„Rau­chen ver­bo­ten“seit sie­ben Jah­ren

War die Ent­schei­dung sinn­voll? Ex­per­ten und Gas­tro­no­men aus dem Land­kreis zie­hen Bi­lanz

Mittelschwaebische Nachrichten - - Landkreis - VON STE­FAN FOAG HIER SA­GEN SIE IH­RE MEI­NUNG

Günz­burg Seit sie­ben Jah­ren wer­den Rau­cher in Gast­stät­ten be­din­gungs­los vor die Tü­re ge­schickt. Durch ei­nen Bür­ger­ent­scheid wur­de im Ju­li 2010 be­schlos­sen, dass von nun an bay­ern­weit in Re­stau­rants und Kn­ei­pen nicht mehr ge­raucht wer­den soll­te. Dar­an ha­ben sich die Leu­te mitt­ler­wei­le ge­wöhnt und es dis­ku­tiert ei­gent­lich nie­mand mehr dar­über. Doch war die­se Re­ge­lung die rich­ti­ge Ent­schei­dung und er­gibt sie bis heu­te Sinn?

Dr. Ro­land Schmid, der Lei­ter des Ge­sund­heits­am­tes in Günz­burg, ist da­von über­zeugt. „Aus ge­sund­heit­li­cher Sicht war die­ser Schritt drin­gend not­wen­dig. Dass Rau­cher er­heb­lich der ei­ge­nen Lun­ge und den Men­schen in ih­rer Um­ge­bung schaden, ist be­kannt.“Er be­grüßt es da­her, Rau­chen im öf­fent­li­chen Raum ein­zu­schrän­ken. Da­mit un­ter­stüt­ze man auch die Be­mü­hun­gen des Ge­sund­heits­am­tes, Sucht­ver­hal­ten zu ver­hin­dern.

Doch ist, seit der Nicht­rau­cher­schutz be­schlos­sen wur­de, die An­zahl der Lun­gen­er­kran­kun­gen tat­säch­lich zu­rück­ge­gan­gen? Schließ­lich grei­fen auch im­mer we­ni­ger Men­schen re­gel­mä­ßig zur Zi­ga­ret­te. Die Antwort lau­tet ganz klar: nein. „Da­mit wä­re frü­hes­tens in 20 Jah­ren zu rech­nen“, sagt Her­bert Renz. Der Lun­gen­fach­arzt aus Günz­burg er­klärt, die Lun­ge ei­nes Rau­chers brau­che eben 20 Jah­re, um wie­der auf den Stand ei­nes Nicht­rau­chers zu kom­men. Schnel­ler pro­fi­tie­re bei Herz-Kreis­lauf-Er­kran­kun­gen. „In al­len eu­ro­päi­schen Län­dern ist nach Ein­füh­rung ei­nes Rauch­ver­bo­tes in öf­fent­li­chen Räu­men die Herz­in­fark­t­ra­te ge­sun­ken“, er­klärt er.

Ha­rald Eh­lers, der den Gast­hof Hirsch in Ichen­hau­sen be­treibt, ist eben­falls froh, dass in Re­stau­rants in Bay­ern nicht mehr ge­raucht wird. Al­ler­dings hält er das be­ste­hen­de Ge­setz für zu streng. „Ich ha­be da­mals nicht für die har­ten Re­ge­lun­gen ge­stimmt“, sagt er.

In Kn­ei­pen, in die man abends geht, um et­was zu trin­ken, soll­te es sei­ner Mei­nung nach nicht kom­plett ver­bo­ten sein. Da­mit sei­en näm­lich auch Pro­ble­me mit dem Lärm­schutz ver­bun­den. Wenn sich Rau­cher auch nachts im­mer drau­ßen auf­hal­gleich­zei­tig ten müs­sen, füh­re das oft zu Ru­he­stö­run­gen. Da er in sei­nem Gast­hof auch ein Ho­tel be­treibt und sich ge­gen­über die­sem ei­ne Bar be­fin­det, kann er durch­aus aus Er­fah­rung spre­chen. Er schlägt vor, dass es et­wa ab 22 Uhr in Kn­ei­pen er­laubt sein sol­le, zu rau­chen.

In­grid Os­ter­leh­ner sieht den Nicht­rau­cher­schutz, wie er jetzt exis­tiert, sehr po­si­tiv. Die Wir­tin des Gast­hofs zur Son­ne in Rö­fin­gen er­klärt: „Ge­ra­de für Fa­mi­li­en ist das ei­ne gu­te Sa­che und wir wol­len so­wie­so ei­ne Kin­der- und Fa­mi­li­en­re­gi­on sein.“Ihr Wirts­haus hat ei­nen über­dach­ten Bier­gar­ten, in dem ge­raucht wer­den darf, wo­mit sie die Sa­che gut ge­re­gelt sieht.

Auch die At­mungs­the­ra­peu­tin An­ge­li­ka Renz hält das Ge­setz für ei­man nen Se­gen. Sie ar­bei­tet in der Ge­mein­schafts­pra­xis ih­res Man­nes, Her­bert Renz. Dort bie­tet sie un­ter an­de­rem Ta­bak­ent­wöh­nungs­kur­se an und ist da­her sehr froh, dass Rau­chen in den Wirts­häu­sern nicht mehr mög­lich ist. „Ge­ra­de für Men­schen, die erst kürz­lich da­mit auf­ge­hört ha­ben, ist es leich­ter, wenn im Um­feld nicht ge­raucht wird“, sagt sie.

Au­ßer­dem sei da­mit auch das Pro­blem des Pas­siv­rau­chens ge­lin­dert. Ei­ne St­un­de den schäd­li­chen Qualm ein­zu­at­men ent­spre­che ei­ner gan­zen Zi­ga­ret­te, die man selbst kon­su­mie­re. Ab­schlie­ßend er­klärt Renz: „All­er­gi­ker und Asth­ma­er­krank­te ha­ben da­durch bei­spiels­wei­se auch mehr Frei­hei­ten, da sie nun in je­des Lo­kal ge­hen kön­nen.“

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