Jung trifft auf Alt

Leip­zig ge­gen FCA ist ein Ge­ne­ra­tio­nen-Du­ell

Mittelschwaebische Nachrichten - - Panorama -

Ha­sen­hüttl: Ich ver­fol­ge das sehr in­ten­siv, mein Sohn Patrick spielt dort in der zwei­ten Mann­schaft.

Ih­rem Nach­fol­ger Mar­kus Kauc­zin­ski feh­len die Er­geb­nis­se. Sie ken­nen das In­gol­städ­ter Um­feld. Wie viel Zeit wird er be­kom­men? Ha­sen­hüttl: Kann ich nicht be­ant­wor­ten. Ich fin­de, die Mann­schaft ver­kauft sich bes­ser, als es die Er­geb­nis­se aus­drü­cken. Ich wün­sche der Trup­pe, dass sie die Wen­de schafft. Der Ka­der hat sich kaum ver­än­dert und ich glau­be, dass die Mann­schaft die Qua­li­tät hat, die Klas­se er­neut zu hal­ten.

Sie sind ein Bei­spiel für ei­nen Trai­ner, der aus ei­nem lau­fen­den Ver­trag ge­kauft wur­de. Frü­her wur­de vor al­lem für Spie­ler be­zahlt. Wird Ihr Be­rufs­stand durch Mil­lio­nen-Trans­fers auf­ge­wer­tet? Ha­sen­hüttl: Von der Sei­te ha­be ich es noch gar nicht be­trach­tet. Ich glau­be, die Be­gehr­lich­kei­ten nach er­folg­rei­chen Trai­nern wer­den im­mer grö­ßer – und die ste­hen dann meist un­ter Ver­trag. Will man ei­nen er­folg­rei­chen Trai­ner un­be­dingt ha­ben, muss man für ihn ei­ne Ab­lö­se zah­len. Das ist ei­ne lo­gi­sche Ent­wick­lung.

Als Spie­ler wa­ren Sie nicht in der Bun­des­li­ga ak­tiv, als Trai­ner sind Sie in der ers­ten Li­ga er­folg­reich. Was macht der Trai­ner Ha­sen­hüttl bes­ser als der Spie­ler? Ha­sen­hüttl: (Lacht) Der Trai­ner Ha­sen­hüttl muss nicht so viel lau­fen. Ist das der ein­zi­ge Grund? Ha­sen­hüttl: (Lacht wei­ter) Ich glau­be schon.

Ih­rer Mann­schaft fehlt Bun­des­li­ga­er­fah­rung, den­noch spielt sie er­folg­reich. Hät­ten Sie da­mit ge­rech­net, dass es gleich so gut läuft? Ha­sen­hüttl: Rech­nen konn­ten wir da­mit nicht. Die Leis­tun­gen sind aber bis­lang sehr kon­stant. Für uns war wich­tig zu se­hen, dass wir mit­hal­ten kön­nen.

Wel­che Spie­ler­ty­pen be­nö­ti­gen Sie für Ih­re Art, Fuß­ball spie­len zu las­sen? Ha­sen­hüttl: Das muss kein au­ßer­ge­wöhn­li­cher Spie­ler­typ sein. Er muss dis­zi­pli­niert, lern­wil­lig und ver­ant­wor­tungs­be­wusst sein. Ein bis­serl Fuß­ball­spie­len soll­te er auch kön­nen – dann passt das ei­gent­lich al­les.

Die Kon­kur­renz ist ge­warnt. Rech­nen Sie da­mit, dass geg­ne­ri­sche Teams künf­tig de­fen­si­ver ge­gen Sie auf­tre­ten? Ha­sen­hüttl: Nein. Wir sind Auf­stei­ger und wol­len uns in der Li­ga eta­blie­ren. Die an­de­ren sind vi­el­leicht ge­warnt. Aber nur ab­war­tend spielt in der Bun­des­li­ga so­wie­so nie­mand.

Der FC Augs­burg legt sein Au­gen­merk den­noch auf die De­fen­si­ve. Ha­sen­hüttl: Die Mann­schaft ist in die Eu­ro Le­ague ge­kom­men, weil sie gut nach vor­ne ge­spielt hat. Vi­el­leicht hat sie un­ter dem neu­en Trai­ner ei­ne et­was an­de­re Her­an­ge­hens­wei­se.

Der har­te Kern der FCA-Fans boy- Augs­burg Leip­zig ge­gen Augs­burg. Oder auch: die jüngs­te ge­gen die äl­tes­te Mann­schaft der Bun­des­li­ga. FCA-Trai­ner Dirk Schus­ter lä­chelt, wenn man ihn dar­auf an­spricht, und sagt: „Er­fah­rung kann man sich nicht kau­fen.“Nach fünf Spiel­ta­gen ist der Auf­stei­ger RB Leip­zig (neun Punk­te) noch un­ge­schla­gen und muss sich auch die Fa­vo­ri­ten­rol­le auf das Au­ge drü­cken las­sen. „Sie ver­su­chen, mit we­ni­gen Ball­kon­tak­ten schnell nach vor­ne zu kom­men und so ge­gen ei­nen un­ge­ord­ne­ten Geg­ner Chan­cen zu kre­ieren“, meint Schus­ter. Al­ler­dings scheint der ei­nen Plan zu ha­ben: „Ich den­ke, wir ha­ben in der Ana­ly­se ein paar Punk­te ent­deckt, an de­nen wir sie kna­cken kön­nen.“Schus­ter muss in Leip­zig wei­ter auf die Ver­letz­ten Bo­ba­dil­la, Call­sen-Bra­cker, Kohr, Cai­u­by und Mora­vek ver­zich­ten. Rund 600 Fans wer­den den FCA nach Leip­zig be­glei­ten. Die Ul­tras des Klubs wer­den das Spiel al­ler­dings boy­kot­tie­ren. Sie fol­gen da­mit dem Bei­spiel an­de­rer Klubs. Die Vor­wür­fe an RB Leip­zig sind be­kannt: Tra­di­ti­on und Wer­te des Fuß­balls wür­den ver­nach­läs­sigt. Statt­des­sen wer­de der Klub zu Mar­ke­ting­zwe­cken miss­braucht. (wla)

Der mo­der­ne Hoch­leis­tungs­sport hat ro­man­ti­schen Epi­so­den die­ser Art den Gar­aus ge­macht. Wer nach oben will, darf nicht auf den Him­mel hof­fen. Erst recht nicht, wenn es gan­ze Na­tio­nen sind, die auf olym­pi­schen Me­dail­len­spie­geln ihr An­se­hen in der Sport­welt do­ku­men­tiert se­hen wol­len. Mehr als die ein­zel­nen Ath­le­ten sind das die Sport­ver­bän­de und der Staat selbst, der im vor­lie­gen­den deut­schen Fall 160 Mil­lio­nen Eu­ro in den Hoch­leis­tungs­sport in­ves­tiert.

Das hät­te er ger­ne mit ei­nem Spit­zen­platz im Me­dail­len­spie­gel in Gold und Sil­ber und Bron­ze zu­rück­be­zahlt be­kom­men. Schließ­lich exis­tiert der Sport nicht um sei­ner selbst. Er ist noch im­mer ge­sell­schaft­li­che und po­li­ti­sche Pro­jek­ti­ons­flä­che – auch wenn die Me­dail­len­aus­beu­te als Hin­wei­se auf die Über­le­gen­heit ei­nes po­li­ti­schen Sys­tems aus­ge­dient hat. Die Deut­schen wa­ren mit ih­ren Olym­pio­ni­ken bis­lang zu­frie­den. Platz sechs un­ter den bes­ten Na­tio­nen der Welt in Sot­schi, Platz fünf in Rio – die Sor­ge der Men­schen der Sport­stand­ort D. wer­de bald brach­lie­gen, hielt sich in Gren­zen. Und ob die 160 Mil­lio­nen Eu­ro ver­pul­vert oder gut in­ves­tiert sind, lässt sich nur be­grenzt an der Me­dail­len­aus­beu­te be­mes­sen.

Un­ge­ach­tet des­sen ha­ben Funk­tio­nä­re und Po­li­ti­ker den deut­schen Spit­zen­sport in Ab­stiegs­ge­fahr ge­se­hen und ei­nen neu­en Mas­ter­plan auf­ge­legt. Deutsch­land soll im olym­pi­schen Sport wie­der ganz vor­ne mit­spie­len, lau­te­te die Lo­sung. Das kann ei­nen, mit Blick auf das Do­ping­pro­blem, auch er­schre­cken. Dass sich deut­sche Sport­ler in ei­nem ver­gleichs­wei­se eng ge­knüpf­ten Kon­troll­netz be­we­gen, ist mög­li­cher­wei­se ein Grund da­für, dass die Me­dail­len­aus­beu­te an­dern­orts schnel­ler wächst. Der deut­sche Sport aber soll fair und sau­ber blei­ben. Das wird schwie­rig. Wenn es auf den letz­ten Me­tern eng wird, ent­schei­den in­ter­na­tio­nal Ana­bo­li­ka, EPO und an­de­re syn­the­ti­sche Be­schleu­ni­ger. Un­ter dem Ge­bot der Fair­ness wä­re we­ni­ger dann mehr.

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