Tau­sen­de Bank-Jobs fal­len weg

Com­merz­bank-Chef streicht ra­di­kal Stel­len

Mittelschwaebische Nachrichten - - Wirtschaft -

Frank­furt am Main Der neue Com­merz­bank-Chef Mar­tin Ziel­ke will das In­sti­tut mit ei­nem har­ten Spar­kurs und ei­nem ra­di­ka­len Um­bau aus der Kri­se füh­ren. Bis En­de 2020 sol­len un­ter dem Strich 7300 der der­zeit gut 45000 Voll­zeit­stel­len weg­fal­len. Da­bei will der teil­ver­staat­lich­te Dax-Kon­zern 9600 Ar­beits­plät­ze strei­chen und gleich­zei­tig rund 2300 neue Jobs in Wachs­tums­fel­dern schaf­fen. Die end­gül­ti­gen Ent­schei­dun­gen will der Vor­stand nach Be­ra­tun­gen mit dem Auf­sichts­rat am heu­ti­gen Frei­tag tref­fen. Ob es be­triebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen ge­ben wird, ließ das In­sti­tut zu­nächst of­fen. Die Bank rech­net da­mit, dass das Spar­pro­gramm über die Jah­re rund 1,1 Mil­li­ar­den Eu­ro et­wa für Ab­fin­dun­gen kos­ten wird. Um dies zu fi­nan­zie­ren, müs­sen die Ak­tio­nä­re – ent­ge­gen bis­he­ri­ger Plä­ne – vor­erst auf ei­ne Di­vi­den­de ver­zich­ten.

Ein Groß­teil der „Stra­te­gie Com­merz­bank 4.0“war be­reits in den ver­gan­ge­nen Ta­gen durch­ge­si­ckert. Die Bör­se re­agier­te am Don­ners­tag er­nüch­tert: Com­merz­bank-Ak­ti­en ga­ben nach der Mit­tei­lung zur neu­en Stra­te­gie ih­re vor­he­ri­gen Ge­win­ne ab und dreh­ten ins Mi­nus.

Mit dem Um­bau stemmt sich der seit Mai am­tie­ren­de Vor­stands­chef Ziel­ke ge­gen den neu­er­li­chen Ge­winn­schwund. Das In­sti­tut kämpft wie die Kon­kur­renz mit den Fol­gen des an­hal­ten­den Zin­stiefs und deut­lich ver­schärf­ten Auf­la­gen der Bank-Auf­se­her. Im ers­ten Halb­jahr brach der Über­schuss im Ver­gleich zum Vor­jah­res­zeit­raum um mehr als 40 Pro­zent auf 372 Mil­lio­nen Eu­ro ein. Schon in den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren hat­te die Bank un­ter Ziel­kes Amts­vor­gän­ger Mar­tin Bles­sing et­wa 5000 Stel­len ge­stri­chen.

Künf­tig will sich die Com­merz­bank auf zwei Ge­schäfts­fel­der kon­zen­trie­ren: Pri­vat­kun­den so­wie Fir­men­kun­den. Da­zu wer­den die Seg­men­te Mit­tel­stands­bank und das In­vest­ment­ban­king ge­bün­delt und das schwan­kungs­an­fäl­li­ge Han­dels­ge­schäft ein­ge­dampft. Zu­dem sol­len klei­ne­re Un­ter­neh­mens­kun­den vom Pri­vat­kun­den­be­reich be­treut wer­den. Auch In­ves­ti­tio­nen sind ge­plant. So will die Bank ih­re Auf­ga­ben mas­siv au­to­ma­ti­sie­ren. Rund 80 Pro­zent der Pro­zes­se soll­ten künf­tig di­gi­tal ab­lau­fen. Da­von ver­spricht sich das Ma­nage­ment „si­gni­fi­kan­te Ef­fi­zi­enz­ge­win­ne“.

An ih­rem im Bran­chen­ver­gleich um­fang­rei­chen Fi­li­al­netz will das In­sti­tut nach frü­he­ren Aus­sa­gen fest­hal­ten. Im Zu­ge des neu­er­li­chen Schrumpf­kur­ses muss die Bank be­reits in der Bi­lanz für das drit­te Quar­tal Ab­schrei­bun­gen von rund 700 Mil­lio­nen Eu­ro vor­neh­men. Des­halb er­war­tet sie in der Zwi­schen­bi­lanz ei­nen Ver­lust. Für das Ge­samt­jahr rech­net die Com­merz­bank den­noch mit ei­nem leich­ten Über­schuss. An­ge­sichts des Drucks durch die nied­ri­gen Zin­sen er­war­tet die Bank kei­ne gro­ßen Sprün­gen bei den Ein­nah­men. (dpa)

Fo­to: An­ne De­dert, dpa

Die Com­merz­bank steckt in ei­ner tie­fen Kri­se.

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