Ein Tritt mit ver­häng­nis­vol­len Fol­gen

War­um sechs we­gen Kör­per­ver­let­zung an­ge­klag­te Män­ner in ei­nem Pro­zess trotz­dem glimpf­lich da­von­kom­men

Mittelschwaebische Nachrichten - - Aus Der Heimat - VON WOLF­GANG KAH­LER

Günz­burg Ei­ne Sprung­ge­lenk­frak­tur, ei­ne Ge­hirn­er­schüt­te­rung, Platz­wun­den und ei­ne blu­ti­ge Au­gen­braue: Das wa­ren die Fol­gen ei­ner wüs­ten Prü­ge­lei nach der Mam­mut­fe­te im Früh­jahr ver­gan­ge­nen Jah­res in Wald­stet­ten. We­gen Kör­per­ver­let­zung stan­den ges­tern sechs jun­ge Män­ner im Al­ter zwi­schen 20 und 27 Jah­ren vor dem Günz­bur­ger Amts­rich­ter.

Im Saal 2.1 des Jus­tiz­ge­bäu­des wur­de es zu eng, um al­le Pro­zess­be­tei­lig­ten un­ter­zu­brin­gen: die sechs An­ge­klag­ten mit ih­ren sechs Ver­tei­di­gern, ein Zeu­ge mit An­walt als Ne­ben­klä­ger, die Ju­gend­ge­richts­hil­fe, die Staats­an­wäl­tin, die Pro­to­koll­füh­re­rin und Vor­sit­zen­der Da­ni­el Theu­rer. Zwei Be­schul­dig­te muss­ten mit ih­ren An­wäl­ten an Ex­tra­ti­schen vor dem Zu­hö­rer­raum Platz neh­men.

Mam­mut­fe­te im Con­tai­ner Wald­stet­ten

An­lass des Ver­fah­rens: Am letz­ten Mai­wo­chen­en­de 2016 ging im Con­tai­ner Wald­stet­ten die Mam­mut­fe­te über die Büh­ne. Ge­gen 2.45 Uhr, so die Staats­an­walt­schaft, wa­ren vie­le Be­su­cher auf dem Heim­weg, dar­un­ter auch die An­ge­klag­ten in ei­nem VW-Bus. Weil auf ei­nem en­gen Feld­weg ein paar Fuß­gän­ger lie­fen, hup­te der Fah­rer. Dann es­ka­lier­te die Si­tua­ti­on. Aus der ge­öff­ne­ten Schie­be­tür soll ei­ner der Mit­fah­rer ei­nen der Fuß­gän­ger in den Rü­cken ge­tre­ten ha­ben.

Dann hielt der Bus, sechs jun­ge Män­ner und ein Mäd­chen stie­gen aus. An­geb­lich hat­ten die Fuß­gän­ger vor­her auf den Bus ge­schla­gen und ge­pö­belt. Die An­grei­fer sei­en auf ein Op­fer los­ge­gan­gen, es wur­de nie­der­ge­wor­fen und mit ei­nem Fuß­tritt er­heb­lich ver­letzt. Ein wei­te­rer Fuß­gän­ger be­kam ei­nen Schlag auf den Kopf, dann stie­gen die jun­gen Leu­te wie­der in den Bus und düs­ten da­von. Die ju­ris­ti­sche Au­f­ar­bei­tung des Ge­sche­hens in die­ser Nacht er­wies sich ges­tern als schwie­rig.

Die An­ge­klag­ten be­haup­te­ten, die Ag­gres­si­on sei von den Fuß­gän­gern aus­ge­gan­gen, drei der be­trof­fe­nen Op­fer als Zeu­gen schil­der­ten die Vor­gän­ge zum Teil un­ter­schied­lich. Al­le Be­tei­lig­ten, bis auf den Fah­rer des VW-Bus­ses, hat­ten auf der Fe­te teils in­ten­si­ver dem Al­ko­hol zu­ge­spro­chen: „Es hielt sich in Gren­zen“, so ein Zeu­ge und ern­te­te da­für ein Schmun­zeln im Ge­richts­saal.

Nach der Aus­sa­ge von sie­ben Zeu­gen wur­de deut­lich, dass es zu ei­ner „wil­den Ran­ge­lei“ge­kom­men war. Wer aber den Tritt mit den ver­häng­nis­vol­len Fol­gen des Ge­lenk­bruchs ver­üb­te, konn­te nicht ge­klärt wer­den.

Der Bru­der des Haupt­zeu­gen be­teu­er­te, un­ter den An­ge­klag­ten min­des­tens zwei wie­der­er­kannt zu ha­ben, die be­son­ders bru­tal vor­ge­gan­gen sei­en. Die An­ga­ben von wei­te­ren Be­tei­lig­ten be­weg­ten sich in ei­ner ziem­li­chen Grau­zo­ne. Wer wen und wie in­ten­siv ver­prü­gelt hat, konn­ten sie nicht mehr kon­kret sa­gen.

Rich­ter Theu­rer bot nach ei­ner Ver­hand­lungs­pau­se die Ein­stel­lung des Straf­ver­fah­rens ge­gen zwei An­ge­klag­te oh­ne und ge­gen die üb­ri­gen vier ge­gen Geld­auf­la­gen zwi­schen 600 und 2000 Eu­ro an, denn al­le sechs hat­ten sich bis­her nichts zu­schul­den kom­men las­sen.

Die Auf­la­gen kom­men den drei Op­fern kom­plett oder teil­wei­se zu­gu­te, ein Teil ist für die Op­fer­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on Wei­ßer Ring vor­ge­se­hen. Auf ei­nen Teil der An­ge­klag­ten kom­men wohl noch zi­vil­recht­li­che For­de­run­gen wie Schmer­zens­geld zu.

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