­en Är­ger für Sar­ko­zy: Es be­rich­te­te nun über den Fund des No­tiz­bu­ches des frü­he­ren, in­zwi­schen er­mor­de­ten li­by­schen Erd­öl­mi­nis­ters Chou­kri Gha­nem, in dem von drei Über­wei­sun­gen an Sar­ko­zy in Hö­he von ins­ge­samt 6,5 Mil­lio­nen Eu­ro die Re­de sei. Der­zeit er­mit­telt die Jus­tiz zu dem Vor­wurf, der frü­he­re Macht­ha­ber Li­by­ens, Mu­am­mar alG­ad­da­fi, ha­be sei­nen Wahl­kampf mas­siv ge­spon­sert. (afp)

Ni­co­las Sar­ko­zy

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.