Auf Ta­l­ent­su­che

Die Me­dail­len­aus­beu­te deut­scher Sport­ler bei Olym­pia hat sich seit 1992 fast hal­biert. Mit hö­he­rer Ef­fi­zi­enz und bes­se­rer Steue­rung soll es künf­tig mehr Er­folg ge­ben

Mittelschwaebische Nachrichten - - Sport -

Ber­lin Po­ten­zi­alori­en­tiert, ef­fi­zi­en­ter und mit ei­ner Kon­zen­tra­ti­on auf we­ni­ger Stütz­punk­te soll der deut­sche Spit­zen­sport wie­der auf Kurs ge­bracht wer­den. Dies sieht der Ent­wurf zur Re­form der Leis­tungs­sport­för­de­rung vor, der ges­tern dem Sport­aus­schuss des Bun­des­ta­ges vor­ge­stellt wur­de. Mit dem neu­en Kon­zept hof­fen der Deut­sche Olym­pi­sche Sport­bund (DOSB) und das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um (BMI), den Ab­wärts­trend bei Olym­pia stop­pen zu kön­nen. Seit den Som­mer­spie­len 1992 hat sich die Me­dail­len­aus­beu­te fast hal­biert: In Bar­ce­lo­na hol­ten die deut­sche Ath­le­ten noch 82 Me­dail­len, in At­lan­ta 1996 wa­ren es nur noch 65, zu­letzt in Rio spran­gen nur noch 42 Me­dail­len her­aus.

Nicht mehr die Er­geb­nis­se der Ver­gan­gen­heit, son­dern das Er­folgs­po­ten­zi­al für die Zu­kunft steht bei der zu­künf­ti­gen Sport­för­de­rung im Mit­tel­punkt. So sol­len Sport­ler und Dis­zi­pli­nen mit ho­hen Me­dail­len­chan­cen deut­lich stär­ker un­ter­stützt wer­den. Auch das Um­feld wird nun stär­ker bei der Un­ter­stüt­zung be­rück­sich­tigt. Da­mit soll auch ver­hin­dert wer­den, dass er­folg­rei­che Trai­ner ins Aus­land ab­wan­dern. Fehlt da­ge­gen ei­ne Per­spek­ti­ve, so kön­nen gan­ze Dis­zi­pli­nen durch das Ras­ter fal­len.

Da­für wird auch die Struk­tur der Stütz­punk­te ver­än­dert. „Künf­tig wol­len wir uns Ge­dan­ken dar­über ma­chen, wo be­ste­hen die bes­ten Chan­cen, in vier, acht oder zwölf Jah­ren de­fi­ni­tiv Er­fol­ge zu si­chern“, sag­te DOSB-Chef Al­fons Hör­mann. Die 130 Dis­zi­plin­grup­pen aus Som­mer­und Win­ter­sport sol­len auf Me­dail­len­taug­lich­keit durch­leuch­tet wer­den. In der Ver­gan­gen­heit hat­ten die Ver­bän­de noch ei­ne Sum­me X er­hal­ten und das Geld dann ver­teilt. Da­mit ist nun Schluss. Ein­zel­ne Dis­zi­pli­nen wer­den nun in drei Grup­pen un­ter­teilt: Die höchs­te För­de­rung gibt es im Ex­zel­lenz- clus­ter, die zwei­te Grup­pe bil­det das Po­ten­zi­al­clus­ter und muss Ab­stri­che bei der För­de­rung hin­neh­men. In der drit­ten Grup­pe sind Dis­zi­pli­nen oh­ne Er­folgs­po­ten­zi­al ver­tre­ten, sie müs­sen deut­li­che fi­nan­zi­el­le Ein­bu­ßen hin­neh­men, so­gar ein kom­plet­ter För­de­rungs­stopp ist mög­lich. Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re hat­te be­reits zu Jah­res­be­ginn die Struk­tu­ren im deut­schen Sport kri­ti­siert und 30 Pro­zent mehr Me­dail­len ge­for­dert. So wird das BMI zu­künf­tig die Ver­tei­lung der Gel­der nicht mehr dem DOSB und den Ver­bän­den über­las­sen. Die Olym­pia-Stütz­punk­te sol­len zu­künf­tig von 19 auf 13 re­du­ziert wer­den, bei den Bun­des­stütz­punk­ten sol­len 20 Pro­zent weg­fal­len. Nach Mei­nung von DOSB-Prä­si­dent Hör­mann könn­te ge­ra­de die baye­ri­sche Olym­pia­stütz­punkt-Or­ga­ni­sa­ti­on ein Vor­bild sein. Der An­teil baye­ri­scher Ath­le­ten an deut­schen Me­dail­len bei den Win­ter­spie­len 2014 in Sot­schi be­trug her­aus­ra­gen­de 59 Pro­zent, bei den Som­mer­spie­len be­steht da­ge­gen noch gro­ßer Nach­hol­be­darf. Die­ses Jahr brach­ten es die Bay­ern nur auf 8,36 Pro­zent – weit ent­fernt von der an­ge­streb­ten Ziel­grö­ße von 15 Pro­zent.

Die Ein­zel­me­dail­len (zwei­mal Gold und ein­mal Sil­ber) ge­wan­nen in Rio aus­schließ­lich Sport­schüt­zen, die Augs­bur­ger Ka­nu­sla­lom-Spe­zia­lis­ten gin­gen leer aus. Aber Han­nes Ai­g­ner (Rang vier), Si­de­ris Ta­sia­dis (Platz fünf) und Me­la­nie Pfei­fer (Rang sie­ben) wa­ren zu­min­dest dem Edel­me­tall na­he. Dank der er­folg­rei­chen Fuß­ball- und Ho­ckey­mann­schaf­ten (u.a. mit FCA-Pro­fi Phil­ipp Max) kam Bay­ern nach ei­ner Rech­nung des Olym­pia­stütz­punkts Bay­ern auf 3,51 Me­dail­len in Bra­si­li­en – ei­ne klei­ne Ver­bes­se­rung im Ver­gleich zu 2008 in Pe­king (3,06) und Lon­don 2012 (3,12). Im­mer­hin ge­hör­ten dies­mal 37 baye­ri­sche Ath­le­ten dem deut­schen Team an. Span­nend ist noch die Fra­ge nach der Hö­he der Fi­nan­zie­rung. Bis­lang hat das BMI jähr­lich rund 160 Mil­lio­nen Eu­ro bei­ge­steu­ert, die Sport­ler wol­len mehr. (dpa/pe­de)

Fo­to: ima­go

Ju­bel über die Gold­me­dail­le in Rio: Bar­ba­ra En­g­le­der.

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