Oet­tin­ger steigt auf

Deut­scher jetzt auch für den Etat zu­stän­dig

Mittelschwaebische Nachrichten - - Politik - VON DETLEF DREWES

Brüs­sel Es könn­te der Be­ginn ei­nes grö­ße­ren Stüh­le­rü­ckens in Eu­ro­pas wich­tigs­ter Be­hör­de wer­den: Gün­ther Oet­tin­ger, 62, als deut­scher EU-Kom­mis­sar bis­her für di­gi­ta­le Fra­gen wie Ur­he­ber­recht und Breit­band­aus­bau zu­stän­dig, wird nun auch noch den EU-Haus­halt ver­wal­ten dür­fen. Zu­nächst ein­mal zwar nur für (min­des­tens) ei­nen Mo­nat. Denn die ei­gent­lich zu­stän­di­ge Kol­le­gin, die Bul­ga­rin Kris­ta­li­na Ge­or­gie­wa, 63, gilt als aus­sichts­rei­che An­wär­te­rin auf den Stuhl des Ge­ne­ral­se­kre­tärs der Ver­ein­ten Na­tio­nen. Für ih­ren Wahl­kampf wech­selt sie nach New York.

Oet­tin­gers zu­nächst zeit­wei­li­ge Be­för­de­rung kommt nicht von un­ge­fähr. Dass Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Je­an-Clau­de Juncker auf den frü­he­ren CDU-Mi­nis­ter­prä­si­den­ten von Ba­den-Würt­tem­berg ver­fiel, be­schrieb ei­ne Spre­che­rin als „lo­gi­sche Wahl“. Im­mer­hin sei Oet­tin­ger „der dienst­äl­tes­te Kom­mis­sar“. Er und Juncker schät­zen sich. Bei­de gel­ten als Ak­ten­fres­ser.

Die Über­nah­me des Haus­halts­res­sorts kommt zu ei­nem bri­san­ten Zeit­punkt. Ei­ne Über­prü­fung der EU-Aus­ga­ben steht an. Man er­war­tet sich Aus­sa­gen dar­über, wel­che Las­ten im Fal­le ei­nes Aus­schei­dens der Bri­ten auf die Mit­glieds­staa­ten zu­kom­men. Un­ter an­de­rem Ber­lin dringt dar­auf, dass die EU-Auf­ga­ben zu­rück­ge­stutzt wer­den.

Soll­te Ge­or­gie­wa UN-Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin wer­den, wür­de Bul­ga­ri­en ei­ne neue Kom­mis­sa­rin ent­sen­den. Aber Juncker nimmt die Auf­ga­ben­ver­tei­lung vor – und Oet­tin­ger könn­te so­gar Vi­ze­prä­si­dent wer­den. Die ira­ki­sche Wis­sen­schaft­le­rin, Jour­na­lis­tin und Frau­en­recht­le­rin Ya­nar Mo­ham­med er­hält in die­sem Jahr den Men­schen­rechts­preis der nor­we­gi­schen Raf­to-Stif­tung. Die 55-jäh­ri­ge Ira­ke­rin ist Mit­grün­de­rin und Vor­sit­zen­de der Or­ga­ni­sa­ti­on für die Frei­heit der Frau­en im Irak, die weib­li­chen Ge­walt­op­fern Schutz bie­tet. Der Stif­tung zu­fol­ge nah­men ge­gen Frau­en ge­rich­te­te Miss­hand­lun­gen und Ge­walt er­heb­lich zu. Da­zu ge­hör­ten auch Ver­ge­wal­ti­gun­gen und Ver­schlep­pun­gen in die Zwangs­pro­sti­tu­ti­on so­wie so­ge­nann­te Eh­ren­mor­de. Die Men­schen­rechts­ver­bre­chen wür­den nicht nur von der Ter­ror­mi­liz IS, son­dern auch von ira­ki­schen Be­hör­den und von Grup­pen ver­übt. (afp)

Gün­ther Oet­tin­ger

Ya­nar Mo­ham­med

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