Das selt­sa­me Mut­ter­land des Fuß­balls

Mittelschwaebische Nachrichten - - Panorama - VON TIL­MANN MEHL ti­me@augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Die spin­nen, die Bri­ten. Wer­fen den er­folg­reichs­ten Trai­ner raus, den die eng­li­sche Na­tio­nal­mann­schaft je­mals hat­te. Sieg­quo­te: 100 Pro­zent. Nur Klein­geis­ti­ge mer­ken an, dass Sam Al­lar­dy­ce das Team le­dig­lich in ei­nem Spiel be­treu­te. Wä­re es nach dem Mann ge­gan­gen, den sie in En­g­land „Big Sam“nen­nen, wä­ren noch et­li­che Par­ti­en da­zu­ge­kom­men.

Al­ler­dings sorg­te „Big Sam“für ei­ne Zo­te, die selbst in der poin­ten­rei­chen Fuß­ball­ge­schich­te bri­ti­scher Merk­wür­dig­kei­ten ei­ne ge­son­der­te Stel­lung ein­nimmt. Was nicht leicht ist in ei­nem Land, in dem Spie­ler blau­er als der Mor­gen­him­mel zum Trai­ning er­schei­nen (Paul Gas­coig­ne et al.), mit Luft­ge­weh­ren auf Prak­ti­kan­ten schie­ßen (Ash­ley Co­le) oder dem Mann­schafts­ka­me­ra­den die Freun­din aus­span­nen (John Ter­ry).

Ein sim­pler Fehl­tritt im be­ruf­li­chen oder pri­va­ten Um­feld reicht in En­g­land nicht, um ge­feu­ert zu wer­den. Auf schnö­den Miss­er­folg re­agiert man in Bri­tan­ni­en gleich­gül­tig. Lou­is van Gaal duf­te zwei Jah­re in Man­ches­ter oh­ne sicht­ba­ren Fort­schritt vor sich hin ego­ma­nen. Roy Hodg­son muss­te nach der Nie­der­la­ge im EM-Ach­tel­fi­na­le ge­gen Is­land schon von sich aus zu­rück­tre­ten. Das Wet­ter schlägt ir­gend­wann lo­gi­scher­wei­se auf das Ge­müt. Da­bei ist es nicht so, dass der Ne­bel das Land im­mer in tris­tes Grau taucht. Manch­mal ver­zieht er sich und gibt den Re­gen­wol­ken den nö­ti­gen Platz.

Es braucht schon mehr als ei­ne Pri­se Irr­witz, um von sei­nen Auf­ga­ben ent­bun­den zu wer­den. So wie Sam Al­lar­dy­ce. Der steck­te fern­öst­li­chen Ge­schäfts­män­nern, wie man am bes­ten auf se­mi­le­ga­lem Weg an Trans­fers par­ti­zi­piert. Mach­te sich we­nig spä­ter über den Sprach­feh­ler von Vor­gän­ger Roy Hodg­son lus­tig (der statt ei­nes „R“im­mer ein „W“spricht – ein Phä­no­men, dass je­der re­gel­mä­ßi­ge Pu­bBe­su­cher an sich selbst be­ob­ach­ten kann). Und ver­gaß, dass es nicht mehr en vo­gue ist, das bri­ti­sche Kö­nigs­haus ver­bal an­zu­ge­hen. Blöd für „Big Sam“, dass die Ge­schäfts­män­ner nicht aus Fer­n­ost stamm­ten, son­dern von ei­ner Zei­tungs­re­dak­ti­on ent­sandt wur­den, um ihn aus­zu­hor­chen. Noch blö­der, dass die Jour­na­lis­ten dem eng­li­schen Fuß­ball­ver­band das so ent­stan­de­ne Ma­te­ri­al zu­gäng­lich mach­ten. In­te­rims­trai­ner der Na­tio­nal­mann­schaft ist nun Ga­reth Sou­th­ga­te. Der ist den deut­schen Fuß­ball­fans vor al­lem da­durch be­kannt, dass er im Halb­fi­na­le der EM 1996 mit ei­nem Elf­me­ter an Andre­as Köp­ke schei­ter­te. Was wie­der­um zur wohl wun­der­lichs­ten Schwä­che der Bri­ten führt. Aber das ist ei­ne an­de­re Ge­schich­te.

Der bri­ti­sche Uni­on Jack.

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