Sie sind das Sprach­rohr für Neu­burgs Ju­gend

Das Ju­gend­par­la­ment in Neu­burg an der Kam­mel stellt so ei­ni­ges auf die Bei­ne. Doch es gibt auch ein Pro­blem

Mittelschwaebische Nachrichten - - K!ar.text - VON JU­LIA SCHORER

Neu­burg/Kam­mel Sei es der Bar­fuß­pfad an der Kam­mel in Neu­burg, das Fe­ri­en­pro­gramm im Sommer oder ein al­ko­hol­frei­er Cock­tail­stand am Markt­fest – al­les Din­ge, die das Ju­gend­par­la­ment in Neu­burg auf die Bei­ne ge­stellt hat. Was ein Ju­gend­par­la­ment macht? „Wir för­dern Ju­gend­li­che und set­zen uns für die­se ein. Haupt­säch­lich or­ga­ni­sie­ren wir Ak­ti­vi­tä­ten für Ju­gend­li­che“, er­klärt Le­na Zim­mer. Die 19-Jäh­ri­ge kommt aus dem Neu­bur­ger Orts­teil Lan­gen­has­lach und ist der­zeit Prä­si­den­tin des Ju­gend­par­la­ments. Ihr Stell­ver­tre­ter ist der 20-jäh­ri­ge Se­bas­ti­an Wa­gner aus Edel­stet­ten.

Das Ju­gend­par­la­ment in Neu­burg setzt sich der­zeit aus 13 jun­gen Men­schen aus den ver­schie­de­nen Orts­tei­len von Neu­burg an der Kam­mel zu­sam­men. Ge­wählt wur­den die Mit­glie­der des Par­la­ments von den ju­gend­li­chen Ein­woh­nern der Markt­ge­mein­de Neu­burg – und mit rich­ti­gen Wahl­zet­teln, die al­len Ju­gend­li­chen in der Ge­mein­de Neu­burg zu­ge­schickt wur­den.

Die Auf­ga­ben die­ses Par­la­ments sind es, die Be­lan­ge der Ju­gend­li­chen zu för­dern, Ver­an­stal­tun­gen zu or­ga­ni­sie­ren und ein Fe­ri­en­pro­gramm zu ver­wirk­li­chen. „Wir hat­ten die­ses Jahr au­ßer­dem beim Markt­fest in Neu­burg ei­nen Stand, da gab es al­ko­hol­freie Cock­tails“, er­zählt Le­na. Auch ein Ki­cker­tur­nier und die jähr­li­che Or­ga­ni­sa­ti­on ei­ner Ski­fahrt ge­hö­ren für das Ju­gend­par­la­ment mit da­zu. „Frü­her kam auch der Ju­gend­raum in der Al­ten Schu­le in Neu­burg sehr gut an“, er­zäh­len die Mit­glie­der. Das Ge­bäu­de wur­de je­doch von der Ge­mein­de Neu­burg ver­kauft. Mo­men­tan ist ein neu­er Ju­gend­raum ne­ben dem Rat­haus in Pla­nung.

Ein ganz be­son­de­res High­light war für das Ju­gend­par­la­ment die Neu­ge­stal­tung des Bar­fuß­pfa­des. Am Kam­mel­strand ha­ben die Mit­glie­der ei­nen Fühl­pfad zum Bar­fu­ßDurch­lau­fen selbst ge­plant und ver- wirk­licht. „Da­für ha­ben wir viel Lob be­kom­men“, be­rich­tet Le­na.

Ent­schei­dun­gen trifft das Gre­mi­um so, wie es sich für ein Par­la­ment ge­hört, de­mo­kra­tisch. Mit Par­tei­en hat das Ju­gend­par­la­ment je­doch nichts zu tun. Viel­mehr sol­len die Mit­glie­der hier ein Gr­und­ver­ständ­nis von Po­li­tik be­kom­men. Auch ein di­rek­ter Kon­takt zum Bür­ger­meis­ter, den Ju­gend­be­auf­trag­ten des Markt­ge­mein­de­rats und ein ei­ge­nes klei­nes Bud­get hel­fen da­bei, selbst ers­te po­li­ti­sche und or­ga­ni­sa­to­ri­sche Er­fah­run­gen zu sam­meln. Ak­tu­ell trifft sich das Ju­gend­par­la­ment im Sit­zungs­saal des Rat­hau­ses in Neu­burg. Wie der rich­ti­ge Ge­mein­de­rat eben. „An­sons­ten ist das Ju­gend­par­la­ment wie ein ganz nor­ma­ler Ver­ein“, er­gänzt Le­na.

Die Ju­gend­li­chen kön­nen hier nicht nur ler­nen, was es heißt, selbst Teil ei­nes de­mo­kra­ti­schen Ra­tes zu sein, son­dern sam­meln auch ei­ge­ne per­sön­li­che Er­fah­run­gen. Das Bes­te da­bei? „Wir kom­men hier mit neu­en Leu­ten in Kon­takt und ler­nen anz­war de­re Ju­gend­li­che aus un­se­rer Hei­mat ken­nen“, be­rich­tet die Prä­si­den­tin. „Bis jetzt ist un­ser Pro­gramm auch im­mer gut an­ge­kom­men.“

Ei­ne Schwie­rig­keit stellt sich je­doch im­mer wie­der für die Mit­glie­der des Ju­gend­par­la­ments: „Es ist nicht leicht für uns, die Ju­gend­li­chen zu er­rei­chen und für et­was zu be­geis­tern. Neue Leu­te her­zu­be­kom­men, ist für uns sehr schwie­rig.“Vie­len Ju­gend­li­chen fehlt der Be­zug zu den Ver­ei­nen. „Die meis­ten wis­sen gar nicht, wer wir sind oder was wir ma­chen“, er­zählt Le­na.

Ob­wohl das Ju­gend­par­la­ment sich im­mer wie­der im Neu­bur­ger „Markt­blätt­le“, bei der Ju­gend­bür­ger­ver­samm­lung und auf der ei­ge­nen Face­book-Sei­te prä­sen­tiert, bleibt der Nach­wuchs, wie in vie­len Ver­ei­nen in der Re­gi­on, aus. Aus die­sem Grund wur­den zu­letzt vie­le Mit­glie­der von der al­ten Par­la­ments­kon­stel­la­ti­on über­nom­men. „Wir ma­chen auch viel Wer­bung und ge­hen per­sön­lich auf die Leu­te zu“, er­klärt Le­na. „Wir hof­fen ein­fach, dass sich ge­nug Ju­gend­li­che fin­den, da­mit es mit dem Ju­gend­par­la­ment wei­ter­ge­hen kann.“Bei der nächs­ten Wahl ge­gen En­de die­ses Jah­res wird hof­fent­lich ein „jun­ges“Par­la­ment fol­gen. Al­lei­ne las­sen wol­len die jet­zi­gen Mit­glie­der die Neu­en aber nicht.„Wir wer­den dem neu­en Par­la­ment auf je­den Fall hel­fen und den Mit­glie­dern zei­gen, wie al­les ab­läuft“, sagt Se­bas­ti­an Wa­gner. Die jet­zi­gen Mit­glie­der des Ju­gend­par­la­ments neh­men ei­ni­ges von ih­rer Amts­zeit mit. „In den Sit­zun­gen ler­nen wir, un­se­re Mei­nung zu äu­ßern und un­se­re Po­si­ti­on zu ver­tre­ten.“An­schlie­ßend wird ab­ge­stimmt – wie im rich­ti­gen Par­la­ment eben. „Ich ha­be selbst ge­lernt, wie man et­was Gro­ßes, wie bei­spiels­wei­se ei­ne Ski­fahrt, für vie­le Per­so­nen or­ga­ni­siert“, sagt Le­na.

Ge­lernt ha­ben die Mit­glie­der de­fi­ni­tiv ei­nes: Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men. Und das (fast) ganz oh­ne Er­wach­se­ne. »Kom­men­tar

Fo­tos: Ju­lia Schorer, Se­bas­ti­an Wa­gner, Le­na Zim­mer

Sie bil­den das Ju­gend­par­la­ment von Neu­burg an der Kam­mel: Da­ni­el Mai­er (21 Jah­re, Neu­burg), Se­bas­ti­an Wa­gner (20 Jah­re, Edel­stet­ten, stell­ver­tre­ten­der Prä­si­dent), Le­na Zim­mer (19 Jah­re, Lan­gen­has­lach, Prä­si­den­tin), Na­di­ne Zel­ler (21 Jah­re, Edel­stet­ten), Li­sa Mai­er (20 Jah­re, Neu­burg) und Ar­min Her­mann (18 Jah­re, Neu­burg). Zu­sam­men konn­ten sie schon ei­ni­ges er­rei­chen – so ha­ben sie bei­spiels­wei­se den Bar­fuß­pfad am Kam­mel­strand ge­plant und selbst­stän­dig um­ge­setzt.

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