Wie Pa­ti­en­ten sich weh­ren kön­nen

Im­mer wie­der kommt es zu ärzt­li­chen Be­hand­lungs­feh­lern. Die Zahl der Fäl­le nimmt leicht ab. Aber der Nach­weis ist nicht ein­fach

Mittelschwaebische Nachrichten - - Politik -

Berlin Die Pa­ti­en­tin lei­det an Par­kin­son und lebt im Pfle­ge­heim. Sie stürzt und bricht sich den Ober­schen­kel. Sie wird ope­riert und muss län­ge­re Zeit ins Kran­ken­haus. Nach ih­rer Rück­kehr ins Heim be­mer­ken die Pfle­ger ein Druck­ge­schwür am Steiß­bein. Nach Prü­fung der Pa­ti­en­ten­ak­te wird fest­ge­stellt, dass das Ge­schwür bei re­gel­mä­ßi­gem Um­la­gern im Kran­ken­haus hät­te ver­hin­dert wer­den kön­nen. Ei­ner von tau­sen­den Be­hand­lungs­feh­lern. „Je­der Feh­ler ist ein Feh­ler zu viel, doch wir sind hier im Pro­mil­le­be­reich und in in­ter­na­tio­na­ler Spit­zen­po­si­ti­on“, sagt Georg Baum von der Deut­schen Kran­ken­haus­ge­sell­schaft. Aber trotz er­kenn­ba­rer Fort­schrit­te tun sich Ärz­te nach An­sicht der Kran­ken­kas­sen schwer mit der Feh­ler­for­schung.

Was ist ein Be­hand­lungs­feh­ler?

Ein Be­hand­lungs­feh­ler kann vor­lie­gen, wenn ei­ne Be­hand­lung nicht den ak­tu­el­len me­di­zi­ni­schen Stan­dards ent­spricht, wenn ei­ne ei­gent­lich ge­bo­te­ne me­di­zi­ni­sche Be­hand­lung un­ter­las­sen oder ei­ne un­nö­ti­ge durch­ge­führt wird. Auch wenn ei­ne Dia­gno­se trotz ein­deu­ti­ger Hin­wei­se nicht ge­stellt wird, kann dies als Be­hand­lungs­feh­ler ge­wer­tet wer­den. Doch auch bei feh­ler­frei­en Be­hand­lun­gen kön­nen Ne­ben­wir­kun­gen und Kom­pli­ka­tio­nen auf­tre­ten.

Wie ist die Ent­wick­lung bei Fehl­be­hand­lun­gen?

Die Zahl der Pa­ti­en­ten­be­schwer­den und der an­schlie­ßen­den Be­gut­ach­tun­gen hat leicht zu­ge­nom­men: 2015 wa­ren es 14828, im ver­gan­ge­nen Jahr wur­den 15 094 ver­zeich­net. Die An­zahl der vom Me­di­zi­ni­schen Di­enst der Kran­ken­ver­si­che­rung (MDK) re­gis­trier­ten Be­hand­lungs­feh­ler lag 2015 bei 4064 Fäl­len, 2016 wa­ren es 3564. Und das bei jähr­lich rund 700 Mil­lio­nen am­bu­lan­ten und rund 20 Mil­lio­nen Kran­ken­hausBe­hand­lun­gen.

Was kann der Pa­ti­ent tun?

Hat er ei­nen Ver­dacht auf ei­nen Be­hand­lungs­feh­ler und will Scha­den­er­satz­an­sprü­che gel­tend ma­chen, sind die ei­ge­ne Kran­ken­kas­se und der be­han­deln­de Arzt ers­te Adres­sa­ten. Die Kran­ken­kas­se ist ge­setz­lich ver­pflich­tet, Pa­ti­en­ten im Fal­le ei­nes sol­chen Ver­dachts zu un­ter­stüt­zen. In ih­rem Auf­trag er­stellt der MDK ein fach­ärzt­li­ches Gut­ach­ten, das für Pa­ti­en­ten kos­ten­frei ist. Kommt der Gut­ach­ter zu dem Er­geb­nis, dass der Ver­dacht ge­recht­fer­tigt ist, hilft es dem Be­trof­fe­nen, sei­ne An­sprü­che durch­zu­set­zen. Aber auch Ärz­te sind ver­pflich­tet, Aus­kunft zu ge­ben, wenn sie mit ei­nem sol­chen Ver­dacht kon­fron­tiert wer­den.

Wer muss den Feh­ler nach­wei­sen?

Die Be­weis­pflicht liegt grund­sätz­lich beim Pa­ti­en­ten. Nur bei un­ter­las­se­ner Auf­klä­rung, ei­nem gro­ben Be­hand­lungs­feh­ler oder ei­nem Do­ku­men­ta­ti­ons­feh­ler kommt ei­ne Be­weis­last­um­kehr in­fra­ge. Ge­schä­dig­te Pa­ti­en­ten müs­sen so­wohl die Pflicht­ver­let­zung des Arz­tes nach­wei­sen als auch den Scha­den an sich und die Pflicht­ver­let­zung als Ur­sa­che des Scha­dens. An­ge­sichts der zahl­rei­chen Ju­ris­ten der Kran­ken­häu­ser und Ver­si­che­run­gen ei­ne gro­ße Hür­de für die Pa­ti­en­ten.

In wel­chem Fach­be­reich ist das Feh­ler­ri­si­ko am größ­ten?

In der Chir­ur­gie und im Kran­ken­haus wer­den am meis­ten Vor­wür­fe er­ho­ben. Hier wur­den laut MDK 33 Pro­zent der Vor­wür­fe re­gis­triert. 12 Pro­zent wa­ren es in der In­ne­ren Me­di­zin und der All­ge­mein­me­di­zin, wei­te­re 9 Pro­zent in der All­ge­mein­chir­ur­gie, eben­falls 9 Pro­zent in der Zahn­me­di­zin. 7 Pro­zent ent­fie­len auf die Frau­en­heil­kun­de und 4 Pro­zent auf die Pfle­ge. (dpa)

Fo­to: Fe­lix Kästle, dpa

In der Chir­ur­gie ist das Feh­ler­ri­si­ko am größ­ten.

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