Auch die Zu­satz­ver­si­che­rung wird jetzt teu­rer

Bei­trags­er­hö­hun­gen der Pri­vat­kas­sen lö­sen po­li­ti­schen Streit aus. Was die Ver­brau­cher­schüt­zer ra­ten

Mittelschwaebische Nachrichten - - Erste Seite - VON JOACHIM BOMHARD

Augs­burg Mo­nat­lich 50 Eu­ro und mehr wird ein gro­ßer Teil der pri­vat Kran­ken­ver­si­cher­ten ab dem kom­men­den Jahr zu­sätz­lich an die Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men be­zah­len müs­sen. Be­trof­fen von der Bei­trags­er­hö­hung um im Schnitt rund elf Pro­zent sind nicht nur et­wa zwei Drit­tel der rund 8,8 Mil­lio­nen Voll­ver­si­cher­ten. Auch et­wa je­der zehn­te ge­setz­lich Ver­si­cher­te, der ei­ne pri­va­te Zu­satz­ver­si­che­rung bei­spiels­wei­se für Zahn­er­satz oder fürs Zwei­bett­zim­mer im Kran­ken­haus hat, wird wohl künf­tig deut­lich mehr be­zah­len müs­sen. Das wä­ren noch­mals 2,5 Mil­lio­nen Ver­si­cher­te.

Über hö­he­re Bei­trä­ge wird auch bei den ge­setz­li­chen Kas­sen dis­ku­tiert. Hier könn­te der Zu­satz­bei­trag, den die Ver­si­cher­ten al­lei­ne tra­gen müs­sen, an­ge­passt wer­den. Kon­kre­te Ent­schei­dun­gen sind aber noch nicht be­kannt. Der­zeit liegt der Zu­satz­bei­trag je nach Kas­se zwi­schen null und 1,9 Pro­zent.

Wie be­rich­tet, sol­len pri­va­te Ver­si­che­run­gen nicht nur we­gen stei­gen­der Kos­ten in der Ge­sund­heits­ver­sor­gung teu­rer wer­den, son­dern auch we­gen feh­len­der Zins­ein­nah­men auf die mil­li­ar­den­schwe­ren Rück­la­gen – ei­ne Fol­ge der Null­zins­po­li­tik der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB). Be­trof­fe­ne Kun­den sol­len ab No­vem­ber schrift­lich in­for­miert wer­den.

Die An­kün­di­gun­gen des Ver­ban­des der Pri­va­ten Kran­ken­kas­sen (PKV) ha­ben um­ge­hend ei­ne po­li­ti­sche De­bat­te ent­facht. Der stell­ver­tre­ten­de Frak­ti­ons­chef und Ge­sund­heits­ex­per­te der Uni­on im Bun­des­tag, Ge­org Nüß­lein (CSU), aus Müns­ter­hau­sen (Kreis Günz­burg), for­der­te ge­gen­über un­se­rer Zei­tung Re­for­men, um bei­spiels­wei­se auf ge­setz­li­chen Vor­ga­ben be­ru­hen­de sprung­haf­te Bei­trags­er­hö­hun­gen zu ver­hin­dern. Die Ver­si­che­run­gen dür­fen ih­re ein­zel­nen Ta­ri­fe bis­her nur an­pas­sen, wenn die Aus­ga­ben um zehn Pro­zent ge­stie­gen sind. Ge­setz­li­che Kas­sen kön­nen hin­ge­gen ih­re Bei­trä­ge per­ma­nent er­hö­hen, falls er­for­der­lich.

Um die pri­vat Ver­si­cher­ten zu ent­las­ten, ver­lang­te Nüß­lein auch ei­ne Ab­kehr von der „skla­vi­schen Abrech­nung“nach der Ge­büh­ren­ord­nung. Der PKV soll­ten Mög­lich­kei­ten ein­ge­räumt wer­den, mit Ärz­ten, Kran­ken­häu­sern oder Arz­nei­mit­tel­her­stel­lern Ver­trä­ge ab­zu­schlie­ßen, um dann Ra­bat­te aus­han­deln zu kön­nen. Im Be­reich der ge­setz­li­chen Kas­sen sei das „schon lan­ge Usus“. Auf der an­de­ren Sei­te will Nüß­lein den Ver­si­cher­ten den Wech­sel zu ei­nem an­de­ren An­bie­ter er­leich­tern: „Ein­mal drin in ei­ner

Auch ge­setz­li­che Kas­sen könn­ten teu­rer wer­den

Ver­si­che­rung und das dann le­bens­lang – das muss nicht sein“, sag­te er. Da ge­be es kei­nen Wett­be­werb.

Nüß­leins SPD-Ge­gen­über Karl Lau­ter­bach lehn­te Än­de­run­gen ab: „Wir sind nicht die Knech­te der PKV-Lob­by, die­se Zei­ten sind vor­bei“, sag­te er der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen. Die ge­sund­heits­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Lin­ken, Kath­rin Vog­ler, er­klär­te: „Das Ge­schäfts­mo­dell der pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­run­gen ist am En­de.“Nüß­lein ver­wies hin­ge­gen dar­auf, dass un­ter den Ver­si­cher­ten auch Rent­ner, klei­ne­re Hand­wer­ker und Men­schen mit mitt­le­rem Ver­dienst sind.

Was kön­nen Be­trof­fe­ne jetzt tun? Ste­phan Nu­ding von der Ver­brau­cher­zen­tra­le Bay­ern emp­fiehlt ei­ner­seits, ei­nen je­der­zeit mög­li­chen Ta­rif­wech­sel in­ner­halb der Ver­si­che­rung zu prü­fen. Vor al­lem lang­jäh­rig Ver­si­cher­te könn­ten so das Ver­sor­gungs­ni­veau hal­ten, die Bei­trags­last aber sen­ken. Auf der an­de­ren Sei­te kön­ne auch über­legt wer­den, auf Leis­tun­gen zu ver­zich­ten, bei­spiels­wei­se Zwei­bett- statt Ein­bett­zim­mer. »Kom­men­tar

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